Drama

„Wonder Wheel“ im Kino

Woody Allens Wonder Wheel ­erinnert an Tennessee Williams

Foto: Warner

Woody Allen ist so verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk: Jedes Jahr gibt es einen Film, in dem die Figuren anderthalb Stunden lang hysterisch aufeinander einreden. Mal im komödiantischen Modus, für den der US-Regisseur eigentlich berühmt ist, in den letzten Jahren aber auch immer öfter auf dramatische Weise. Früher versuchte sich Allen dann mitunter als Pseudo-Ingmar-Bergman, mit „Wonder Wheel“ ist er jetzt bei Tennessee Williams gelandet. Dessen überhitzte (und gern verfilmte) Melodramen waren der Moderenner auf den Bühnen der 40er- und 50er-Jahre; heute taugt das halbgare Geseier um die verlorenen Träume seiner ­neurotischen Protagonisten allenfalls noch für unfreiwillige Komik.

Was Allens „Endstation-Sehnsucht“-light – komplett mit gescheiterter Schauspielerin (Kate Winslet) und ihrem im ärmellosen Feinripp-Unterhemd auftretenden Ehemann (Jim ­Belushi), der sich vor allem für Baseball und Angeln interessiert, – nicht unbedingt unterhaltsamer macht. Das größte Problem des Films liegt darin, dass es Allen nie gelingt, eine tragfähige Verbindung zwischen dem Drama und dem Setting herzustellen, in dem es sich zuträgt. Der Vergnügungspark von Coney Island, den Bertoluccis alter Kameramann Vittorio Storaro hier in den leuchtenden Farben der 50er so hübsch fotografiert, kommt über seine Funktion als Hintergrundkulisse nie hinaus.

Wer sich an der Hysterie von „Wonder Wheel“ nicht stört und sich gern ein attraktiv foto­grafiertes Hörspiel mit guten Schauspielern ansehen mag – bitte schön. Ich lieber nicht.

Wonder Wheel USA 2017, 101 Min., R: Woody Allen, D: Kate Winslet, Jim Belushi, Justin Timberlake, Juno Temple, Start: 11.1.

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