Jüdisches Museum Berlin

Zum Abschied von Cilly Kugelmann

„Grundschüler sind meine Experten“ – Nach 15 Jahren zieht sich Programmdirektorin Cilly Kugelmann zurück. Die Nachfolge übernimmt Léontine Meijer-van Mensch. Ihre Schwerpunkte: Bildungsarbeit und digitale Vernetzung

1. Preis: Olson Kundig Architecture and Exhibit Design, Seattle, Innenraumperspektive � Olson Kundig Architecture and Exhibit Design

Noch ist das Büro von Léontine Meijer-van Mensch, die seit sieben Wochen die neue Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin ist, ein Provisorium. Die Bücherwand weist noch Lücken auf, der Computer wurde gerade zur Wartung abgeholt. Dennoch strahlt die 44-Jährige über ihr kleines Reich im beeindruckenden Libeskind-Bau, der seit 2001 die ansonsten unscheinbare Lindenstraße ziert und das Museum über Berlin hinaus zum strahlenden Leuchtturm der Kultur aufsteigen ließ. Von hier aus möchte die studierte Historikerin die Institution fit für die Zukunft machen. Die letzten 15 Jahre war Cilly Kugelmann, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiert, Programmdirektorin. Der Personalwechsel leitet auch einen Generationswechsel ein.

Dabei ist Léontine Meijer-van Mensch eine alte Bekannte. Die gebürtige Niederländerin arbeitete schon einmal für das Jüdische Museum Berlin. Einst war sie Gründungsmitglied. „Damals hatte ich natürlich eine sehr aufregende Zeit, weil unser Team das komplette Museum neu denken musste“, sagt Meijer-van Mensch, die zuletzt stellvertretende Direktorin des Museums Europäischer Kulturen war. „Ich habe das Gefühl, dass sich jetzt ein Kreis schließt. Ich habe mich in den letzten 16 Jahren museologisch weiterentwickelt. Dieses Wissen kann ich jetzt hier einbringen.“
Ihr Blick wendet sich aus dem Fenster. „Von meinem Büro aus schaue ich direkt auf die Galilei-Grundschule“, sagt Meijer-van Mensch vergnügt. „Die Grundschüler hier in der südlichen Friedrichstadt, von denen viele einen Migrationshintergrund haben, sind meine Experten, wir brauchen ihren Input.“

Damit kommt sie auf ihren ersten Schwerpunkt: Bildungsarbeit. Spätestens 2019 soll in die ehemalige Kreuzberger Blumengroßmarkthalle ein Kindermuseum in Form einer riesigen Arche Noah einziehen. „Mit diesem Museum erkennen wir auch die Berliner ­Diversität an. Im Jüdischen Museum betreiben wir ein jüdisch-islamisches Forum und ein Programm, das sich mit Migration auseinandersetzt. Die Erkenntnisse, die wir daraus gewinnen, gilt es nun in einen frühkindlichen Kontext umzusetzen.“ Die Arche Noah passt da gut ins Bild, da sie in allen abrahamitischen Religionen eine Rolle spielt. Wichtig ist Meijer-van Mensch auch, dass das Angebot niedrigschwellig und eben für ihre Schüler attraktiv ist. „Das ist ein erster Schritt des nachhaltigen Dialogs“, ist sie fest überzeugt.

Daneben möchte sie das Digitale weiterentwickeln. „Die meisten Besucher setzen Museum und Ausstellung gleich. Die Frage, die ich permanent stelle, heißt aber: Wo hört das Museum wirklich auf?“ Vorzeigestück der digitalen Offensive soll die „Topographie des Jüdischen Lebens“ werden, eine Enzyklopädie der Vergangenheit und Gegenwart, die von einer Schwarmintelligenz gefüttert wird. Dafür sollen neben wissenschaftlichen Einrichtungen vor allem Schüler und Studenten gewonnen werden. Es wird wohl noch ein Jahr dauern, ehe eine Testversion online geht. Bis dahin wird sie die Lücken in ihrem Bücher­regal sicher geschlossen haben.

Weitere Informationen auf www.jmberlin.de