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Corona-Prävention an Berlins Flughäfen: Sind die Maßnahmen wirklich ausreichend?

Wie effektiv wird an den Flughäfen in Berlin gegen Corona gearbeitet? Fieber gemessen wird in Tegel und Schönefeld nicht. Man baut in der Hauptstadt auch auf die „Eigenverantwortung der Fluggäste“.

An den Flughäfen in Berlin warnt man über Monitore vor dem Corona-Virus.
Über Bildschirme wird am Berliner Flughafen Tegel zur Einhaltung des Mindestabstands gemahnt. Foto: imago/Future Image

Wer in diesen Tagen mit einem Rückholflug des Auswärtigen Amtes in Tegel oder Schönefeld landet, wundert sich vielleicht über die scheinbar laschen Sicherheits- und Vorsichtsmaßnahmen an den Berliner Flughäfen.

Noch immer landen auf Berlins Flughäfen Maschinen mit deutschen Heimkehrern, die sich zu Beginn der Corona-Krise im Ausland befanden. Im Vergleich zu anderen europäischen Flughäfen erscheinen die Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf die Corona-Ansteckung und -Verbreitung an Berlins Flughäfen recht lasch.

Was spricht an einem so wichtigen Knotenpunkt wie dem Berliner Flughafen Tegel gegen eine Desinfektionsschleuse, wie sie z.B. an asiatischen Flughäfen zum Einsatz kommt? Wieso wird bei Berliner Passagieren kein Fieber gemessen und wie kann es sein, dass immer noch Menschenmengen dicht gedrängt am Gepäckband stehen?

„Verstärkte Reinigung kritischer Flächen“ zur Corona-Prävention an Berlins Flughäfen

Der Pressesprecher der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Daniel Tolksdorf, betont auf Anfrage des tip, die beschlossenen Maßnahmen funktionierten an den Berliner Flughäfen derzeit „den Umständen entsprechend gut“. Für die Maßnahmen an den Flughäfen Schönefeld und Tegel seien die jeweiligen Gesundheitsämter zuständig.

Tegel und Schönefeld seien derzeit, was die Maßnahmen zur Corona-Prävention betrifft, in etwa auf dem gleichen Stand. „Wir stehen mit beiden Gesundheitsämtern in engem Austausch. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden bereits hochgefahren und wir passen diese laufend an die aktuellen Entwicklungen an“, so Tolksdorf.

Anfang Februar habe man bereits begonnen, Fluggäste mit Plakaten und Flugblättern zu sensibilisieren. Zudem seien die Terminal-Bereiche und Toiletten mit Desinfektionsmittel ausgestattet worden. Zu den Maßnahmen an beiden Berliner Flughäfen gehört laut Tolksdorf auch die „verstärkte Reinigung kritischer Flächen“.

„Bei den Berliner Fluggästen bauen wir in Sachen Corona auch auf Eigenverantwortung“

Außerdem habe man sich den gesamten Abfertigungsprozess genauer angeschaut, so Tolksdorf. Leider kämen Fluggäste immer in „Wellen“ an. „Wenn man nicht Teil einer solchen Welle ist, kann einem der Flughafen auch sehr leer vorkommen“, sagt der Pressesprecher.

Um Szenarios wie Menschentrauben an den Gepäckbändern zu vermeiden, versucht die Flughafengesellschaft laut Tolksdorf den „Gesamtprozess zu entzerren“. Dafür sei man im Gespräch mit den Airlines und Bodenverkehrdienstleistern. „Wir wollen dafür sorgen, dass die Busse, die zum Terminal fahren, nicht mehr so voll sind. Schon jetzt sind insgesamt weniger Busse im Einsatz. Diese fahren öfter und haben weniger Personen an Bord“, sagt Tolksdorf.

Noch immer kommen in Tegel und Schönefeld volle Maschinen mit Rückkehren an. Die "Wellen" an Fluggästen gilt es zu entzerren.
Noch immer kommen in Tegel und Schönefeld volle Maschinen mit Rückkehren an. Die „Wellen“ an Fluggästen gilt es zu entzerren. Foto: imago/Future Image

Auch jetzt kommen laut Tolksdorf noch volle Maschinen mit Rückkehrern an den Berliner Flughäfen an. Sowohl die Airlines als auch die Bodenverkehrdienstleister seien dem Thema Corona-Virus gegenüber „sehr sensibel“ und an „einer Lösung interessiert“. Nichtsdestotrotz könnten Menschentrauben, zum Beispiel, an Gepäckbändern, nur mit der Hilfe aller vermieden werden: „Wir bauen auch auf die Eigenverantwortung der Fluggäste.“

Corona-Krise: Reichen die Maßnahmen an den Berliner Flughäfen aus?

Weitere Maßnahmen, die zur Corona-Prävention dienen sollen, sind am Flughafen Tegel zum Beispiel Hinweisschilder und Kleber, die auf die Einhaltung des Mindestabstands aufmerksam machen. Zudem gibt es häufiger Durchsagen, durch die die Reisenden für die aktuellen Umstände sensibilisiert werden sollen.

Der Umfang der Maßnahmen wird in Berlin von den zuständigen Gesundheitsämtern festgelegt. Im Fall des Flughafens Schönefeld ist dies das Gesundheitsamt Landkreis Dahme-Spreewald. Pressesprecherin Janet Grund schreibt am Donnerstag auf Anfrage, der Flughafen Schönefeld sei auf Infektionskrankheiten gut vorbereitet.

Vorgaben würden in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien auf Landes- und Bundesebene umgesetzt. Es sei keine medizinische Untersuchung von Reisenden vorgeschrieben.

Am Gate und beim Boarding würden Reisende deutlich und umfassend zu Schutzmaßnahmen informiert – beispielsweise mit Aufstellern, Hinweisschildern und Lautsprecherdurchsagen. Um sicherzustellen, dass Reisende die Abstandsregelungen beachten, würden zum Beispiel Tensatoren und mehr Personal eingesetzt.

Ob die Maßnahmen an Berlins Flughäfen noch weiter verschärft werden, kann die Pressesprecherin Janet Grund nicht sagen. „Wir denken uns das alles nicht aus, sondern handeln strikt nach den Anweisungen des Bundes.“


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