STADTTEILE

Reinickendorf

Im Norden von Reinickendorf Richtung Oberhavel fahren die BVG-Busse schon zwischen Wäldern und Feldern, im Süden grenzt der Stadtteil an den Wedding: hier zieht man nachts noch durch die Straßen, während Fuchs und Hase sich in Frohnau schon längst Gute Nacht gesagt haben. Wir zeigen euch, was das vielfältige Reinickendorf zu bieten hat.

Reinickendorf: Spanne von Großstadt bis zum dörflichen Flair in

Seitdem keine Flugzeuge mehr über Reinickendorf lärmen, geht es im Bezirk ruhiger zu, dafür macht sich jetzt die Sorge um einer Gentrifizierungs- und Mieterhöhungswelle breit.

Lübars mit seinem hübschen Kern ist das älteste Dorf in Reinickendorf. Foto: Imago/Imagebroker

Reinickendorf hat von den Berliner Bezirken nach Spandau zwar die zweitniedrigste Einwohnerzahl, aber dafür die meisten Hunde pro Einwohner. In den durchgrünten Straßen von Heiligensee, Wittenau oder Frohnau fühlen sich die Vierbeiner pudelwohl! Auch für kleine Zweibeiner gibt es ein tolles Angebot aus vielen Parks und Spielplätzen. Die Geschichte der dörflichen Ortsteile reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück und lässt sich im Museum Reinickendorf genau unter die Lupe nehmen – weitere Heimatmuseen in Berlin oder auch historische Dorfkerne wie in Lübars, Alt-Wittenau, Hermsdorf und Alt-Heiligensee könnt ihr hier kennenlernen.

Anders sieht es im Märkischen Viertel aus: Die in den 1960er Jahren angelegte Großstadtsiedlung hat mit sozialen Problemen zu kämpfen, wie sie ein künstlich errichteter Wohnkomplex mit sich bringt – mehr Plattenbausiedlungen in Berlin findet ihr hier. Mit dem Ausbau der Infrastruktur hat sich das Leben im Märkischen Viertel inzwischen ein wenig gewandelt.

Das Märkische Viertel in Reinickendorf. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Reinickendorfer Siedlungen: Sidos Block bis Weltkulturerbe

Eine andere Großstadtsiedlung in Reinickendorf findet man an der Schillerpromenade: Die Weiße Stadt wurde in den 20er-Jahren im Bauhaus-Stil errichtet und ist heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes von Berlin. Welche Orte der Stadt noch zum Weltkulturerbe gehören, lest ihr hier.

Etwas charmanter gestaltet sind die Klinker-Häuser der Invalidensiedlung in Frohnau: In der vom Alten Fritz für Kriegsverletzte errichteten Wohnanlage, geht es heute immer noch eher ruhig zu: Die Wohnhäuser stehen Menschen mit Schwerbehinderungen zur Verfügung. Die Invalidenhäuser und auch die Cités der französischen Besatzungstruppen, in denen die Straßen französisch benannt sind, haben es in unsere Liste der 12 spannenden Orte in Reinickendorf geschafft.

Das Schloss Tegel in Reinickendorf wurde wurde zwischen 1820 und 1824 von Karl Friedrich Schinkel errichtet. Foto: Imago/Schöning

Die Familie Humboldt in Reinickendorf

Wo einst der kleine Wilhelm und sein Bruder Alexander durch die Zimmer tobten, ist heute das Humboldt-Museum zu besichtigen. Das von Schinkel errichtete Schloss Tegel gehört noch immer den Nachkommen der Familie Humboldt. Es gibt Gerüchte, dass es rund um das Schloss spuken soll – mehr zum Tegeler Poltergeist und seinen Artgenossen in Berlin lest ihr in unserer Liste mit gruseligen Orten in Berlin.

Der Geist der Wissenschaft ist in den 1980er Jahren jedenfalls in die nach den Humboldt-Brüdern benannten Bibliothek eingezogen: Die Humboldt-Bibliothek wurde anlässlich der Bauausstellung 1987 nach Plänen des amerikanischen Architekten Charles Willard Moore im postmodernen Stil errichtet. Das Gebäude wird nicht nur als Bibliothek, sondern auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

  • Humboldt-Museum im Schloss Tegel Adelheidallee 19, Tegel, Di-So 10-17:30, Infos online
  • Humboldt-Bibliothek Karolinenstraße 19, Tegel, Mo-Fr 11-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr, Infos online

Die Humboldt-Bibliothek liegt direkt am Tegeler Hafen. Foto: Imago/Joko

Buddhismus in Reinickendorf

Eine Begegnungsstätte ganz anderer Art ist das Buddhistische Haus in Frohnau: der Arzt und Schriftsteller Paul Dahlke kam Ende des 19. Jahrhunderts in Kontakt mit der buddhistischen Lehre, wurde selbst Buddhist und errichtete das Buddhistische Haus als Ort der Inneren Reinigung. Noch heute finden dort regelmäßig Meditationen statt. In Berlin gibt es verschiedenste religiöse Begegnungsorte, die nicht nur für Gläubige einen Besuch wert sind.

Seit den 1920er Jahren ist das Buddhistische Haus ein Zentrum für buddhistische Lehre in Reinickendorf. Foto: Imago/Lars Reimann

Reinickendorfer Industrialisierung

Die Berliner Industrialisierung begann in Reinickendorf. Dabei spielte das Maschinenbau-Unternehmen Borsig, das damals vor allem Dampflokomotiven herstellte, eine große Rolle. Das Industriegelände der Borsigwerke ist nur eine von vielen Fabriken, Werken und Lagerhallen in Berlin: Hier stellen wir euch Industriearchitektur in Berlin vor. Das denkmalgeschützte Borsigtor heißt heute nicht mehr Industrie-Arbeiter, sondern Shopping-Gäste willkommen: Die Hallen am Borsigturm wurden 1999 als Einkaufszentrum eingeweiht.

Hinter dem Tor ragt der Borsigturm in den Himmel empor. Er gilt als Berlins erstes Hochhaus. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Shoppen in Reinickendorf

Mit der Gorkistraße entsteht im Tegeler Quartier gerade eine moderne Fußgängerzone – mit dem Anspruch Berlins schönste Einkaufsstraße zu werden. Ansonsten kann man in Reinickendorf in den Einkaufszentren Der Clou am Kurt-Schumacher-Platz oder in der Nordmeile am Oraniendamm alles finden, was man zum Leben so braucht – beim Märkischen Zentrum sogar noch mehr: Im Sommer finden hier verschiedene Open-Air-Veranstaltungen statt, im Winter gibt es ein Angebot im überdachten Bereich des Einkaufscenters. Wer lieber eine Einkaufsstraße entlang bummelt, sollte sich das Angebot am Wilhelmsruher Damm anschauen, in den Boutiquen rund um den Zeltiner Platz stöbern oder durch die Residenzstraße schlendern.

  • Hallen am Borsigturm Am Borsigturm 2, Tegel, Mo-Sa 10-20 Uhr, hallenamborsigturm.de
  • Tegeler Quartier Fußgängerzone in der Gorkistraße Gorkistraße 11-21, Tegel, gorkistrasse.de
  • Der Clou Kurt-Schumacher-Damm 1-15, Borsigwalde, Mo-Sa 10-20 Uhr, derclouberlin.de
  • Nordmeile Oraniendamm 6-10, Hermsdorf, Mo-Sa 10-20 Uhr, Infos online
  • Märkisches Zentrum Senftenberger Ring 3A, Märkisches Viertel, Mo-Sa 10-20 Uhr, maerkisches-zentrum.de
  • Wilhelmsruher Damm Wittenau
  • Zeltiner Platz Frohnau
  • Residenzstraße Reinickendorf

Aus der Großstadt in die Reinickendorfer Natur

Was Natur betrifft, hat Reinickendorf einiges zu bieten: sowohl an Wasser als auch an Land. Deshalb sind Wasser- und Reitsport in den äußeren Teilen des Bezirks sehr beliebt. An einem warmen Sommertag kann man im Strandbad Lübars herrlich baden und am Sandstrand faulenzen. Aber auch für einen gemächlichen Spaziergang eignet sich die schöne Gegend: Von den Eichwerder Moorwiesen in Richtung Ziegeleisee läuft man am Tegeler Fließ einen besonders schönen Weg entlang. Noch mehr schöne Orte am Wasser in Berlin von Uferpromenaden bis Neu-Venedig findet ihr hier.

Im Naturschutzgebiet am Tegeler Fließ sind Wasserbüffel für die Landschaftspflege zuständig. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Ein anderes Ausflugsziel in die Natur ist die Gegend rund um den Tegeler See: Berlin hat einige beeindruckende Bäume zu bieten. Mit der Dicken Marie, Berlins ältestem Baum, und ganz in der Nähe Berlins höchstem Baum lohnt sich ein Spaziergang durch die schöne Umgebung: Inspiration für 12 tolle Waldspaziergänge zum Durchatmen im Grünen findet ihr hier.

Ausgehen in Reinickendorf

Nach einem ausgiebigen Spaziergang durchs Grüne eine kräftige Mahlzeit und kühles Bier gefällig? Das Wirtshaus Alter Fritz in der Karolinenstraße empfängt seine Gäste zu deutscher Küche im Biergarten oder im Innenbereich mit uriger Einrichtung. Der Abend soll weniger gediegen, dafür aber mit Cocktails bei Live-Musik ausklingen? Dafür lohnt sich ein Besuch im Loci Loft, das es sogar in unsere Liste der Berliner Jazz-Bars geschafft hat.

  • Krumme Linde im Alten Fritz Karolinenstraße 12, Tegel, Mi-Fr 17-22 Uhr, Sa-So 12-22 Uhr, restaurant-alter-fritz.de
  • Loci Loft Oraniendamm 72, Reinickendorf, Do 18-23 Uhr, Fr+Sa 18-1 Uhr, loci-loft.de

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