STADTTEILE

Kreuzberg

Kreuzberg ist für viele ein Inbegriff des Berliner Lebens abseits der touristischen Mitte. Hier traf Arbeiterklasse auf alternative Szene, politische Radikalität auf Gentrifizierung. Rund 150.000 Menschen wohnen hier offiziell, die Alteingesessenen befeuern einen halb-ernsten Glaubenskrieg zwsichen Kreuzberg 61 und Kreuzberg 36 – den Postleitzahl-Gebieten um Bergmann-Kiez und das Kottbusser Tor: bürgerliches Leben im linksgewandten Wohlstand gegen raues Großstadtflair.

Der Bergmannstraßenkiez gehört zu den beliebtesten Ecken Kreuzbergs. Foto: Imago/Schöning

Kreuzberg: Eine bewegte Geschichte

Die unsichtbare Grenze zwischen Kreuzberg 61 und 36 verläuft irgendwo entlang der Skalitzer Straße und dem Landwehrkanal. Ur-Kreuzberger*innen weigerten sich zuweilen, in den jeweils anderen Bereich aufzubrechen. Spannend ist aber die Geschichte des Ortsteils. Nach dem Zweiten Weltkrieg amerikanischer Sektor (mit dem berühmten Checkpoint Charlie als Übergang), wurde die heutige Rudi-Dutschke-Straße Ort der Osterunruhen – dort, wo Axel Springer unter anderem die „Bild“ produziert. Der Bereich SO36, an drei Seiten von der Mauer umschlossen, wurde Zentrum der Alternativbewegung und Hausbesetzerszene. Legendär sind die Schlachten am 1. Mai zwischen Linksautonomen und der Polizei, wobei der Tag heute vor allem ein Rummel ist. Fast ein Drittel der Einwohner sind türkisch oder Nachfahren türkischer Menschen, die als Arbeiter geholt wurden.

Kreuzberg: Restaurants und Bars, so vielfältig wie nirgendwo

In Kreuzberg war das Leben lange günstig, die Kreativen und Mutigen kamen, die Mieten zogen an. Trotzdem gibt es hier immer noch eine besonders vielfältige Gastro-Szene. Einige außergewöhnliche Küchen finden sich auch in Berlin nur in diesem Stadtteil. Die Bars reichen von schäbig-liebenswerten Studentenkneipen über das schwule Einwohnermeldeamt Möbel Olfe bis zu feinen Wein- und Cocktail-Bars. Edle Mischgetränke im Würgeengel, dann als Absacker den besten Döner der Stadt? Das ist Kreuzberg. Und auch einige der besten Bäckereien findet ihr hier, die Markthallen sind ohnehin immer einen Besuch wert.

Auch Kreuzberg: Die Gegend um das Kottbusser Tor ist lebendig – und etwas rauer als 61 rund um den Bergmannkiez. Foto: Imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Shopping in Kreuzberg: Die wichtigsten Kieze

Shopping geht auch in Kreuzberg gut. Zwar gibt es hier wenig große Ketten (zum Glück!), dafür viele kleine inhabergeführte Geschäfte. Rund um die Bergmannstraße liegt ein Hotspot fürs Einkaufen, und auch rund um die Adalbertstraße und Kotti gibt es durchaus einige Läden, in denen ihr immer fündig werdet. Spektakulär sind einige der türkischen Brautmodengeschäfte, auch sonst hat die Bevölkerungsstruktur auch das Shopping-Erlebnis beeinflusst. Den perfekten Soundtrack zur Shopping-Tour gibt es auch: Über kaum einen Stadtteil wurden mehr Songs geschrieben als über Kreuzberg.

Sehenswertes, Kultur und Events in Kreuzberg

Das MyFest am 1. Mai ist inzwischen ein bisschen mehr Straßenrummel, die linke Szene betrauert seit Jahren den Ausverkauf. Der Karneval der Kulturen an Pfingsten ist ein Riesenereignis, das Bergmannstraßen-Fest ist nach zwei Dekaden zum „Kreuzberg-Festival“ umgemünzt worden. Einige berühmte Parks befinden sich in Kreuzberg, etwa der Viktoriapark mit Wasserfall am namengebenden Kreuzberg, der Park am Gleisdreieck mit seinen Gottesanbeterinnen, sowie der Görlitzer Park, der wegen Drogenhandels immer wieder auch Negativ-Schlagzeilen macht. Einer der schönsten Orte ist das Areal um die Admiralbrücke (mal abgesehen von den benachbarten Baller-Bausünden) – hier gucken viele Berliner gern auf den Kanal und in den Sonnenuntergang.

Kunst und Kultur spielen in Kreuzberg in kleinen Galerien genauso eine Rolle wie im berühmten Martin-Gropius-Bau. Hebbel am Ufer, SO36, Tempodrom und das Ballhaus Naunynstraße sind wichtige Kultur-Adressen. Das Jüdische Museum und das Technikmuseum sind wichtige Adressen in Berlins Museumslandschaft.

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