Dokumentarfilm

„Yours in Sisterhood“ im Kino

Die feministische landesweite US-amerikanische Zeitschrift „Ms.“ wurde 1972 von den Feministinnen Gloria Steinem und Dorothy Pitman Hughes gegründet. Tausende von Frauen richteten damals Leserbriefe an die Zeitschrift und beklagten ihre untergeordnete Stellung in der Gesellschaft

Arsenal Institut für Film und Videokunst

Diese Briefe bilden nun den Ausgangspunkt für den Dokumentarfilm von Irene Lusztig. Amerikanerinnen mit dem gleichen Heimatort und einer ähnlichen sozialen Herkunft repräsentieren jetzt die Autorinnen der Leserbriefe. In der modernen Vorstadtidylle tragen sie die Leserbriefe vor und kommentieren diese anschließend: eine Polizistin, die wegen ihres Geschlechts nirgendwo eingestellt wird. Eine Automechanikerin, der besonders ihre Kundinnen keinen Ölwechsel zutrauen. Stark und entschlossen blicken die Rednerinnen in die Kamera und teilen ihre persönliche Sichtweise. Was hat sich innerhalb der letzten 40 Jahre verändert, was ist gleichgeblieben?

Der Feminismus, für viele ein leidiges Thema, erreichte mit der Verbreitung des polarisierenden und stark kritisierten Hashtags #MeToo einen Peak. Erfolgreich machte er auf die Missstände innerhalb der Gesellschaft aufmerksam. Im Rahmen eines Hashtags Trennlinien zwischen verschiedenen Formen sexueller Gewalt zu ziehen, ist jedoch nur begrenzt möglich. Der Komplexität sexueller Gewalt ist #MeToo deswegen trotz seines Erfolgs nur teilweise gewachsen. Einfühlsam und zugleich eindringlich meistert der Film dies nun, woran #MeToo krankt. Die vielen Geschichten verweben sich zu einer Botschaft: Nicht jede Frau wird systematisch durch patriarchale Strukturen unterdrückt. Vergewaltigungen, Belästigung, Altersarmut und schlechte Berufs- und Gehaltsaussichten sind dennoch allgegenwärtig und sollten nicht ignoriert werden.

Yours in Sisterhood USA 2018, 102 Min., R: Irene Lusztig, Start: 6.12.

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