Essen & Trinken in Berlin

Zwei Seiten Neukölln

Im Ausgehkiez machen Gastronomen unterschiedliche Erfahrungen mit Anwohnern.

cafe_sandmann_c_esther_suave_hipi.Seit 16 Jahren gibt es jeden Montag im Sandmann eine Jazz-Jam-Session. Den „Blue Monday“. Ein offener Musikabend, der gerade in den letzten Jahren bei den neuen Neuköllnern immer beliebter wurde. Hier passierte, was man sonst eher vermisst: Junge Neu-Neuköllner mischten sich mit alteingesessenen Stammgästen. Nach anhaltenden Beschwerden von Anwohnern ist aber nun Schluss mit dieser Live-Sause. Der „Blue Monday“ und andere Live-Abende im Sandmann sind bis auf weiteres abgesagt. Inhaber Helmut Graeber ist natürlich sauer. Diese Abende sind wichtig für seine Kneipe. Sie haben dazu beigetragen, dass diese sich als eine der wenigen seit 31 Jahren im Kiez bewährt. Auch und gerade im Wandel des Reuterkiezes. Aber Gentrifizierung? „Nein“, dieses Neuberliner Schlagwort benutzt er nicht. Die Live-Sessions waren gut besucht, vor der Tür war es zuweilen ziemlich laut. Aber  die Konzession für Konzerte fehlte und so haben die Beschwerden von Anwohnern, „aber nicht hier im Haus“, wie Graeber betont, dazu geführt, dass die Polizei die Konzerte untersagt hat. So ganz von der Hand weisen lässt sich der Wandel im Kiez also doch nicht? „Die Beschwerden haben durchaus in den vergangenen Jahren zugenommen.“ Für Graeber spielt das aber nicht wirklich eine Rolle. Spätestens im Herbst kommen die Live-Sessions wieder, dann legal und mit Konzession.

willi_moellers_c_esther_suave_hipiIm Schillerkiez sammelt Marc Rittel (Foto) mit seiner Willi Moeller’s Holz Kohle Bar gerade ganz andere Erfahrungen. Seine Kneipe, die er im vergangenen Dezember eröffnete, sollte von Beginn an ein fester Bestandteil des Kiezes sein. Und Rittel bekam schon vor der Eröffnung großen Zuspruch von Anwohnern. „Als wir mit dem Ausbau des Ladens begonnen haben, haben uns sofort zahlreiche Bewohner des Hauses tatkräftig unter die Arme gegriffen.“ Der ehemalige Holzkohlenhandel, in dem besagter Willi Moeller gewohnt und gearbeitet hat, stand die letzten zehn Jahre leer. „Daran hatte hier niemand ein Interesse.“ Inzwischen geht das Engagement der Anwohner so weit, dass gegenüber der Bar ein Verein entstanden ist, der nun regelmäßig Kulturveranstaltungen organisiert. Und da Rittel sein Kiez­klientel, egal ob zugezogen oder alteingesessen, wichtig ist, geht es ihm um das Mit­­einander. Auf Musikveranstaltungen verzichtet Rittel deshalb  bewusst. „Wir sind ja eine Kneipe.“ Da soll man sich unterhalten.

Text: Martin Daßinnies

Foto: Esther Suave / HIPI

Cafй Sandmann Reuterstraße 7-8, Neukölln, U-Bhf. Hermannplatz, tgl. ab 19 Uhr, www.sandmann-berlin.de

Willi Moeller’s Holz Kohle Bar Leinestraße 54, Neukölln, U-Bhf. Leinestraße, Mo-Sa ab 20 Uhr, www.willi-moeller-holzkohle-bar.de