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Wüstenblume erzählt die Geschichte der Waris Dirie

WüstenblumeUnter ihrem somalischen Vornamen Wüstenblume veröffentlichte das Fotomodel Waris Dirie vor gut zehn Jahren ihre Kindheitserinnerungen. Das Buch schildert nicht nur ihre Flucht aus Afrika nach London und den märchenhaften Beginn ihrer Karriere als glamouröse Titelblatt-Beauty, sondern vor allem auch, wie Waris Dirie die in muslimischen afrikanischen Ländern weitverbreitete Tor­tur der Genitalverstümmelung am eigenen Leib erfahren hat.
Der Film „Wüstenblume“ kreist lange um die exemplarische Migrations- und Aufstiegsgeschichte der schönen schwarzen Frau, ehe sie Diries besondere Lebensleistung herausstellt, nämlich das Tabu um die verheerende Praxis der Klitorisbeschneidung gebrochen zu haben. Diries Rede vor der UNO in New York, in der sie die barbarischen Eingriffe und deren Folgen für Mädchen und Frauen anprangert, ist das Finale des Films, ihre Arbeit als UN-Sonderbotschafterin gegen FGM (Female Genital Mutilation) eine Info im Abspann.
Die deutsch-englische Regisseurin Sherry Hormann, bislang eine Spezialistin für TV-Komödien, setzt auf Komik, Multikulti und britisches Milieu, um allzu zögerlich auf das Thema zu kommen. Liya Kebede verkörpert die junge Waris Dirie mit sanftem Charme, sodass man ihrer Geschichte sicher auch ohne den kalkulierten Drehbucheinfall einer romantischen Liebesgeschichte folgen würde. Sally Hawkins, seit Mike Leighs „Happy-Go-Lucky“ auf den schrill-gutherzigen Clown abonniert, ist in „Wüstenblume“ die gute Freundin und Aufklärerin in Sachen sexueller Selbstverwirklichung.
Lange pendelt der Film zwischen der afrikanischen Kindheit unter den harten Lebensbedingungen ihrer Nomadenfamilie und der Flüchtlingsexistenz des Mädchens in London, das, der Sklaverei in einem somalischen Botschafterhaushalt eben entkommen, ohne Papiere, Essen und Un­terkunft auskommen muss. Ein väterlicher Starfotograf (Timothy Spall) entdeckt Dirie beim Putzen in einem Fast-Food-Lokal, eine auf­gedreht arrogante Agentin (Juliet Stevenson) steht sodann für die knallige Modelszene. Mit Feelgood-Movie-Klischees lenkt Sherry Hormann von den gelungenen Afrika-Episoden ihres Films ab, die Waris Diries Schockerfahrung und ihre Fassungslosigkeit über die Haltung ihrer Mutter andeuten. Mehr davon wäre besser gewesen.

Text: Claudia Lenssen

tip-Bewertung: Zwiespältig

Wüstenblume Deutschland/Österreich/ Frankreich 2009; Regie: Sherry Hormann; Darsteller: Liya Kebede (Waris Dirie),
Sally Hawkins (Marylin),
Timothy Spall (Donaldson); Farbe,
120 Minuten;

Kinostart: 24. September

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