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Lucy Skaer

Lucy Skaer, La Chasse, 2017 | Lucy Skaer

Im Herbst 2017 zeigen die KW Institute for Contemporary Art die erste Einzelausstellung der britischen Künstlerin Lucy Skaer in Berlin. Die Schau umfasst neue, für die KW produzierte Arbeiten, die in eine Auswahl von Werken aus den letzten zehn Jahren eingebettet werden. Es handelt sich um die bislang ausführlichste Überblicksausstellung zu Skaers Werk in Deutschland. Die 1975 in Cambridge geborene Künstlerin schöpft für ihre Kombinationen aus Skulptur, Film und Druckgrafik aus existierenden Bildvokabularien, tradierten narrativen Strukturen, vom Gebrauch und Industrie geprägten Formen und deren im globalen Handel fußenden Bestimmungen. Form, Bedeutung und Wert lassen sich in ihrem Werk durch unterschiedliche Stadien formeller und allegorischer Existenz nachzeichnen.

In ihrer jüngsten Auftragsarbeit für die KW führt Lucy Skaer ihre Untersuchung der konventionellen Klassifizierung von Objekten und Produktionsmethoden in kritischem Wechselspiel mit kunsthistorischen Motiven und Bezügen fort. Skaer zielt darauf ab, die Leitmotive, die ihr Werk seit langem begleiten, zu einem groß angelegten, skulpturalen Tableau zu vereinigen. Hier knüpft sie an ihr Œuvre an, indem sie ihre eigenen Skulpturen überarbeitet, bis aus ihnen abstrahierte Tierdarstellungen im Stil mittelalterlicher Jagdszenen, wie etwa in dem berühmten Livre de chasse, werden, eine mittelalterliche Abhandlung über Jagdtechniken mit Miniaturmalereien aus der Zeit zwischen 1331-1391. So lotet Skaer die wandelbare Form und Bedeutung dieser Werke aus und hinterfragt auf spielerische Weise deren Sprache der Begierde, ihren Status als abgeschlossene, endgültige Kunstwerke und das ihnen innewohnende Potenzial der Selbstreproduktion. Gemäß Skaers charakteristischer Herangehensweise lehnt sie es ab, Materialien oder Arbeiten als endliche Dinge zu verstehen, vielmehr erkennt sie jedwede Manifestation als lediglich eine unter zahllosen latenten Versionen an. Skaers Skulpturen sind in dieser Hinsicht eher wie eigenwillige Prozesse, die sich in eine bereits existierende Kette von materiellen Um- und Verwandlungen einfügen und gleichsam eine Manifestation verzehren, um eine andere hervorzubringen.

Point of Departure: Willem de Rooij, Lucy Skaer wird gefördert durch Mittel der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin. Die Ausstellung von Lucy Skaer wird großzügig unterstützt durch die Henry Moore Foundation.

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