Familienkomödie

„Wohne lieber ungewöhnlich“ im Kino

Auch bei der dritten Ehe seiner Mutter macht sich Bastien keine großen Hoffnungen – der 13-Jährige weiß, dass statistisch gesehen jede Ehe in Frankreich nach fünf Jahren geschieden wird, und dass er, ebenso wie seine vielen Halbgeschwister, Cousins und Cousinen, immer wieder kreuz und quer durch Paris umziehen muss und gelegentlich auch mal vergessen werden wird

Neue Visionen

Wenn aber die Eltern nichts mehr auf die Reihe kriegen, so Bastien, wohnen eben die Kinder zusammen. Eine geniale Idee, zumal durch den Tod einer der vielen Omas gerade eine geräumige Altbauwohnung frei geworden ist. Also bilden ab sofort Leopoldine, Oscar, Juliette und die anderen eine permanente Kinder-WG, in die die Erwachsenen jeweils per Dienstplan zugeteilt werden.

Gut gelaunt, fröhlich und gelegentlich ein bisschen überdreht kommt Gabriel Julien-Laferrières filmischer Kommentar zum Thema Patchwork-Familiendurcheinander daher, versprüht allerlei französischen Komödiencharme und nimmt ausnahmsweise mal die Perspektive der Kinder ein. Bei der Vielzahl der Personen bleiben die einzelnen Charaktere notgedrungen etwas flach, aber nach und nach kann der Zuschauer – im Gegensatz zu einer der leicht überforderten Filmomas – die vielen Kinder, Mütter, Väter und Stiefväter einigermaßen auseinanderhalten.

„Beziehungen funktionieren nur im Film“, kommentiert der abgeklärte Bastien aus dem Off, und auch dem tollen neuen Mädchen in der Klasse nähert er sich eher desillusioniert: „Wir werden uns nach einer kurzen Phase des Glücks schon bald nichts mehr zu sagen haben.“ Harter Tobak. Andererseits kann der revolutionäre, wild zusammengewürfelte Genpool das nicht minder chaotische Elternkollektiv alsbald vom neuen Wohnkonzept überzeugen, auch wenn die eine oder andere Erziehungsdebatte noch geführt werden muss. Ein leichter, aber nicht seichter Familienfilm mit dem schönen Michel-Polnareff-Song: „Wir kommen alle ins Paradies“ als Fazit.

Wohne lieber ungewöhnlich F 2017, 99 Min., R: Gabriel Julien-Laferrière, D: Julie Gayet, Thierry Neuvic, Julie Depardieu, Start:

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