Hiphop

Young M.A. im Musik & Frieden

Oralsex mit Bitch: Young M.A. schreibt die Hetero-Spielregeln im Hip-Hop queer um

Foto: Boyle

„God‘s Gift“ ist eine Ansage. Der Schriftzug zieht sich quer über den Hals von Katorah Marrero. Die Selbstbeschreibung stammt aus einer Zeit, als nicht daran zu denken war, dass sich die 26-Jährige als Geschenk Gottes erweisen würde – für den Hip-Hop, vor allem aber für die Queer-Community. Die hatte es bisher schwer, Rollenmodelle im Hip-Hop zu finden: Le1f, Angel Haze und Big Freedia sind Nischenphänomene geblieben, Janelle Monáe wird auf ihrem aktuellen Album „Dirty Computer“ im Spiel mit Genderrollen erstmals expliziter. Young M.A aber, so Marreros nom de guerre, sammelte mit ihrer sedativen Party-Hymne „Ooouuu“ dreifaches Platin ein, indem sie mit Reibeisenstimme darüber rappt, wie sie mit ihrer „Bitch“ Oralsex hat – und das ganz ohne Majorabel.

„Fuck Siebenstellig, ich zieh mein Ding durch“, tönte Young M.A schon 2016 in ihrem viralen Hit „Quiet Storm“. Und: „Ich hab girly probiert, hat zum Glück nicht geklappt.“ Neben Princess Nokia ist sie derzeit die einzige Hip-Hop-Künstlerin, die ihre Queerness thematisiert und damit Hallen füllt. Doch während Princess Nokia mit ihrem Tomboy-Image kokettiert, gibt 50-Cent-Fan Marrero die taffe Gangsta-Butch: Tattoos, fette Grills, Geld, Sex. Sittenwächter beschweren sich darüber, dass sie ihre Geschlechtsgenossinnen konsequent als „Bitches“ und „Hoes“ bezeichnet, doch der Jive-talk-erprobten Queer-Community ist das herzlich egal. Young M.A, das selbsterklärte Geschenk Gottes, schreibt die Spielregeln gerade neu.

Musik & Frieden Falckensteinstr. 48, Kreuzberg, Mi 22.8., 20.30 Uhr, VVK 21,25 €

Mehr über Cookies erfahren