STADTTEILE

Marzahn

Die größte Großsiedlung der DDR wurde bis zur Wende in Marzahn errichtet. Dazu kommen viele Einfamilienhäuser. Oft hat der grüne Bezirk im Berliner Osten mit Vorurteilen zu kämpfen, doch Marzahn hat viele schöne Ecken. Wir stellen euch den Stadtteil vor.

Plattenbausiedlung in Berlin-Marzahn. Fotografiert wurde von den Ahrensfelder Bergen. Foto: Imago/Hohlfeld

Marzahn: Bezirkszugehörigkeit und Ortsteile

Marzahn ist ein Ortsteil im 2001 gegründeten Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Zu dem Bezirk gehören außerdem die Ortsteile

  • Hellersdorf
  • Biesdorf
  • Kaulsdorf
  • Mahlsdorf.

Marzahn ist in drei Regionen aufgeteilt: Marzahn-Nord, Marzahn-Mitte und Marzahn-Süd. Der Ortsteil befindet sich im Osten Berlins und grenzt im Nord-Osten an Brandenburg, mit den Ortschaften Ahrensfelde und Hoheneiche.

Infrastruktur von Marzahn

In Marzahn verkehren zahlreiche Bus- und Tramlinien. Außerdem fährt hier die S7 nach Ahrensfelde und die S5 nach Strausberg-Nord. Die Straßen sind in Marzahn sehr gut ausgebaut, sodass man schnell im Zentrum-Ost ist. Hauptverkehrsachsen sind die Landsberger Alle, die Allee der Kosmonauten, die märkische Allee, Alt-Biesdorf (B1/5) sowie die Köpenicker Straße/Blumberger Damm.

Marzahns Geschichte

So wie alle Dörfer im Umfeld des Barnim wurde das Dorf Marzahn um 1230 gegründet. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erhielt das Dorf Marzahn eine steinerne Dorfkirche. Um 1300 wurde das Dorf unter der Bezeichnung „Morczane“ erstmals urkundlich durch den Markgrafen Albrecht III. erwähnt.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg, 1652 war Marzahn in einem schlechten Zustand. Es gab keine Bauern mehr und auch sonst kaum Menschen. Später ging das Dorf in den Besitz des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm und unterstand dem kurfürstlichen Amt Köpenick. Bis 1872 verblieb Marzahn im Besitz des brandenburgischen Kurfürsten beziehungsweise preußischen Königs.

Auch das ist Marzahn: Im alten Dorfkern befindet sich die alte Dorfkirche. Foto: Imago/Schöning

Im 18. Jahrhundert zogen wieder mehr Menschen nach Marzahn und das Dorf wurde in Kolonien aufgeteilt. Hierbei entstanden viele Wege, die nach den ersten Kolonisten, nach Orten aus ihrer früheren Heimat und vor allem nach Obst- und Gemüsesorten benannt wurden. Noch heute gibt es den Großteil dieser Wege.

1904 wurde Marzahn an das Gas- und Wassernetz angeschlossen, der Anschluss an das Stromnetz musste jedoch noch bis 1920 warten. Im gleichen Jahr wurde Marzahn nach Groß-Berlin eingemeindet und dem Bezirk Lichtenberg untergeordnet.

Zwangslager Berlin-Marzahn

1936 wurde das erste Zwangslager unter Hitler in Marzahn errichtet. Diese Aktion stand in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen im selben Jahr. Im Juli 1936 wurden 600 Menschen inhaftiert. In der Folgezeit wurde es zu dem größten Lager, wo Sinti:zze und Rom:nja gefangen gehalten wurden. Die hygienischen Zustände in dem kurzfristig erbauten Lager waren katastrophal.

Ab 1939 wurden die Gefangenen zur Zwangsarbeit in den Außenlagern des KZ Sachsenhausens oder für Straßenarbeiten in Berlin eingesetzt. Die meisten der Gefangenen wurden bis 1943 nach Ausschwitz oder Bergen-Belsen deportiert, sodass nur wenige der mehr als 2000 Menschen in dem Lager überlebten.

Marzahn nach 1945

Ab 1945 gehörte Marzahn zum sowjetischen Sektor und wurde Teil Ost-Berlins und der DDR. 1953 wurde in Marzahn die erste LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) Berlins, mit dem Namen „Neue Ordnung“, gegründet. Auf dem achten Parteitag der SED beschloss man, die „Wohnungsfrage als soziales Problem bis 1990“ zu lösen. In diesem Zusammenhang legten die Planer das Neubaugebiet Berlin-Marzahn fest und die Verlegung der Fernverkehrsstraße, die den alten Dorfanger nördlich umgeht.

Die Großwohnsiedlung in Marzahn wurde in der DDR geplant und erbaut. Hierbei sollte die Wohnraumfrage geklärt werden. Foto: Imago/Schöning

1977 begann das Großbau-Projekt, wobei die Baumaßnahmen bis zum Ende der 1980er Jahre dauerten. Dominant wurden die elfgeschossigen Wohnblöcke, welche heute typisch für den Stadtteil sind. Die Großwohnsiedlung Marzahn ist die größte, bekannteste und ambitionierteste Siedlung der ehemaligen DDR und als Dokument des DDR-Städtebaus von kulturhistorischer Bedeutung.

Am 9. Mai 1987 wurde anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins am Kienberg die Berliner Gartenschau (heute: Gärten der Welt), nach Plänen von Gottfried Funeck, eröffnet.

An Marzahn haftet immer noch ein besonders negatives und fremdenfeindliches Image. Jedoch gibt es in den vergangenen Jahren einen vermehrten Zuzug von jungen Leuten, Familien und Migranten, die von dem günstigen Wohnraum, den zahlreichen Grünanlagen und der Sicherheit (Marzahn gehört trotz schlechten Images zu den sichersten Berliner Bezirken) angezogen werden.

Sehenswertes in Marzahn

In Marzahn gibt es viele tolle Orte. Das alte Angerdorf in Marzahn gehört zu den alten Dorfkernen Berlins, die noch existieren, und ist eine echte Sehenswürdigkeit, hier findet man noch Reliquien aus alter Zeit. In Berlin-Marzahn befinden sich auch die Gärten der Welt. Die Parkanlage liegt am nördlichen Fuß des Kienbergs. Hier könnt ihr Gärten verschiedener Länder, Regionen und Kulturen erkunden: China, Japan, Bali, Orient, Korea, Italien zum Beispiel, dazu gibt es Themenbereiche wie Staudengarten und Klostergarten. In den vergangenen Jahren wurden die Gärten der Welt noch einmal vergrößert. Mittlerweile ist das Gebiet fast zehn Mal so groß wie die Museumsinsel. Zu dem Parkt gehört auch die Seilbahn Gärten der Welt, die einzige Seilbahn in Berlin.

Eine pink-weiße Dahlie in den Gärten der Welt in Marzahn. Foto: Imago/Scherf

Weiterhin befindet sich hier der Wellenpark im Wuhletal. Es ist ein Landschaftsraum um das Flüsschen Wuhle, welches entlang der Ortsteilgrenze zwischen Marzahn, Hellersdorf und Ahrensfelde in einem zum Teil renaturierten Naturraum liegt. Marzahn ist grün! Die Ahrensfelder Berge sind die höchste Erhebung im Bezirk Marzahn-Hellersdorf und mit 114 Metern die vierthöchsten Berge Berlins. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf Natur und Stadt. Auch der Bürgerpark Marzahn lädt zum Verweilen ein. Weiterhin gehören der Eichepark und der Kletterfelsen Ahrensfelde zu einem großen Naturschutzgebiet an der Grenze zu Brandenburg.

Landschaftspark Wuhletal, Marzahn-Hellersdorf: Hier kann man sich eine Auszeit vom schnelllebigen Berlin gönnen. Foto: Imago/Schöning

Außerdem ist die größte Uhr Europas in ein Haus in Marzahn integriert. Das 1993 errichtete Hochhaus „Die Pyramide“ befindet sich in der Landsberger Allee. Die Alte Börse Marzahn ist ein historisches Bauensemble, welches heute Kunst- und Kulturzentrum ist. Das Eastgate ist das fünftgrößte Einkaufszentrum Berlins.

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