tip Backstage

Luftiges Abenteuer

Für die tip-Backstage-Tour am 01. September auf den Gasometer braucht es etwas Überwindung

Foto: Gasometer Berlin

Als der tip im Sommer 2016 eine Titel-Story zu „Abenteuer in der Stadt“ brachte, durfte darin die Besteigung des Schöneberger Gasometers nicht fehlen: Die geführte Tour auf das immerhin 78 Meter hohe Stahlgerüst des Industriedenkmals erfüllte alle unsere Kriterien: Das Abenteuer ist mitten in Berlin möglich. Es kostet Überwindung, die Stahlstufen hinauf zu steigen. Tatsächlich aber ist die Tour völlig ungefährlich – es werden weder Freeclimbing- Fähigkeiten oder gar ein Todesmut wie beim Base-Jumping mit Wingsuits verlangt. Mikroabenteuer nennt man derartige Aktionen inzwischen: ohne große Anfahrt und echte Risiken einmal raus aus dem Alltag und das Leben aus einer anderen Perspektive betrachten. Bei den tip-Backstage- Touren auf den Gasometer ist das auch rein physisch garantiert. Denn der Blick über Berlin ist von diesem hohen Standort traumhaft. Zumal die Touren in die beginnende Nacht hinein führen: Überall werden Lichter eingeschaltet, die Tour-Guides wissen (fast) alles über nahe und ferne Gebäude. Und über den Gasometer, der 1913 in Betrieb genommen wurde. Funkkontakt zwischen den Guides und den Gästen sorgt außerdem dafür, den coronabedingten Mindestabstand halten zu können.

Text: Eva Apraku


Dienstag 01.09., Torgauer Straße 12–15, Schöneberg, bei schlechtem Wetter werden die Touren verschoben.

1. Tour: 20.30 Uhr

2. Tour: 21.30 Uhr

Treffpunkt je 15 Minuten früher.

Unbedingt Jacke und feste Schuhe mitbringen, Kameras müssen an einer Schnur/ Kordel befestigt sein.


Preis: 29 € (inkl. Snack + Getränk)

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Über 100 Jahre Tanz und Begegnung – Führung durch Clärchens Ballhaus am 15.08. und 26.09.2020

Foto: Riehm

Bei der tip-Backstage-Tour „Zeitreise durch 100 Jahre“ führt Marion Kiesow, die Biografin von Clärchens Ballhaus, durch eine gleichermaßen legendäre wie lebendige Berliner Vergnügungsstätte

Ein Ausgeh-Ort, wo Damen mitunter noch die Türe aufgehalten und sie zu ihrem Platz geleitet werden? Wo Mittzwanziger mit Forty- und auch Sixty-Something-Angehörigen tanzen? Und wo es einen Abend lang einfach egal ist, ob man oder frau aus dem feinen Zehlendorf, dem hippen Nord-Neukölln, dem abgelegenen Märkischen Viertel – oder ganz von Jottwehdeh als Tourist*in aus dem Ausland kommt? Ja, diesen erstaunlichen Ort gibt es – er heißt Clärchens Ballhaus und liegt mitten im mittigsten Berlin!

Umso größer war die Sorge um dieses wunderbare Vergnügungslokal, als es Anfang 2019 erst hieß, dass das Haus in der Auguststraße, wo „Clärchen“ seit 1913 residierte, an den neuen Besitzer Yoram Roth verkauft worden war und Monate später auch noch der Betrieb wegen notwendigster Sanierungsarbeiten vorläufig eingestellt wurde: Die Substanz des denkmalgeschützten Hauses bröckelt stark, die Elektrik – und der Brandschutz! – waren alles andere als zeitgemäß.

Doch nach ersten Instandsetzungsmaßnahmen geht es – vor der größeren, ab 2022 stattfindenden, grundsätzlicheren Sanierung der Bausubstanz (der Keller ist teilweise eingestürzt!) – erst mal weiter. Coronabedingt zwar mit angezogener Handbremse, sprich: noch ohne Tanzbetrieb und den geplanten Lesungen. Speisen aber kann man bei Clärchens bereits wieder: Traditionellen Berliner Flammkuchen statt Allerwelts-Pizza gibt es jetzt.

Echte Fans, die noch tiefer in das Wesen des so charmant abgerockten Ballhauses – es ist eines der letzten und gleichzeitig eines der ältesten seiner Art in Berlin – eintauchen möchten, bietet sich nun aber auch die Chance, dies im Rahmen einer tip-Backstage-Tour zu tun. Keine Geringere als Marion Kiesow, die Autorin von „Berlin tanzt in ­Clärchens Ballhaus. 100 Jahre Ver­gnügen – eine Kulturgeschichte“ (Nicolai Verlag, Berlin 2013), geleitet dabei die Gäste vor und hinter die Kulissen der kulturellen wie architektonischen Legende. Ihr „Spaziergang durch die Zeit“ beginnt mit einer Führung durchs Erdgeschoss, wo sich die Besucher*innen von der Behutsamkeit der ersten Sanierungsarbeiten überzeugen können. Anschließend geht es in den beeindruckenden Spiegelsaal im ersten Stock, dem eigentlichen Tanzsaal, wo Kiesow spannende Einzelheiten zur Gründerfamilie und der Namensgeberin, Clara Bühler, die mit ihrem Ehemann Fritz das Ballhaus am 13.September 1913 eröffnete, erzählen wird. Dass das Lokal bereits kurz darauf den Ersten und ein Vierteljahrhundert später bereits den Zweiten Weltkrieg erleben musste, bleibt ebensowenig unerwähnt, wie die wilden zwanziger Jahre dazwischen – und die deutsche Teilung nebst Mauerbau danach. Soviel sei verraten: Trotz Sozialismus betrieb die Familie Clärchens Ballhaus privatwirtschaftlich auch zu DDR-Zeiten weiter.

Bei Getränken und Snacks können die tip-Backstage-Gäste anschließend ihr Wissen um „Clärchens“ untereinander vertiefen, mit Marion Kiesow ins Gespräch kommen, alten Erinnerungen an das Ballhaus frönen – oder kommende, gemeinsame Besuche planen.

Text: Eva Apraku


1. Termin: 15.08.2020, 11 Uhr, Auguststraße 24, 10117 Berlin

2. Termin: 26.09.2020, 11 Uhr, Auguststraße 24, 10117 Berlin


Preis: 25 € (inkl. Kaffee und Kleingebäck)

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Im Morgentau durch die Gärten der Welt – am 22.08.2020

Foto: Grün Berlin

Sonnenaufgang hier und da
Die kommende tip-Berlin-Backstage-Tour auf den Kienberg und in die Gärten der Welt ist nicht nur etwas für Frühaufsteher, sondern für alle, die die eigene Stadt mit neuen Augen sehen möchten.

Wenn jemand Tausende von Kilometern jejettet ist, um Landschaft und Kultur einer fremden Destination kennenzulernen, dann stellen frühe Uhrzeiten auf dem Weg zu Attraktionen kaum ein Hindernis dar. Um den 2.243 Meter hohen Adam’s Peak in Sri Lanka zu besteigen (5.200 Stufen!), stehen Touristen bereits um 2.30 Uhr morgens auf: Der Sonnenaufgang über dem als Heiligtum von Buddhisten, Hindus, Moslems und Christen verehrte Berg gilt als sensationell.

Der Aufstieg erst auf den Kienberg in Hellersdorf-Marzahn und dort dann auf den Aussichtturm Wolkenhain mag dagegen läppisch wirken: Der Berg ist aus Alpinistensicht gesehen eigentlich nur ein Hügel von 102 Metern Höhe, plus 20 Meter zusätzlich zur Plattform des Wolkenhains. Was die Aussicht allerdings keineswegs unspektakulär macht: An klaren Tagen blickt man bis zu 50 Kilometer weit! Und auch der Sonnenaufgang läutet den Tag hier Instagram-tauglich ein. Es hat also Gründe, warum die tip-Backstage-Tour zum Kienberg zu einer Zeit beginnt, zu der die Berliner*innen sich sonst wohlig in ihren Betten umdrehen, um noch ein paar Stündchen zu ruhen: 4.45 Uhr (und 5.35 Uhr bei der Tour Ende August) dürfte für viele eine echte Hausnummer sein, doch wir versprechen:

Es lohnt sich! Schon alleine, weil zu frühmorgendlicher Zeit ein Gefühl des Außergewöhnlichen entsteht. So, als wären wir tatsächlich weit weg im Urlaub. Und dieser Zustand ist für viele von uns in Corana-Zeiten gerade leider keine Option. Urlauben wir also in Berlin! Verstärkt wird der Eindruck des Reisens dann auch durch das nächste, angepeilte Ziel der tip-Backstage-Tour: Der asiatische Teil der Gärten der Welt ist mit seinem japanischen, koreanischen und chinesischen Garten derart detailversessen gestaltet, dass man hier schon mal vergessen kann, vom Alexanderplatz nur 14 und nicht, wie in Japan und Korea, weit über 8.000 Kilometer entfernt zu sein. Beim Frühstück im chinesischen Garten, aber auch beim Seilbahn- oder Bob-Fahren einfach mal kurz kneifen: Doch, wir sind noch in Berlin.

Text: Eva Apraku


22.08.2020, 5.35 Uhr, U5 Haltestelle Kienbergspark


Preis: 34 (inkl. Führung, Verpflegung, jeweils eine Fahrt mit der Seil- und Bobbahn + Zugang zum Park)




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Backstageführung + Besuch der Vorstellung
„Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ im
Berliner Ensemble – VERSCHOBEN auf November 2020!

Foto: Berliner Ensemble

Exklusive Führung ins Bühnenbild und Besuch der Vorstellung von Frank Castorfs opulenter Kästner-Inszenierung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ am Berliner Ensemble

„Gedruckter Dreck“, urteilte das Nazi-Parteiorgan „Völkischer Beobachter“ über Erich Kästners „Fabian“ als der Roman im Jahr 1931 veröffentlicht wurde. Klar, dass auch dieses Buch, wie andere Werke Kästners, nach der Machtübernahme der Nazis bei der organisierten Bücherverbrennung unliebsamer Autoren in die Flammen geworfen wurde. Kästner war übrigens der einzige der verfemten Autoren, der, ganz Chronist, dem Hass-Ritual auf dem Bebelplatz von weitem mutig zusah. 

In „Fabian“, bereits kurz nach seinem Erscheinen ein Bestseller, beschreibt Kästner mit melancholischem Humor die urbane Stimmung zum Ende der Weimarer Republik in der Folge der Weltwirtschaftskrise von 1929. Sein Protagonist Jakob Fabian, ein arbeitsloser promovierter Germanist, lässt sich darin rauschhaft durch die Berliner Nacht treiben. Kästners sachliche Darstellung der Zügellosigkeiten wurde damals nur zensiert veröffentlicht. Die vollständige Fassung erschien erst 2013 unter dem Titel „Der Gang vor die Hunde“.  Im Berliner Ensemble inszeniert Regiestar Frank Castorf im opulenten Bühnenbild von Aleksandar ­Denić diesen Großstadtroman vom Vorabend der Machtergreifung Hitlers u.a. mit Andreas Döhler, Sina Martens und Marc Hosemann. Bei der exklusiven Führung dürfen wir das vielschichtige Bühnenbild unter fachlicher Begleitung erkunden, bevor wir – nach einem Glas Sekt –  die Vorstellung besuchen werden.             

Text: Friedhelm Teicke


Backstagetour durch das Funkhaus Berlin – inklusive Konzertbesuch von Lea Porcelain – VERSCHOBEN auf April 2021!

Foto: Max Hartmann

Das Funkhaus am Spreeufer ist einer der größten Studiokomplexe der Welt. 13 Hektar misst das Areal. Laut Bon Iver ist das Funkhaus die beste Konzert-Location des Planeten. Top-Acts wie Nils Frahm und Agnes Obel haben hier Tracks eingespielt. Aphex Twin und Ryuichi Sakamoto haben gefeierte Konzerte gespielt. Neben vielen anderen. Anders als viele Expats erstmal mutmaßen, hat der Name Funkhaus aber mit dem Musikgenre Funk so gar nichts so schaffen. Tatsächlich wurde hier zu DDR-Zeiten Rundfunk gemacht, von Hörspielen bis hin zu Orchester-Einspielungen, im Saal 1, der 900 Quadratmeter groß ist – im Block B, der 9 Stockwerke zählt. Christian Block, Event- und Marketingleiter im Funkhaus, nimmt uns mit auf eine exklusive Tour an einen magischen Ort voller Geschichte und Drive in der Gegenwart. Er kennt die Räume wie kaum einer sonst und packt spannende Anekdoten aus. Anschließend dürfen wir die erstklassige Akustik mit unseren eigenen Trommelfellen genießen: Julien Bracht und Markus Nicolaus heißen auf der Bühne Lea Porcelain und spielen Post-Punk. Ein Abend, bei dem es freilich funken darf.

Text: Stefan Hochgesand