Kultur & Freizeit in Berlin

Wolfgang Riedl über den Entgiftungs-Trend Detox

Der Yogalehrer und Rebalancer betreibt in Steglitz eine eigene Praxis und bietet zweimal im Jahr Detox-Wochenenden an

Wolfgang_Riedl_DvB_02Herr Riedl, was versteht man eigentlich unter Detox?
Detox ist ja gerade in aller Munde. Es kommt  aus dem Englischen und bedeutet erst einmal nur „entgiften“. Gemeint ist aber eine moderne Form von Fasten, die auf alte Traditionen zurückgeht..

Was genau bedeutet das?
Fasten ist das Mittel jeder großen Religion zur Kontemplation. Im Buddhismus gibt es Fasten als Vorbereitung zur Meditation, ebenso im Hinduismus. Die jüngeren Religionen wie Christentum und der Islam haben jeweils eigene Formen des Fastens wie den Ramadan oder das vor­österliche Fasten. In einer weiten Übersetzung kann man sagen, Fasten war immer ein Weg, sich aus der Routine des Lebens zu befreien, um sich Gott näher zu bringen.

Und die moderne Interpretation  von Fasten?
Die ist ähnlich. Es geht darum, Routinen im Leben zu durchbrechen, Gewohnheiten zu hinterfragen und mit ein bisschen Glück eine Veränderung mit in den Alltag zu nehmen.

Sie würden Detox also nicht so sehr auf den Lebensmittelaspekt beziehen?
Das ist nur ein Aspekt. Ich finde die evangelische Ausrichtung des Fastens, die dazu rät, erst einmal auf eine Sache zu verzichten, auch gut. Das kann der Kaffee am Morgen genauso sein wie das Fernsehprogramm.

Also fokussieren Sie nicht so sehr auf die sogenannten Schlacken?
Es gibt gerade dazu große Kontroversen.

Existieren Schlacken – oder nicht?
Ich glaube, wo gehobelt wird, da fallen Späne. Unbestritten ist wohl, dass unser heutiges hektisches Leben und unsere Ernährung zu Darmträgheit führt. Und bestimmte Lebensmittel können helfen, die Darmperistaltik anzuregen.

Sie sind auch Yogalehrer und bei den Yogis geht es beim Thema Darmreinigung schon mal zur Sache – mit Einläufen etc.
Die traditionelle Form kann tatsächlich sehr intensiv sein und bedarf einer langen Vorbereitung. Da kann man nicht sagen: „Ach, heute ist das Wetter schön, mache ich mal eine yogische Darmreinigung.“ Aber es gibt auch sanfte Formen. Was wir an Retreats an einem Wochenende anbieten, ist auf der körperlichen Ebene eine Kombination aus maßvollem Salzwassertrinken plus abgestimmte yogische Reinigungs- und Anregungs­übungen, den sogenannten Kriyas. Zwischendurch gibt es lange Ruhephasen und am Ende eine Ganzkörpermassage. Das ist ein sanfter Abschluss, denn das Entgiften vorher fordert einen körperlich und geistig.

Weiterlesen: Was die Teilnehmer bei einem yogischen Detox-Wochenende erwartet – eine Selbsterfahrung

Salzwasser ist auch nicht jedermanns Sache …
Nein, es schmeckt wirklich nicht, das kann man sich nicht schönreden. Aber gerade das Überwinden von Widerständen hilft aus Alltagssituationen he­raus. Und darum geht es.

Das macht man aber nicht monatlich?
Nein. Ich empfehle es höchstens einmal im Jahr.

Und wieder zu Hause greift man zu Detox-Lebensmittelpaketen?
Das möchte ich nicht bewerten. Interessant daran ist, dass es immer mehr Menschen gibt, die ein Bedürfnis nach solchen Produkten zu haben scheinen.

Wem würden Sie von Detox abraten?
Für Schwangere, Nierenkranke und schwer Herz-Kreislauf-Kranke ist es nichts. Bei allen anderen sollte ein Vorgespräch stattfinden. Und die Therapeuten sollten währenddessen immer fragen, wie es den Teilnehmern geht. Gerade jetzt im Herbst ist eine gute Zeit, um zu gucken, was man loslassen kann und was man loswerden möchte.

Interview: Iris Braun

Foto: David von Becker

Infos unter www.riedl-bodywork.de

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare