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Kaffeekultur

„Community Coffee“ aus Kreuzberg: Kaffee trinken und Gutes tun

Was macht eine Kaffeerösterei, wenn über 60 Prozent des Geschäfts wegfallen? Im Falle von Philipp Reichel und Laurel Carmichael: sich auf die Gemeinschaft besinnen und versuchen, die Partner beim Überleben zu unterstützen. Der „Community Coffee“ aus ihrer Rösterei in Kreuzberg soll sowohl Cafés, als auch Produzent*innen dabei unterstützen, die Krise zu überleben.

"Community Coffee" aus Kreuzberg für die Berliner-Kaffeeszene.
„Community Coffee“ für die Berliner-Kaffeeszene. Foto: Ben Mönks

„In der Rösterei hatten wir am Anfang der Pandemie natürlich auch einen Panikmoment“, erzählt Philipp Reichel von Vote Coffee. Seit 2016 betreibt er die Kaffeerösterei aus der Markthalle Neun heraus, die nicht nur das angeschlossene Café beliefert, sondern eine ganze Reihe weiterer Cafés, Restaurants und Büros in Berlin. „Anstatt dass wir aber Werbeaktionen starteten, nutzten wir die Zeit um uns das Problem mal weitreichender anzusehen.“

„Community Coffee“ aus Kreuzberg: Die Preise lagen schon vor der Pandemie am Boden

Denn schon ohne eine globale Pandemie stand es um die Kaffeebranche nicht sehr gut. Die Preise liegen auf dem Weltmarkt am Boden, ein Kilo kostet etwa 1,80 Euro. Von dem Preis konnten Kaffeefarmen eigentlich nicht mehr leben. Mit der Pandemie verschärft sich die Situation zusätzlich, denn zu viel Kaffee ist im Umlauf, aber viel weniger Menschen trinken ihn.

Die Idee von Vote Coffee: in Zusammenarbeit mit ihrem Importeur Falcon Specialty bezogen sie Kaffee von Kaffeefarmer und Direktexporteur Mustefa Abakeno aus Äthiopien. Durch den Direktexport bleibt mehr vom Profit für Abakeno. Sowohl Importeur als auch Rösterei verzichteten auf ihre Margen, sondern berechneten ausschließlich ihre Produktionskosten.

„Community Coffee“ aus Kreuzberg: „Kaffee muss in Bewegung bleiben“

Cafés in der ganzen Stadt verkaufen die Bohnen zum normalen Preis, die höhere Einnahmen sollen sie in der schweren Zeit unterstützen. „Wir wollten das Kaffee in Bewegung bleibt“, erzählt Reichel. Denn Kaffee ist am Ende auch ein Naturprodukt und je länger er in den Lagern bleibt, desto mehr verliert er von seinem Geschmack.

Los ging es Anfang April, bislang machen über zehn Cafés mit. „Wir wissen natürlich nicht, ob wir schon damit jemanden ‘gerettet‘ haben“, sagt Reichel und lacht. Aber zumindest ein klein wenig unterstützt. Denn natürlich haben er und seine Geschäftspartnerin, wie auch der Kaffeeimporteur Falcon Specialty, ein Interesse daran, dass Cafés überleben und sich rasch finanziell erholen. Mit jedem Café, das die Pandemie und die Krise nicht überlebt, verliert auch Vote Coffee einen Kunden – und Farmer in Äthiopien, Costa Rica oder Malaysia geraten noch mehr unter Preisdruck.

Schlussendlich geht es Reichel auch genau darum: „Ich bin gar kein Kaffee-Nerd. Ich finde es viel spannender, mit einer Tasse Kaffee einen Farmer in Äthiopien mit einem Kunden hier in Berlin zusammenzubringen und beide ihre Geschichten zu erzählen.“ Und wenn sich dabei noch ein bisschen etwas Gutes tun lässt, umso besser.


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