tip Backstage

Unterwelten Berlin

Foto: Berliner Unterwelten e.V. / Holger Happel

Der Flakturm am Humboldthain ist Zeuge aus düsteren Zeiten. Bei der tip Backstage-Tour am 27.10. lernt man aber auch Fledermäuse kennen

Gigantische 40 Meter hoch und jeweils 70 Meter lang sind die grauen Außenwände des Flakturms am Humbolthain. Während des Zweiten Weltkriegs suchten hinter den meterdicken Stahlbetonwänden tausende Zivilisten Schutz vor Bombenangriffen. Die Planungen zu dem monströsen Bauwerk erfolgten nach einem persönlichen Befehl Adolf Hitlers, zwischen 1940 und 1942 wurde der Riesenbunker realisiert. Dass er sich im Humboldthain bis heute immer noch als Mahnmal gegen die Sinnlosigkeit von Kriegen erhebt, ist der ungeheuerlichen Menge an Material, die hier verbaut wurde, geschuldet. Wäre er, wie ursprünglich geplant, von den Alliierten weggesprengt worden, dann wären auch die naheliegenden Eisenbahngleise in Mitleidenschaft gezogen worden. „Nur“ ein paar innenliegenden Decken sind nach ersten Sprengungsversuchen im Inneren des Flakturms eingestürzt.

Entsprechend muss man sich, wie die geschulten Guides der Berliner Unterwelten e.V., im düsteren Flakturm schon sehr gut auskennen, um in den insgesamt sieben Stockwerken nicht auf gefährliche Wege zu geraten – oder sich zu verirren. Bei den Berliner Unterwelten ist das garantiert. Schließlich waren sie es, die den Betonkoloss zugänglich gemacht und die Wege in der Anlage abgesichert haben. Welcher Aufwand dafür betrieben wurde, gehört zu den Themen, die im Rahmen der abenteuerlichen tip Backstage-Tour am Dienstag, dem 27. Oktober, angesprochen werden.

Doch es sind nicht nur schreckliche Geschichten aus der Nazi- und Kriegszeit, mit denen die Besucher*innen bei der tip Backstage-Tour im Flakturm konfrontiert werden. Der Bunker ist auch eine Art Naturschutzrevier: Fledermäuse haben in seinen Winkeln ein Refugium gefunden, verbringen hier auch ihren Winterschlaf. Einer der Gründe übrigens, warum nach Ende Oktober bis Ende März keine Führungen mehr angeboten werden dürfen: Die Ruhe der Flattertiere darf nicht gestört werden

Text: Mariella Doblhofer


Dienstag, 27.10.20, 17.45 Uhr,
Flakturm am Humbolthain, Hochstraße 5 Gesundbrunnen
Treffpunkt: Untere Plattform auf der Plattformruine
Der Weg ist von der Brunnenstraße bis zur unteren Plattform der Flakturmruine durch den Park ausgeschildert.

Wichtige Hinweie:
Die Führung ist ab 18 Jahren.
Bitte kommen Sie mit festem Schuhwerk, warmer Kleidung und Taschenlampe.
Teilnahme bitte nur mit Mund-Nasen-Bedeckung

Preis: 24 € (inkl. Snack + Getränk

Hier gibt’s Tickets!

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Spendenaufruf der Berliner Unterwelten e.V.


Backstageführung + Besuch der Vorstellung
„Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ im
Berliner Ensemble – VERSCHOBEN!

Foto: Berliner Ensemble

Exklusive Führung ins Bühnenbild und Besuch der Vorstellung von Frank Castorfs opulenter Kästner-Inszenierung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ am Berliner Ensemble

„Gedruckter Dreck“, urteilte das Nazi-Parteiorgan „Völkischer Beobachter“ über Erich Kästners „Fabian“ als der Roman im Jahr 1931 veröffentlicht wurde. Klar, dass auch dieses Buch, wie andere Werke Kästners, nach der Machtübernahme der Nazis bei der organisierten Bücherverbrennung unliebsamer Autoren in die Flammen geworfen wurde. Kästner war übrigens der einzige der verfemten Autoren, der, ganz Chronist, dem Hass-Ritual auf dem Bebelplatz von weitem mutig zusah. 

In „Fabian“, bereits kurz nach seinem Erscheinen ein Bestseller, beschreibt Kästner mit melancholischem Humor die urbane Stimmung zum Ende der Weimarer Republik in der Folge der Weltwirtschaftskrise von 1929. Sein Protagonist Jakob Fabian, ein arbeitsloser promovierter Germanist, lässt sich darin rauschhaft durch die Berliner Nacht treiben. Kästners sachliche Darstellung der Zügellosigkeiten wurde damals nur zensiert veröffentlicht. Die vollständige Fassung erschien erst 2013 unter dem Titel „Der Gang vor die Hunde“.  Im Berliner Ensemble inszeniert Regiestar Frank Castorf im opulenten Bühnenbild von Aleksandar ­Denić diesen Großstadtroman vom Vorabend der Machtergreifung Hitlers u.a. mit Andreas Döhler, Sina Martens und Marc Hosemann. Bei der exklusiven Führung dürfen wir das vielschichtige Bühnenbild unter fachlicher Begleitung erkunden, bevor wir – nach einem Glas Sekt –  die Vorstellung besuchen werden.             

Text: Friedhelm Teicke


Backstagetour durch das Funkhaus Berlin – inklusive Konzertbesuch von Lea Porcelain – VERSCHOBEN auf April 2021!

Foto: Max Hartmann

Das Funkhaus am Spreeufer ist einer der größten Studiokomplexe der Welt. 13 Hektar misst das Areal. Laut Bon Iver ist das Funkhaus die beste Konzert-Location des Planeten. Top-Acts wie Nils Frahm und Agnes Obel haben hier Tracks eingespielt. Aphex Twin und Ryuichi Sakamoto haben gefeierte Konzerte gespielt. Neben vielen anderen. Anders als viele Expats erstmal mutmaßen, hat der Name Funkhaus aber mit dem Musikgenre Funk so gar nichts so schaffen. Tatsächlich wurde hier zu DDR-Zeiten Rundfunk gemacht, von Hörspielen bis hin zu Orchester-Einspielungen, im Saal 1, der 900 Quadratmeter groß ist – im Block B, der 9 Stockwerke zählt. Christian Block, Event- und Marketingleiter im Funkhaus, nimmt uns mit auf eine exklusive Tour an einen magischen Ort voller Geschichte und Drive in der Gegenwart. Er kennt die Räume wie kaum einer sonst und packt spannende Anekdoten aus. Anschließend dürfen wir die erstklassige Akustik mit unseren eigenen Trommelfellen genießen: Julien Bracht und Markus Nicolaus heißen auf der Bühne Lea Porcelain und spielen Post-Punk. Ein Abend, bei dem es freilich funken darf.

Text: Stefan Hochgesand