Beatles

Yellow Submarine als Comic

Boobs and Beatles: Zwei neue Comics erinnern an die goldene Zeit des Pop: „The Beatles – Yellow Submarine“ und die dramatische Geschichte von „Betty Boob“

Bissige Türken, Clowns und der furchtbare fliegende Handschuh, die Blaumiesen schrecken vor nichts zurück. Sie wollen Schrecken verbreiten und das freundliche Pepperland mit ihrer finsteren Blauheit überziehen. Ein mutiger Kapitän will das verhindern, er besteigt sein gelbes Unterseeboot und macht sich auf zu einer fantastischen Reise. Unterwegs trifft er die Fab Four und kehrt mit ihnen, über einige Umwege, zurück ins unterjochte Land. Mit der Kraft der Musik vertreiben sie die blauen Aggressoren und Pepperland wird wieder zum psychedelischen Paradies, das es einst war. 1968 sorgten die Beatles mit dem Regisseur George Dunning für eine Pop-Eruption auf den Kinoleinwänden. Der 90-minütige Zeichentrickfilm „Yellow Submarine“, dem einige Monate später ein gleichnamiges Album der Beatles folgte, stellte die Sehgewohnheiten des Publikums auf den Kopf. Absurd, aberwitzig, spektakulär, bunt, voller Musik und irgendwie auch urbritisch zog die wohl prägendste Band der Sixties alle Register und brachte die Ästhetik der Ära auf den Punkt. Die Zeichnungen zu dem Film verantwortete damals der deutsche Grafiker Heinz Edelmann als Art Director. Daran orientiert sich exakt 50 Jahre später treu und voller Liebe zum Detail und Farbigkeit Bill Morrisons Comic-Adaption. Der Amerikaner kennt sich schließlich mit gelben Ikonen aus, da er lange Chefzeichner der „Simpsons“-Comics war. Sein Buch ist ein Muss – nicht nur für Beatles-Fans.

Düsterer geht es in Véro Cazots (Zeichnung) und Julie Rocheleaus (Story) Graphic Novel „Betty Boob“ zu. Ganz klar bezieht sich das Duo auf Betty Boop, die Cartoon-Heldin aus den 1930ern, doch ihre Protagonistin wirkt viel realistischer. In traumhaften, expressiven Bildern erzählen sie von Elisabeth, die sich mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert sieht, ihren Freund und den Job verliert und anschließend auch noch eine Brust. Doch anstatt aufzugeben, schöpft sie Hoffnung und findet Zuflucht auf einem schwimmenden Burlesque-Theater, wo sich die bunte Künstlerschaar über ihre Andersartigkeit nicht sorgt und sie stattdessen akzeptiert wie sie ist. Diese Geschichte kommt nahezu ohne Worte aus, ist dabei eindrücklich und zeigt, wie das Gefühl von Zugehörigkeit ein Leben retten kann.

In gewisser Weise retten auch die Beatles auf ihrer Reise Leben, ein ganzes Land sogar. Und schon Velvet Underground sangen: „Her life was saved by Rock‘n‘Roll“. Auf sehr unterschiedliche Art thematisieren beide Bücher die heilende Macht der Popkultur.

Yellow Submarine von Bill Morrison, Panini, 112 S., 25 €
Betty Boob von Véro Cazot & Julie Rocheleau, Splitter, 184 S., 24,80 €

Kommentiere diesen Beitrag