Kunst

Kunst im Untergrund – Up in Arms: Forensic Excavations Inventory or The Total Deconstruction of an Armenian Family

Kunst im Untergrund – Up in Arms: Forensic Excavations Inventory or The Total Deconstruction of an Armenian Family
Beatrice Schuett Moumdjian, Forensic Excavations Inventory or The Total Deconstruction of an Armenian Family, 2019 (Entwurf) | Beatrice Schuett Moumdjian

Beatrice Schuett Moumdjian»Forensic Excavations Inventory or The Total Deconstruction of an Armenian Family«Plakatflächen hinter den Gleisen U6-Bahnhof StadtmitteBeatrice Schuett Moumdjians collageartige Plakatserie beschäftigt sich mit der Rolle, die deutsche Rüstungsunternehmen im Zusammenhang mit der Geschichte ihrer Familie und dem Armeniengenozid während des Ersten Weltkriegs spielten. Die Künstlerin bedient sich dabei der archäologischen Methode des ›Forensic Excavations Inventory‹, um ihre Familienbiografie zu erforschen. Sie stellt sich damit gegen eine Historisierung des Konflikts und transportiert ihn in den Berliner Stadtraum der Gegenwart. Das Kunstwerk verweist auf die Auswirkungen von Krieg – Tod, Flucht und Migration – die auch nach mehreren Generationen noch spürbar sind.—-Kunst im Untergrund 2019 – Up in ArmsMit: Alexis Dworsky, Josefine Günschel, Stephanie Hanna, Miro Kaygalak, Beatrice Schuett MoumdjianIm Jahr 2019 ist ein eklatanter Anstieg deutscher Rüstungsexporte zu beobachten. Auch wenn Berlin längst kein Hauptstandort der Waffenproduktion mehr ist, spielt die Stadt noch immer eine zentrale Rolle im Rüstungshandel. Hier werden die Weichen gestellt für die politischen Entscheidungen, die die Rüstungsproduktion und -exporte regeln. Deshalb sind die größten Rüstungsunternehmen und -verbände in der Hauptstadt ansässig und können ihre Interessen im politischen Vorraum vertreten. Die physische Nähe zwischen Lobbyismus und Politik übersehen viele und wenn Besucher_innen der Stadt das Brandenburger Tor ablichten, wissen sie nicht, dass sie gleichzeitig die Standorte bedeutender Rüstungsfirmen fotografieren.

Mit dem Titel »Up in Arms« (dt. ›energisch gegen etwas protestieren‹) widmet sich der Wettbewerb »Kunst im Untergrund 2019« der Rüstungsindustrie in einer kritischen Auseinandersetzung. Die ausgewählten Künstler_innen intervenieren mit ihren Arbeiten im Stadtraum genau dort, wo sie für die Rüstungsindustrie wichtige historische und aktuelle Orte markieren. Die wirtschaftlichen und politischen Strukturen und die Auswirkungen des Waffenhandels werden offengelegt. Dabei gehen die Kunstwerke über die bloße Markierung hinaus, sie laden zur kritischen Reflexion ein und rufen – Up in Arms – zum Protest auf.

Die parallel dazu stattfindenden Stadtführungen sind ein gemeinsames Angebot aus der Zusammenarbeit mit dem Verein LobbyControl. Sie bieten eine eweiterte Form der Auseinandersetzung: Intrinsische Verknüpfungen von Rüstungslobby und -industrie, Alltagsleben und Kunstbetrieb werden nachvollziehbar gemacht. Eine Webseite bietet weitere Informationen und Recherchen zu den in Berlin ansässigen Hauptakteur_innen und verzeichnet auf einem Stadtplan deren Standorte.

Routen auf google.map anzeigen