Literatur-Adaption

„Wo bist Du, João Gilberto?“ im Kino

Der Mann, der die wohl sanfteste Revolution der Weltgeschichte angestiftet hatte, verlässt seit Jahren kaum mehr sein Apartment. João Gilberto hat vor 51 Jahren mit im raffiniert synkopierten 2/4-Takt gezupfter Gitarre und leisem, fast gehauchtem Gesang den Siegeszug der Bossa Nova losgetreten.

Stéphane Kuthy/ Farbfilm

Fasziniert von seiner Musik und der geheimnisvoll-skurrilen Aura, die den heute 87-Jährigen umgibt, hatte sich der deutsche Journalist Marc Fischer 2010 wie ein Detektiv auf die Spurensuche nach ihm begeben. Herausgekommen ist dabei das wunderbare Buch „Hobalala“, ein Vermächtnis: Fischer beging eine Woche vor dem Erscheinen des Buchs Suizid.

Der Schweizer Filmemacher Georges Gachot, gleichsam fasziniert von João Gilberto wie von Fischers Buch, versucht nun eine Art filmisches Reenactment der Suche Fischers. Da dieser selbst als Protagonist ausfällt, nimmt Gachot einfach selbst seine Rolle ein, klappert dieselben Schauplätze ab und trifft dieselben Weggefährten Gilbertos wie Fischer. Leider aber fehlt ihm der selbstironische Humor, der „Hobalala“ auch auszeichnet, und es fallen ihm keine Bilder jenseits des dokumentarisch Offensichtlichen ein. So sieht man Gachot dann sehr oft sinnierend am Fenster seines Hotelzimmers in Rio sitzen, seine eigenen Kontakte in die brasilianische Popwelt allzu eitel betonend und ebenso bedauern, dass Gilberto sich auch ihm entzieht wie dass er Fischer nicht mehr treffen kann.

Seine Stärken hat der Film immer dann, wenn Gachot seine Gesprächspartner – darunter Musiklegenden wie João Donato, Roberto Menescal und Marcos Valle – frei ihre Erlebnisse mit Gilberto erzählen lässt, ohne sie in ein bemühtes Reenactment ihrer Fischer-Gespräche zu zwingen. Ein zwiespältiger Film über die Sehnsucht und das Verschwinden. Friedhelm Teicke

Wo bist Du, João Gilberto? CH/B/F 2018, 106 Min., R: Georges Gachot, Kinostart: 22.11.