So war es beim ersten Kiez Gourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Zu Gast bei Freunden in Moabit

Moabit ist nicht unbedingt als Szene-Viertel verschrien. Wir finden: gut so. Denn wer genau hinschmeckt, erlebt exzellente Aromen in angenehm nachbarschaftlicher Atmosphäre. Wir haben diese Nachbarschaft erkundet. In der ersten Ausgabe unserer neuen Event-Reihe Kiez Gourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin.

Wissen Sie, was Sig ist? Nur so viel, es hat etwas mit Molke zu tun, mit sehr viel Molke. Und mit Vorarlberg, dem westlichsten der österreichischen Bundesländer. Bis zur Auflösung dieser Frage muss der Abend, und mit ihm unser kulinarischer Kiezspaziergang, buchstäblich weiter fortgeschritten sein. Gerade sitzen wir, bei einem fassgereiften Drink auf Whiskybasis, im Amerika der prohibitionsgeplagten 1920er-Jahre.

Kiez Gourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin. Die Idee lag uns schon lange auf dem Gaumen. Ein küchenkultureller Spaziergang durch die Aromen einer Nachbarschaft. Warum wir mit Moabit angefangen haben? Weil der Kiez mit dem Knast und dem Großmarkt noch immer ein unterschätzter und, ja, auch ein leiser ist. Und weil es hier diese vier Läden gibt, deren Verhältnis eben nicht nur ein nachbarschaftliches, sondern ein freundschaftliches ist.

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Etwa die George R. Bar, Wilhelmshavener Straße 57. Benannt nach George Remus, eine große Nummer im Alkoholschmuggel. Wobei in der George R. Bar alles mit rechten Dingen zu geht, einzig die Drinks, und der charmante Look des Ladens, sind von den 1920er-Jahren inspiriert. Unter den ambitionierten, weltläufigen Bars Berlins ist es diese, die immer auch als Kiezkneipe durchgehen würde. Auch das erzählt viel von der familiären Stimmung dieser Nachbarschaft.

Von der weiß auch der junge Koch Anton Michel zu erzählen. Er tat dies zuletzt in der tip Speisekarte. Moabit, dass sei ein Kiez, in dem man mit Qualität überzeugen müsste. Und mit einer gewissen Unaufgeregtheit. Beides gelingt dem Richwater & Mitchell, Wiglef-, fast Ecke Beusselstraße, spielend. Anton Michel, der Halbbrite, der lange in London gelebt hat, kitzelt hier an den Aromen seiner kulinarischen Biografie. Obwohl aufregend war das für uns Gäste schon: Ein Scotch Egg, ein wachsweiches Ei im Hackmantel, lag da auf dem Teller, vollmundiges Soulfood – aber doch eine Premiere für viele von uns. Sogar der Wein dazu kam von der britischen Insel. Klingt logisch wenn man weiß, dass sich der Süden Englands die Böden mit der Champagne teilt.

Weiter ging es in die Arminiusmarkthalle. Es gibt ja welche, die sagen, das sei die bürgerliche Schwester der hippen Kreuzberger Markthalle Neun. Weniger Avantgarde – aber was für Aromen. Robert Havemann und Lisa Meyer – daher der Name – haben hier das Rosa Lisbert etabliert, ein elsässisches Marktstandrestaurant, das für die besten Flammkuchen diesseits des Rheins eigens einen original elsässischen Ofen hat mauern lassen. Flammkuchen also, mit Zwiebeln und mit Speck, mit Rächerforelle, aber auch mit Fois Gras und mit Filet vom Pferd. Schon wieder war da dieses Staunen. Und die Feststellung eines Gastes, dass die Exzellenz der neuen Berliner Gastrolandschaft doch angenehm lässig ums Eck kommen würde.

Wir kommen zum Sig. Zur radikal reduzierten Süßmolke, ein Abfallprodukt der Bergkäserei. Wie Salzkaramell schmeckt das, wobei man für eine Portion etwa zehn Liter Molke braucht. Dieser Gang, hinzu kamen noch Birne und Sellerie, war endgültig mehr, als man von einem Kiezspaziergang erwarten kann. Aber dieser hier hatte ja auch noch ein Gourmet im Titel. Anna Szemes, Thomas Kos und James Doppler sind das österreichische Trio hinter dem Habe die Ehre. Wir finden ja: dem besten Österreichscher der Stadt. Der beste Österreicher dieses Kiezspaziergangs war es unbestritten, uns hatte die Berliner Nacht nicht nur durch Moabit sondern durch vier kulinarische Landschaften geführt.

Ein toller, entdeckungshungriger Auftakt, im April geht es nach Kreuzberg. Informationen folgen in Kürze.

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