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Kunst und Geschichte

12 historische Ballhäuser in Berlin: von Clärchens bis zum Heimathafen Neukölln

Mächtige Kronleuchter, die alle Richtungen glitzern, aufwendige Malereien an den Wänden und alte Holzböden, auf denen die Berliner:innen schon vor 100 Jahren tanzten: Auch wenn die goldene Zeit der Ballhäuser seit vielen Jahrzehnten vorüber ist, gibt es sie noch, und manche lassen den Glanz alter Zeiten weiter aufleben.. Wir listen 12 Ballhäuser in Berlin, die noch den Glanz der 1920er Jahre versprühen.


Tango tanzen in Clärchens Ballhaus

Blickt auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurück: Clärchens Ballhaus. Foto: Clärchens Ballhaus

Erst Renovierung, dann Corona: Lange blieben die Türen des Clärchens in Mitte geschlossen. Doch mit dem Ende des Lockdowns im Mai 2021 kehrte wieder Leben ein in die alten Gemäuer – zuerst nur mit Restaurantgästen und Führungen und seit Anfang Herbst 2021 wieder mit vollem Programm. Das heißt, es gibt wieder Tangokurse, den allseits beliebten Schnitzeltag und freitags einen Schwoof mit Band und DJ.

Clärchens Ballhaus in Mitte ist eines der bekanntesten Ballhäuser in Berlin. Noch während des Ersten Weltkriegs eröffnete das Ehepaar Clara und Fritz Bühler das Tanzlokal unter dem Namen „Bühlers Tanzhaus“ in einem Hinterhaus der Auguststraße 24, wo es auch heute noch steht. Der eigentliche Name klang den Berlinern aber wohl zu formell und so war das Ballhaus schon bald unter dem Namen „Clärchens“ bekannt.

Charakteristisch waren die zwei voneinander getrennten Säle. Der obere Spiegelsaal war der vornehmeren Gesellschaft vorbehalten, während die einfacheren Berliner unten im Tanzsaal feierten. Wer heutzutage eine Führung bucht, darf aber ganz unabhängig von seiner sozialen Stellung das ganze Ballhaus besichtigen. Lest hier, was sich in Clärchens Ballhaus alles verändert hat.

  • Clärchens Ballhaus Auguststraße 24, Mitte, Restaurant Di-Fr 17-22 Uhr, Sa+So 14-22 Uhr, ansonsten je nach Veranstaltung

Ballhäuser in Berlin: Das Ballsaal-Studio in Wedding

Bislang nicht öffentlich zugänglich, aber bald: Das Ballsaal-Studio im Wedding. Foto: Ballsaal Studio

Im bereits 1889 erbauten Ballsaal in der Wriezener Straße fanden in der Weimarer Republik etliche frivole Tanz- und Vergnügungsveranstaltungen statt. Aber auch die Nationalsozialisten versammelten sich in dem prächtigen Ballsaal mit anschließendem Wintergarten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel der Ballsaal, zudem ungünstig nahe der Mauer gelegen, zunehmend, ehe er nah der Wende restauriert wurde. Seitdem wird der Saal weniger als offener Raum für kulturelle Veranstaltungen, als als Film- und Fotostudio oder für Firmenevents genutzt. Das soll sich aber in naher Zukunft ändern. Ein Highlight ist auch der abgeschiedene Hof und Garten, den vor allem die Schauspieler:innen bei Drehs zu schätzen wissen dürften.

  • Ballsaal-Studio Wriezener Str. 6, Wedding

Je nach Geschmack – Frühstücken oder Biertrinken im Ballhaus Berlin

Lange Geschichte: das Ballhaus Berlin in der Chausseestraße. Foto: imago images /Jürgen Ritter
Lange Geschichte: das Ballhaus Berlin in der Chausseestraße. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Das Ballhaus in der Chausseestraße in Mitte blickt auf eine lange Geschichte und viele verschiedene Namen zurück. Zuerst als Gutshaus und Kaffeegarten unter dem Namen „Zum Alten Banden“ 1905 eröffnet, entwickelte es sich als „Schwankes Festställe“ in den Golden Zwanziger Jahren der Weimarer Republik zu einer der angesagtesten Vergnügungsstätten in Berlin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete es als „Behrens Casino“ neu, bevor es 1975 seinen heutigen, schlichten Namen erhielt. Das historische Ambiente lässt sich bei Varieté, Theater oder Partynächten genießen. Statt das Tanzbein zu schwingen, kann man aber auch in der zugehörigen „Kaffeestube“ frühstücken oder gegen Abend in der „Bierstube“ ein kaltes Getränk genießen. Und wer Besuch erwartet oder es nach einem feuchtfröhlichen Abend in der Bierstube nicht mehr nach Hause schafft, kann in dem sich auf dem Gelände befindenden Hostel ein Zimmer mieten.

  • Ballhaus Berlin Chausseestraße 102, Mitte, Bierstube: tägl. ab 15 Uhr, Kaffeestube: Mo-Fr 8-11 Uhr  

Feuer, Skandale und Proteste – Die Riviera Grünau wird zum Altersheim

Die Riviera Grünau
Die Riviera Grünau hat ihre besten Tage hinter sich. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Einst ein prunkvolles Gebäudeensemble, stehen von der Riviera Grünau nur noch die Außenmauern. Ein neuer Investor hatte das Grundstück 2017 für stolze 15 Millionen Euro erworben und plant den Bau einer luxuriösen Seniorenresidenz. Nach einem Brand im Jahr 2019 riss der Investor dann wohl sogar noch mehr ab, als ihm vom Bezirk eigentlich gestattet worden war. Lokalpolitiker, Initiativen und Anwohnervereinigungen protestierten – erfolgslos.

So verliert unsere Stadt wohl einen historischen Kulturstandort zugunsten zahlungskräftiger Senioren und Investoren. Immerhin: Der ehemalige neun Meter hohe, durch Rundbogenfenster belichtete, imposante Ballsaal soll wiederaufgebaut werden und für einzelne Veranstaltungen auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.


Ballhäuser in Berlin: Postmigrantisches Theater im Ballhaus Naunynstraße

Szene aus dem 2017 im Ballhaus Naunynstraße uraufgeführten Stück "Unrestricted Contact":
Szene aus dem in 2017 im Ballhaus Naunynstraße uraufgeführten Stück „Unrestricted Contact“ Foto: Imago/Martin Müller

Die Geschichte des Ballhauses in der Naunynstraße, heute ein Theater, ist eine Geschichte von Problemen. Wenige Jahre nach dem Bau des viergeschossigen Wohnhauses und des dazugehörigen Tanzsaals brannte das Gebäude 1876 fast komplett ab. Nach dem zügigen Wiederaufbau gab es immer wieder Ärger mit Behörden, die öffentliche Veranstaltungen lange Zeit aufgrund nicht eingehaltener Bauvorschriften verboten.

Erst 1949 stellen sie dem Ballhaus eine Tanzerlaubnis aus, zwölf Jahre darauf wird der Saalbetrieb eingestellt. Nach einiger Zeit des Leerstands soll das Gebäude sogar abgerissen werden, bis Denkmalpfleger sich mit Erfolg für die Restaurierung einsetzten.

Dank ihnen können wir heutzutage im Ballhaus Naunynstraße tolle Theaterinszenierungen mit postmigrantischem Schwerpunkt bestaunen, anstatt von der Straße aus einen weiteren charakterlosen 90er Jahre-Neubau betrachten zu müssen. 

  • Ballhaus Naunynstraße Naunynstraße 27, Kreuzberg

Ein breites Kulturangebot im „Heimathafen Neukölln“

Das Café Rix in Neukölln. Foto: Imago/POP-EYE

Bereits zwischen 1899 und dem Ersten Weltkrieg spielte in dem historischen Gebäude in Neukölln das Rixdorfer Stadttheater. Es war eines der ersten staatlichen subventionierten Theater Preußens. Zwischen den Weltkriegen zog das Städtische Lichtspieltheater Neukölln in den Saal ein, bevor das Gebäude einige Jahre nach Kriegsende renoviert und für unterschiedliche, kulturelle Veranstaltungen nutzbar gemacht wurde.

Seit 2009 wird der Saal von dem Theaterkollektiv „Heimathafen Neukölln“ betrieben, das ein breites Programm anbietet. Zu den Highlights gehören die empfehlenswerten Theateraufführungen, regelmäßige Poetry Slams sowie das Café Rix, welches leckere Speisen und Getränke anbietet. Und dann gibt es noch den Jugendclub „Active Player NK“, in dem Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 24 unter professioneller Leitung ihre ersten Schauspielerfahrungen sammeln können.

  • Heimathafen Neukölln Karl-Marx-Straße 141, Neukölln, Café Rix: tägl. 10–22 Uhr

Ballhäuser in Berlin: Theater im Ballhaus Ost

Das Ballhaus Ost am Prenzlauer Berg. Foto: Imago/Seeliger

Die 1907 erbaute Versammlungshalle in Prenzlauer Berg dient seit 2006 als Spielstätte für freies Theater, Performance, Tanz und Musiktheater. Gegründet wurde das Theater unter anderen von Anne Tismer, die unter Thomas Ostermeier Teil des Ensembles der Schaubühne war, bevor sie sich künstlerisch neu ausrichtete und fortan mit ihrem Theaterkollektiv experimentelle Stücke aufführte. Im Zuge dessen entstand auch das Ballhaus Ost, das sich auch heute noch als „Experimentierbühne“ begreift. Erklärtes Ziel ist es, auch unbekannteren Künstler:innen eine Bühne zu bieten.

  • Ballhaus Ost Pappelallee 15, Prenzlauer Berg

Ballhäuser in Berlin: Ein Ort der Begegnung – der LabSaal in Lübars

Der LabSaal in Lübars
Theater, Fotographie, Malerei und vieles mehr gibt es im LabSaal. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Der LabSaal im Reinickendorfer Ortsteil Lübars ist wohl eines der vielfältigsten und dabei inklusivsten Berliner Ballhäuser. Er wird nämlich demokratisch von einem eigens zu diesem Zweck gegründeten Verein verwaltet. Der Verein erwarb den Saal 1999 mitsamt einem dazugehörigen Gutshof für 1,7 Millionen DM und erhielt ihn so als öffentlich nutzbaren, kulturellen Raum.

Im LabSaal sind viele verschiedene, von Vereinsmitgliedern gegründete Gruppen beheimatet: zum Beispiel eine Fotogruppe, die regelmäßig Ausstellungen organisiert, eine Theatergruppe, die einmal im Jahr ein abendfüllendes Stück auf die Bühne bringt oder eine Volkstanzgruppe, die wöchentlich zum Tanzen lädt. Sogar eine Heilkräutergruppe gibt es. Ein gleichwohl historischer wie lebendiger Ort im Nordwesten Berlins, den wir ganz den ehrenamtlichen engagierten Mitgliedern des Vereins, der ohne öffentliche Subventionen auskommt, verdanken.

  • LabSaal Alt Lübars 8, Reinickendorf

Das Ballhaus Tiergarten beherbergte Soldaten und Diplomaten 

Das Ballhaus Tiergarten dient heute als Sitz für die usbekische Botschaft. Foto: Imago/Manja Elsässer

Der Name des um 1880 erbauten Gebäude in Moabit ist leicht irreführend. Obwohl es einen 120 Quadratmeter großen Saal aufweist, wurde hier nur in einer recht kurzen Periode getanzt. Vielmehr wurde das klassizistische Gebäude als Offizierskasino, das dem militärischen Führungspersonal als Speise- und Aufenthaltsräumlichkeit diente, konzipiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand es eine Zeit lang leer und erhielt aufgrund seines Saales seinen umgangssprachlichen Namen. In den 1980er Jahren verwandelte sich das Ballhaus Tiergarten wohl auch mal in eine Diskothek, bevor der denkmalgeschützte Bau 2001 renoviert wurde. Seitdem beherbergt er die usbekische Botschaft in Berlin. In Zeiten von Online-Visaanträgen dürfte aber leider auch ein angestrebter Besuch Usbekistans eher nicht zu einer Kurzbesichtigung des historischen Gebäudes führen.

  • Usbekische Botschaft in Berlin Perleberger Straße 62, Moabit

Lange Rocknächte im traditionsreichen Ballhaus Spandau

Das Ballhaus Spandau hat eine bewegte Geschichte voller Höhen und Tiefen. Der größte Tiefpunkt war sicherlich die Nutzung des Gebäudes als Veranstaltungsraum für die NSDAP zur Zeit des Nationalsozialismus. Auch Hermann Göring kehrte im Ballhaus ein.

Nach dem Krieg verwandelte sich die Lokalität zu einem bekannten Rockclub. Hier erlebte das Ballhaus einige seiner größten Höhepunkte. Die Ostberliner Rockband City spielte in der traditionsreichen Diskothek ihr erstes Konzert auf westdeutschem Boden. Außerdem lernten sich Bela B. und Farin Urlaub hier kennen, bevor sie einige Jahre später Die Ärzte gründeten.

Nach anderthalb Jahren Tanzverbot in Innenräumen hat sich auch das Ballhaus Spandau wieder berappelt: Seit Ende September 2021 gibt es dort wieder Partys.

  • Ballhaus Spandau Dorfstraße 5, Spandau

Private Feiern im Ballhaus Pankow veranstalten

Ballhäuser in Berlin: Das Ballhaus Pankow.
Restaurierte Schönheit: das Ballhaus Pankow. Foto: imago images/Jürgen Ritter

Ein weiteres tolles Beispiel für Ballhäuser in Berlin ist das Ballhaus Pankow. Um 1880 erbaut, war das spätere Ballhaus zunächst ein Ausflugslokal vor den Toren Berlins. Ausflügler ins Grüne konnten erst das nahegelegene Schloss Schönhausen besichtigen und anschließend im Restaurant einkehren. Trotz harter Konkurrenz lief das Geschäft so gut, dass der Inhaber 1892 einen prunkvollen Ballsaal anbaute. So avancierte das Lokal zu einer echten Sehenswürdigkeit.

In der DDR wurde das ehemalige Ausflugslokal zu einem Produktionsstandort umfunktioniert, in den zunächst eine Schlosserei und später ein Maschinenbaubetrieb einzogen. So war das Ballhaus zur Wende in einem katastrophalen Zustand, wurde aber trotzdem unter Denkmalschutz gestellt und später restauriert. Seit 2014 finden in dem Ballhaus wieder vereinzelt öffentliche Events statt, ansonsten lässt es sich auch für private Veranstaltungen mieten.

  • Ballhaus Pankow Grabbeallee 53, Pankow

Ein Ballhaus der etwas anderen Art

Ballhaus in Paris 1612
Hier ist ein Ballhaus von 1612 aus Paris abgebildet. Das Berliner Ballhaus am Lustgarten dürfte aber ähnlich konstruiert worden sein. Foto: Public Domain

Ein Berliner Ballhaus der etwas anderen Art wurde leider bereits um 1715 abgerissen. Allerdings wurde in ihm wohl auch nicht getanzt. Die Rede ist von einem am Lustgarten dem Ballspiel gewidmeten Gebäude, das 1661 fertiggestellt wurde. Denn der Begriff „Ballhaus“ bezieht sich erst seit dem 19. Jahrhundert auf prunkvolle Gebäude für Tanzlustbarkeiten. Bis dahin beschrieb er in die Länge gezogene, zweckmäßig eingerichtete Gebäude.

Das Berliner Ballhaus war um die 22 Meter lang, ungefähr neun Meter breit und ließe sich wahrscheinlich auch gut als frühneuzeitliche Variante einer Turnhalle bezeichnen. Der dort wohnende Ballmeister könnte in dieser Analogie wohl als Hausmeister betrachtet werden. Das Ende des Berliner Ballhaus war wenig ruhmreich. Der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. von Preußen wandelte den Lustgarten in einen Exerzierplatz für sein Militär um – das Ballhaus musste weichen. Somit gibt es auch leider nichts mehr zu besichtigen. Außer natürlich den sich immer lohnenden Lustgarten. Und das Ballhaus kann man sich ja an die Stelle des Alten Museums imaginieren.


Mehr Berliner Geschichte:

Nicht nur das Sport-Ballhaus im Berliner Lustgarten ist verschwunden. Sondern auch diese 12 berühmten Gebäude in Berlin, die nicht mehr existieren. Seit die Mauer gefallen ist, hat sich Berlin ganz schön verändert. Diese 12 Dinge dürften West-Berliner noch aus den 1980er Jahren kennen. Noch mehr hat sich wahrscheinlich Ost-Berlin verändert. Diese 12 Dinge, kennt jeder, der in Ost-Berlin der 1980er gelebt hat.

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