Kunst

Kunst im Untergrund – Up in Arms: Dual-Use

Kunst im Untergrund – Up in Arms: Dual-Use
Miro Kaygalak, Dual-Use, 2019 | © Miro Kaygalak

Miro Kaygalak »Dual-Use«Plakatflächen hinter den Gleisen der U6-Bahnhöfe Paradestraße und Platz der Luftbrücke

In dieser Arbeit geht es um die prinzipielle Verwendbarkeit von Gütern zu zivilen als auch militärischen Zwecken. Zwei Plakate zeigen einen beschrifteten Apfel und spielen mit der ›zweifachen‹ Verwendung dieses Schriftträgers: Während hierzulande Unternehmen laser-beschriftetes Obst als Werbeträger für Konsumgüter benutzen, hat der Apfel eine ganz andere Symbolkraft im Zusammenhang mit den Ereignissen im Nordirak im Jahr 1988: Das Giftgas, das damals unter Führung von Saddam Hussein gegen Kurd_innen eingesetzt wurde roch nach Äpfeln. Dieses Ereignis hat sich in das kollektive Gedächtnis der Betroffenen eingeschrieben. Der Künstler stellt nun den Namen eines der 5000 Opfer dem Namen eines Unternehmens gegenüber, das maßgeblich an der Herstellung und Lieferung von Geräten beteiligt war, die damals im Irak zur Produktion von Giftgas genutzt wurden.—-Kunst im Untergrund 2019 – Up in ArmsMit: Alexis Dworsky, Josefine Günschel, Stephanie Hanna, Miro Kaygalak, Beatrice Schuett MoumdjianIm Jahr 2019 ist ein eklatanter Anstieg deutscher Rüstungsexporte zu beobachten. Auch wenn Berlin längst kein Hauptstandort der Waffenproduktion mehr ist, spielt die Stadt noch immer eine zentrale Rolle im Rüstungshandel. Hier werden die Weichen gestellt für die politischen Entscheidungen, die die Rüstungsproduktion und -exporte regeln. Deshalb sind die größten Rüstungsunternehmen und -verbände in der Hauptstadt ansässig und können ihre Interessen im politischen Vorraum vertreten. Die physische Nähe zwischen Lobbyismus und Politik übersehen viele und wenn Besucher_innen der Stadt das Brandenburger Tor ablichten, wissen sie nicht, dass sie gleichzeitig die Standorte bedeutender Rüstungsfirmen fotografieren.

Mit dem Titel »Up in Arms« (dt. ›energisch gegen etwas protestieren‹) widmet sich der Wettbewerb »Kunst im Untergrund 2019« der Rüstungsindustrie in einer kritischen Auseinandersetzung. Die ausgewählten Künstler_innen intervenieren mit ihren Arbeiten im Stadtraum genau dort, wo sie für die Rüstungsindustrie wichtige historische und aktuelle Orte markieren. Die wirtschaftlichen und politischen Strukturen und die Auswirkungen des Waffenhandels werden offengelegt. Dabei gehen die Kunstwerke über die bloße Markierung hinaus, sie laden zur kritischen Reflexion ein und rufen – Up in Arms – zum Protest auf.

Die parallel dazu stattfindenden Stadtführungen sind ein gemeinsames Angebot aus der Zusammenarbeit mit dem Verein LobbyControl. Sie bieten eine eweiterte Form der Auseinandersetzung: Intrinsische Verknüpfungen von Rüstungslobby und -industrie, Alltagsleben und Kunstbetrieb werden nachvollziehbar gemacht. Eine Webseite bietet weitere Informationen und Recherchen zu den in Berlin ansässigen Hauptakteur_innen und verzeichnet auf einem Stadtplan deren Standorte.

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