Wilmersdorf

Wilmersdorf zählt zu den bürgerlichsten Stadtteilen Berlins. Das Klischee: Hier leben sie, die Wilmersdorfer Witwen, die nach dem Frühstück im wilhelminischen Altbau den Pelz überwerfen und zum Ku’damm schlendern. Stimmt natürlich so nicht ganz! Der Stadtteil ist vielfältig: nicht nur gediegen, sondern auch voller Kulturinstitutionen, schöner Restaurants und grüner Ecken.

Wunderschönes Wilmersdorf: der Prager Platz mit Springbrunnen. Foto: Imago/Joko

West-Berliner Flair in Wilmersdorf

Wilmersdorf steht zu Unrecht ein bisschen im Schatten seiner Nachbarin, dem Stadtteil Charlottenburg. Zusammen bilden sie den Verwaltungsbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Als Wilmersdorf noch ein eigener Bezirk war, gehörten die heutigen Ortsteile Grunewald, Halensee und Schmargendorf dazu. Wilmersdorf selbst hat heute rund 100.000 Einwohner*innen, beginnt im Norden an einer kleinen Ecke vom glamourösen Kurfürstendamm und streckt sich nach Süden durchs Rheingauviertel bis zum Breitenbachplatz.

Sehenswürdigkeiten in Wilmersdorf

Wilmersdorf ist ein Stadtteil der Gegensätze. Idyllisch ist es hier, gerade im Süden des Stadtteils: Dort liegt das selbst von der „New York Times“ gefeierte Rheingauviertel: Berlins heimliche Weinhauptstadt, in der nicht nur Jahr für Jahr ein Weinfest stattfindet, sondern sogar selbst gekeltert wird.

An der Grenze zum malerischen Bayerischen Viertel in Schöneberg liegt der Prager Platz mit seinen imposanten Gebäuden. Erich Kästner hat hier gelebt, der Spur von „Emil und die Detektive“ kann man von hier aus folgen. Neben dem Prager sind der Nikolsburger, Nürnberger und Fasanenplatz bedeutend: Die schmucken Orte umschließen die Bundesallee und bilden den Kern von Wilmersdorf.

Der Gegensatz könnte mit einem der ungewöhnlichsten Gebäude in Berlin kaum krasser sein: An der Schlangenbader Straße ist in den 1970er-Jahren ein Wohnkomplex, Spitzname „Schlange“, entstanden, der sich über die Autobahn erstreckt.

Natur in Wilmersdorf

Wer Wasser will, geht zum Sommerbad Wilmersdorf, das die Einheimischen „Lochowbad“ nennen. Oder schlendert durch den Volkspark Wilmersdorf, der sich mit dem Rudolph-Wilde-Park in Schöneberg zu einem riesigen Grünstreifen in der Stadt verbindet. Und wer sich von Wilmersdorf nach Westen aufmacht, landet sofort im Grunewald, dieser riesigen Waldfläche, die als Ortsteil auch beste Wohnlage für Gutbetuchte ist. Schlagzeilen machte der Preußenpark in Wilmersdorf – die Grünfläche ist als „Thaipark“ bekannt, für Asia-Gourmets ein Paradies. Für die Zukunft des „Thaiparks“ hat der Bezirk große Pläne.

Kultur in Wilmersdorf

Einmal im Jahr wird Wilmersdorf zum Zentrum des Kulturlebens: Im Haus der Berliner Festspiele versammelt sich dann Mitteleuropas Bühnenprominenz zum Theatertreffen mit den besten Stücken des Jahres. In unmittelbarer Nähe werden Chansons gesungen und am Klavier geschmachtet, denn dort befindet sich die Cabaret-Institution Bar jeder Vernunft. Und weiter nördlich ist meistens Wochen im Voraus kein Ticket mehr zu ergattern – zumindest, wenn Lars Eidinger den „Hamlet“ gibt. Am Wilmersdorfer Teil des Kurfürstendamms befindet sich die (auch architektonisch spannende) Schaubühne, eines der wichtigsten Theater Berlins.

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