Familie

Wunder-Spa mit Kinderyoga

Nach Latte-Macchiato-Kindercafés zündet in Prenzlauer Berg nun die nächste Stufe hipper ­Elternseligkeit. Das kürzlich eröffnete Wunderhaus erweist sich als Edeltreffpunkt für junge Familien

Da mag die stuckverzierte Decke noch so hoch sein – manchmal fällt sie Eltern auf den Kopf. Dann zieht es die einsamen Mütter und Väter Prenzlauer Bergs aus den wohl durchdachten eigenen vier Wänden hinaus, in der Hoffnung, auf andere Eltern zu treffen. Klar, Kinder sind toll. Toller als toll sogar. Aber das Konzept von Mama, Papa, Kind gegen den Rest der Welt, das geht im urbanen Raum nur bedingt auf. Bauklötzchenlangeweile und ­Duplo-Depression sind allgegenwärtig. Wo stecken die ganzen anderen Eltern, die auch so ticken wie ich? Und wann, zum Donner noch mal, kann ich mir mal wieder in Ruhe die Nägel machen, ohne, dass dabei jemand an meinem Hosenbein zieht und „Mamaaaakackaaa“ schreit?

Ähnliche Fragen stellte sich Shirley Erskine-Schreyer vor drei Jahren, damals schwanger mit ihrer Tochter Bella. Auf der Suche nach pre- und postnataler Zerstreuung und Kontakt zu Gleichgesinnten stieß sie zwar auf massenweise Kindercafés, Indoorspielplätze und Tragetuchkurse. Aber „so richtig ansprechend waren die nicht“, sagt sie heute. „Das Spielzeug in solchen Läden ist grell und scheußlich-bunt, der Laden oft ziemlich heruntergekommen. Bei den Kursen müssen sich die Mütter nach der Geburt separat um eine Betreuung für ihre Kinder bemühen. Das klappt alles mehr schlecht als recht. Es gibt doch diese schöne, alte Weisheit: ‚Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.‘ Das stimmt.“

Und weil in Berlin gerade kein Dorf zur Hand war, gründete die gebürtige Kanadierin als MomPreneur, als unternehmerisch denkende Mutter, eben selbst eins.

Heute ist das ehemalige Fotomodel die Chefin des „Wunderhaus“ in der Belforter Straße in Prenzlauer Berg. Der Leitspruch „it takes a village to raise a child“ prangt in Leuchtbuchstaben über dem Empfangstresen. Auf 250 Quadratmetern und zwei Etagen verwirklichte Shirley sich mithilfe einiger Investoren den Traum eines Clubs für Eltern und Kinder. Ein Ort, an dem man sich gegenseitig entlastet, die Kids miteinander spielen, von anderen betreut werden und Eltern gleichgesinnte Eltern kennen lernen. Wie auf dem Dorf halt. Nur, dass hier nichts nach Dorf aussieht. Im Gegenteil.

Fast klinisch sauber wirkt das „Wunderhaus“, das optisch eher an eine Mischung aus Designermöbelladen und Hipsterbar erinnert, als an einen Treffpunkt für Stadtbewohner und ihre Sprösslinge. Weißgetäfelt und in Pastell erstrahlend – kaum vorstellbar, dass hauptberufliche Dreckspatzen im Wunderhaus bereits seit drei Monaten regelmäßig ein- und aus gehen.
Aber: So ist es. Während die Dreckspatzen sich beim Kinderyoga dehnen oder beim Musikunterricht in die Tasten hauen, gönnen sich ihre Mütter im „Wunder-Spa“ im Untergeschoss Zeit für sich selbst. Väter sind im Wunderhaus auch vertreten, gehören allerdings, ähnlich wie auf Spielplätzen, zu den selteneren Gästen.

Eine „stylische Oase für moderne Eltern“ sei der Ort, so sagt es die Website des Wunderhauses. Die anwesenden Eltern, männlich wie weiblich, scheinen das Credo des Hauses verinnerlicht zu haben. Sogar ihre Sprösslinge sehen „modern“ und „stylisch“ aus. Während die sich, auf pastellfarbenen Kinderstühlen sitzend, per Buntstift als Designer von morgen versuchen, tauchen ihre hippen Moms ins Smoothieversum ab, beugen sich über ihre Laptops oder plauschen mit dem dreitagebärtigen Dad im Hängesessel nebenan über die neuesten nachhaltigen Kinderklamotten. In allen Sprachen, denn das „Wunderhaus“ ist international, of course. Die Kinderbetreuung ist zweisprachig, die angebotenen Kurse sind es auch.

Wer daran teilnehmen möchte, kann sich zwischen zwei verschiedenen Arten von Clubmitgliedschaften ­entscheiden. „Wunderschön“ (99 Euro/Monat) oder ­„Wundervoll“ für 149 Euro/Monat. In der günstigsten Version, dem „Little Wunder“ (69 Euro/Monat), sind zwar keine Kurse inbegriffen, dafür aber immerhin zwei Stunden Kinderbetreuung pro Woche und eine „Einladung zu allen Wunderhaus-Events“. Die Luxus-Ausgabe der Mitgliedschaft ermöglicht unter anderem die Teil­nahme an Kursen für ein Elternteil und ein Kind sowie eine zweistündige Betreuung pro Tag. Zwei Nannys bespaßen die Kids hier den ganzen Tag im „Wundergarten“.

Ist das Wunderhaus das, was dem (kinder-)reichen Prenzlauer Berg noch gefehlt hat? Offensichtlich. Ein paar Stunden zwischendurch für liegengebliebene Projekte oder zum Entspannen – das Angebot wird gerne angenommen. So gerne, dass Shirley Erskine-Schreyer bereits über Expansion nachdenkt: Eine Filiale soll bald im Westen Berlins Einzug halten. Wo genau, ist noch offen, nicht aber, dass die Zweigstelle ebenfalls als Edelschuppen angelegt ist.

Wunderhaus Belforter Str. 8, Prenzlauer Berg, www.wunder-haus.com

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