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Festivaleröffnung

Festival Decolonial Frequencies startet ab 19.9. im Ballhaus Naunynstraße

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Decolonial Frequencies ist eine Reihe von Veranstaltungen über die gesamte Spielzeit 2021 / 2022. Mehr als 20 Künstler:innen, Schwarze Perspektiven, queere Ansätze, asiatisch-diasporische Setzungen, postmigrantische Traditionen und Stimmen of Color, schaffen sechs Monate lang mit zahlreichen Performances, Lectures und Konzerten ihre eigenen akustischen Räume – mit kritischer Amplitude, in tänzelnder Eigenschwingung, in unkontrollierbarer Interferenz.

Im Festival Decolonial Frequencies kommen mehr als 20 Künstler:innen zusammen und erschaffen ihre eigenen akustischen Räume. Foto: Ballhaus Naunynstraße
Im Festival Decolonial Frequencies kommen mehr als 20 Künstler:innen zusammen und erschaffen ihre eigenen akustischen Räume. Foto: Ballhaus Naunynstraße

Festival Decolonial Frequencies zeigt Klänge auf neue Art

Vertraute Klänge und erschreckende Geräusche. Die flüchtenden Melodiefetzen der Erinnerung, Lieblingssongs, der Lärm in der Straße, in der wir wohnen. Wir leben in unserer Klangwelt, sie gibt uns Orientierung, Gefühl und Energie. Subjektiv, intim – und doch ist die akustische Wahrnehmung historisch gesehen das Ergebnis der Geschichte, der kolonialen Formation.

Was wir als „Musik“ verstehen, als „schön“, „harmonisch“, „zeitgenössisch“, als „Literatur“, „relevant“ oder „wahr“, ist Ergebnis einer Historie der Auf- und Abwertungen von Klängen, Praktiken und Körpern. In langen Frequenzen wurden unser Hören, Verstehen, Klangschaffen geformt, doch Eigensinn bringt Reibungen, Wellen des Widerstands und Echos der Solidarität hervor.

Lassen sich diese knirschenden Interferenzen, das Aufeinanderprallen der Sounds registrieren oder produzieren? Lassen sich die Veränderung des Hörens, Verstehens, Wertschätzens gestalten?

Von Darmstadt nach Indien: Der Weg durch eine klangreiche Historie

Sandeep Bhagwatis Lecture-Performance bildet die Auftraktveranstaltung des Festivals "Decolonial Frequencies". Foto: Ballhaus Naunynstraße
Sandeep Bhagwatis Lecture-Performance bildet die Auftraktveranstaltung des Festivals Decolonial Frequencies. Foto: Ballhaus Naunynstraße

Den Auftakt des Festival Decolonial Frequencies bildet Sandeep Bhagwati mit seiner Lecture-Performance „The Sound Of Misunderstanding – Dhvanivala’s Sonic Explorations” am 19. September 2021, um 19 Uhr. Komponist, Dirigent und Musiker Sandeep Bhagwati folgt darin den Spuren eines indischen Physikers, der nach seinem Erleben elektronischer Musikexperimente in Darmstadt der 1960er Jahre nach Indien zurückkehrt.

Aufbruch in der europäischen Musik, Atomphysik, der Aufstieg Bollywoods, der Höhepunkt der postkolonialen Selbstbehauptung – ein historisches Gefüge voller Widersprüche und Risse, durch das der Klangphysiker Dhvanivala einen Weg sucht.

Klänge zwischen Politik und Religion

Bilawa Respati und Ariel Orah zeigen dem Publikum das politisch und religiös besetzte Instrumt Gamelan auf neue Weise und mit eigenen Erfahrungen. Foto: Ballhaus Naunynstraße
Bilawa Respati und Ariel Orah zeigen dem Publikum das politisch und religiös besetzte Instrumt Gamelan auf neue Weise und mit eigenen Erfahrungen. Foto: Ballhaus Naunynstraße

Am 17. Oktober 2021 präsentieren Bilawa Respati und Ariel Orah ihre Konzert-Lecture „GAUNG – unvorherbestimmte Resonanz“ um 20 Uhr im Ballhaus Naunynstraße.

Im Zentrum ihrer Arbeit steht das Gamelan, ein politisch wie religiös besetztes Instrument, ein Gegenstand exotisierender Projektionen. Indem Bilawa Respati und Ariel Orah einen eigenen Zugang und eine eigene Spielweise suchen, entziehen sie das Gamalan seiner bisherigen Rahmung. Sie wandeln es zu einem Instrument, das ihren eigenen Erfahrungen und klanglichen Vorstellungen entspricht.

Neue Hörgewohnheiten jenseits der europäischen Notation

Melê Yamomo zeigt gemeinsam mit Eurico Ferreira Mathias neue Hörgewohnheiten auf. Foto: Ballhaus Naunynstraße
Melê Yamomo zeigt gemeinsam mit Eurico Ferreira Mathias neue Hörgewohnheiten auf. Foto: Ballhaus Naunynstraße

Im November 2021 kommen der Soundwissenschaftler, Komponisten und Performer Melê Yamomo und der Cellist Eurico Ferreira Mathias beim Festival Decolonial Frequencies zusammen.

Einen Abend lang erweitern sie die Hörgewohnheiten der Besucher:innen. Gemeinsam suchen sie nach translokalen und doch verwandten Erfahrungen jenseits der europäischen Notation und gestalten dabei ihren Raum der Obertöne.

Mehr Informationen sowie einen Ausblick auf die Veranstaltungen 2022 findet ihr unter www.ballhausnaunynstrasse.de.

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