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Pädagogik

Wie lange Kinder fernsehen können – und warum Kontrolle wichtig ist

Für viele Menschen ist Corona-Homeoffice und soziale Isolation kein Vergnügen. Eltern haben die Aufgabe, ihre Kinde nun quasi rund um die Uhr zu bespaßen. Wenn die Chefin nervt oder der Haushalt im Chaos versinkt, ist ein einfacher Ausweg oft, den Nachwuchs vor dem Fernseher zu parken. Die Frage, wie lang Kinder Fernsehen schauen sollten, ist ein zuverlässiger Streitpunkt. Wir haben mit Iren Schulz vom Medienkompetenz-Projekt des Bundesfamilienministeriums, ARD und ZDF – SCHAU HIN! – gesprochen, wie lange Kinder fernsehen können.

Wie lange Kinder fernsehen und vor dem Computer hängen, ist eine wichtige Frage – die oft für Streit sorgt.    Foto: SCHAU HIN!
Wie lange Kinder fernsehen und vor dem Computer hängen, ist eine wichtige Frage – die oft für Streit sorgt. Foto: SCHAU HIN!

Kinder vor dem Fernseher parken? Rabeneltern – oder Notwendigkeit?

tip Ich bin zu Hause, meine Kinder auch. Muss ich mich schlecht fühlen, wenn ich sie vor dem Fernseher parke?

Iren Schulz Für alle Familien ist die aktuelle Situation eine Herausforderung: Homeoffice im Beruf, Schule von zu Hause aus und Freizeit in den eigenen vier Wänden. Organisatorisch und emotional ein echter Spagat! Deshalb ist es durchaus ok, den Kindern mal eine begrenzte Bildschirmzeit zur Verfügung stellen, wenn andere Aufgaben dringend erledigt werden müssen. Das sollte natürlich nicht ständig so sein – besser ist es, Routinen und Regeln zu erhalten, die es schon immer gegeben hat, und Verbindlichkeiten in der Familie zu schaffe, auch für Fernseher & Co.

tip Wie lange dürfen Kinder denn fernsehen/am Bildschirm sein?

Iren Schulz Pauschal kann man sagen, dass

  • Kinder bis fünf Jahre eine halbe Stunde Bildschirmzeit pro Tag vertragen,
  • bei Kindern zwischen sechs und neun Jahren ist es eine Stunde pro Tag.
  • Und ab neun Jahren empfiehlt sich ein flexibles Kontingent von zehn Minuten pro Lebensjahr und Tag oder eine Stunde pro Lebensjahr und Woche.

Wenn die Kinder jetzt zu Hause auch für die Schule mit Medien arbeiten sollen oder Tablet, Smartphone und Co. etwas häufiger für die Freizeitgestaltung oder den Austausch mit Freunden benutzen, dann ist das sicher ok. Die Eltern selbst kennen ihre Kinder am besten und können eigentlich gut einschätzen, wann es zu viel wird!

Wie lange Kinder fernsehen hängt auch vom Vorbild der Eltern ab

Medienpädagogin Iren Schulz. Foto: Schulz/Delf Zeh

tip Wie bekomme ich die Kinder weg vom Fernseher?

Iren Schulz Zwei Wege funktionieren am besten: Erstens ist es wichtig, selbst Vorbild zu sein und nicht am Fernseher oder an anderen Bildschirmen zu sitzen, was aktuell gar nicht so einfach ist. Allerdings sind diese bildschirmfreien Zeiten für Familien ein wichtiger Bezugspunkt, um bewusst Zeit miteinander zu bringen. Und dafür ist es zweitens wichtig, Alternativen jederzeit der Medien anzubieten – gemeinsame Spiele, Aktivitäten und Aktionen begeistern die Kinder und lassen den Reiz der Medien meistens schnell verblassen.

tip Wie erkläre ich meinen Kind, dass ich den ganzen Tag vor dem Rechner sitze, es das aber selbst nicht so lange darf?

Iren Schulz Das ist sicher im Moment eine Frage, die viele Kinder nicht ganz zu Unrecht ihren Eltern stellen. Hier ist es wichtig zu erklären, dass diese Bildschirmtätigkeit berufliches Arbeiten ist, das erledigt werden muss und ansonsten nicht zu Hause, sondern im Büro stattfindet – so wie die Kinder in der Schule Bücher lesen, Rechnen und Schreiben. Man kann den Kindern ja durchaus mal erklären oder auch zeigen, was man da so am Bildschirm tut und mit welchen Aufgaben man betraut ist.

Darüber hinaus gibt es einen Unterschied zwischen dem, was Kinder pro Tag an Bildschirmzeit vertragen, und was Erwachsenen erlaubt ist. So wie Kinder eben auch noch keinen Kaffee trinken und nicht Auto fahren dürfen, ist auch die Bildschirmzeit begrenzter als bei Erwachsenen.

Hilfe bei der Auswahl – wie Eltern die richtigen Angebote finden

tip Wie finde ich raus, was gut ist für meine Kinder beim Fernsehen, Videospielen etc.?

Iren Schulz Inzwischen gibt es in Deutschland jede Menge gute Internetseiten und Materialien, die Eltern Orientierung im Mediendschungel bieten. In punkto Fernsehen ist der Flimmo empfehlenswert, für Computerspiele der Spieleratgeber NRW. Einen generellen Überblick zu allen Medienangeboten und sinnvollen Nutzungsmöglichkeiten für Familien und Kinder bietet die Initiative SCHAU HIN!.

Corona und Kinder – mehr zum Thema

Der Alltag mit Kindern in den „Corona-Ferien“ ist eine Herausforderung – es gibt viele tolle Angebote für Eltern. Allerdings ist es auch wichtig, den Kindern die Angst vor Corona zu nehmen – wenn man weiß, wie. Und trotz allem guten Willen – am Ende freuen wir uns auf die Zeit nach Corona, vor allem auf diese Dinge.

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