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Kunst und Geschichte

12 historische Ballhäuser in Berlin: von Clärchens bis zum Ballhaus Spandau

Die ganz großen Zeiten der Ballhäuser in Berlin sind zwar vorbei – aber einige Überlebende der einst so anziehenden und verruchten Vergnügungsstätten gibt es in der Stadt noch. In manchen Häusern springt einen das Flair der 1920er direkt an, andere haben sich zu traditionsreichen Rockclubs entwickelt.

Und weil spätestens seit dem Erfolg der Fernsehserie „Babylon Berlin“ der Mythos der Goldenen Zwanziger wieder in aller Munde ist, stellen wir euch 12 Ballhäuser in Berlin vor: von Clärchens bis zum Ballhaus Spandau.


Tango tanzen in Clärchens Ballhaus

Ballhäuser in Berlin: Clärchens Ballhaus
Blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück: Clärchens Ballhaus
Foto: imago images/Jürgen Richter

Das Clärchens in Mitte ist eines der bekanntesten Ballhäuser in Berlin. Noch während des Ersten Weltkriegs eröffnete das Ehepaar Clara und Fritz Bühler das Tanzlokal unter dem Namen „Bühlers Tanzhaus“ in einem Hinterhaus der Auguststraße 24, wo es auch heute noch steht. Der eigentliche Name klang den Berlinern aber wohl zu formell und so war das Ballhaus schon bald unter dem Namen „Clärchens“ bekannt.

Charakteristisch waren die zwei voneinander getrennten Säle. Der obere Spiegelsaal war der vornehmeren Gesellschaft vorbehalten, während die einfacheren Berliner unten im Tanzsaal feierten. Wer heutzutage eine Führung bucht, darf aber ganz unabhängig von seiner sozialen Stellung das ganze Ballhaus besichtigen. Seit Juli hat Clärchens Ballhaus nach achtmonatigen Renovierungsarbeiten wieder geöffnet. Lies hier, was sich alles verändert hat.

Aktuell gibt es im Clärchens Tango-Unterricht und Konzerte, zu denen im hauseigenen Restaurant gespeist werden kann. Das im unteren Saal gelegene Restaurant lädt auch abseits sonstiger Veranstaltungen jeden Abend zu Schmaus und Trank ein.

  • Clärchens Ballhaus Auguststraße 24, Mitte, Mo-Do 17-23 Uhr, Fr 17-01 Uhr, Sa 12-01, So 12- 23 Uhr

Theater im Ballhaus Ost

Die 1907 erbaute Versammlungshalle in Prenzlauer Berg dient seit 2006 als Spielstätte für freies Theater, Performance, Tanz und Musiktheater. Gegründet wurde das Theater unter anderen von Anne Tismer, die unter Thomas Ostermeier Teil des Ensembles der Schaubühne war, bevor sie sich künstlerisch neu ausrichtete und fortan mit ihrem Theaterkollektiv experimentelle Stücke aufführte. Im Zuge dessen entstand auch das Ballhaus Ost, das sich auch heute noch als „Experimentierbühne“ begreift. Erklärtes Ziel ist es, auch unbekannteren Künstler*innen eine Bühne zu bieten. Momentan hat das Theater leider geschlossen, aber hoffentlich geht es bald wieder los!

  • Ballhaus Ost Pappelallee 15, Prenzlauer Berg

Je nach Geschmack – Frühstücken oder Biertrinken beim Ballhaus Berlin

Lange Geschichte: das Ballhaus Berlin in der Chausseestraße. Foto: imago images /Jürgen Ritter
Lange Geschichte: das Ballhaus Berlin in der Chausseestraße. Foto: imago images /Jürgen Ritter

Das Ballhaus in der Chausseestraße in Mitte blickt auf eine lange Geschichte und viele verschiedene Namen zurück. Zuerst als Gutshaus und Kaffeegarten unter dem Namen „Zum Alten Banden“ 1905 eröffnet, entwickelte es sich als „Schwankes Festställe“ in den Golden Zwanziger Jahren der Weimarer Republik zu einer der angesagtesten Vergnügungsstätten in Berlin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete es als „Behrens Casino“ neu, bevor es 1975 seinen heutigen, schlichten Namen erhielt. Das historische Ambiente lässt sich normalerweise beim vielfältigen Abendprogramm erleben, das momentan leider stark eingeschränkt ist. Statt das Tanzbein zu schwingen, kann man aber auch in der zugehörigen „Kaffeestube“ frühstücken oder gegen Abend in der „Bierstube“ ein kaltes Getränk genießen. Und wer Besuch erwartet oder es nach einem feuchtfröhlichen Abend in der Bierstube nicht mehr nach Hause schafft, kann in dem sich auf dem Gelände befindenden Hostel ein Zimmer mieten.

  • Ballhaus Berlin Chausseestraße 102, Mitte, Biergarten: tägl. 15-23 Uhr, Kaffeestube: Mo-Fr 8-11 Uhr  

Feuer, Skandale und Proteste – Die Riviera Grünau wird zum Altersheim

Die Riviera Grünau
Die Riviera Grünau hat ihre besten Tage hinter sich. Foto: imago images/Jürgen Ritter

Einst ein prunkvolles Gebäudeensemble, stehen von der Riviera Grünau nur noch die Außenmauern. Ein neuer Investor hatte das Grundstück 2017 für stolze 15 Millionen Euro erworben und plant den Bau einer luxuriösen Seniorenresidenz. Nach einem Brand im vergangenen Jahr – iriss der Investor dann wohl sogar noch mehr ab, als ihm vom Bezirk eigentlich gestattet worden war. Lokalpolitiker, Initiativen und Anwohnervereinigungen protestierten – erfolgslos.

So verliert unsere Stadt wohl einen historischen Kulturstandort zugunsten zahlungskräftiger Senioren und Investoren. Immerhin: Der ehemalige neun Meter hohe, durch Rundbogenfenster belichtete, imposante Ballsaal soll wiederaufgebaut werden und für einzelne Veranstaltungen auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.


Postmigrantisches Theater im Ballhaus Naunynstraße

Szene aus dem 2017 im Ballhaus Naunynstraße uraufgeführten Stück "Unrestricted Contact":
Szene aus dem 2017 im Ballhaus Naunynstraße uraufgeführten Stück „Unrestricted Contact“ Foto: imago images/Martin Müller

Die Geschichte des Ballhauses in der Naunynstraße, heute ein Theater, ist eine Geschichte von Problemen. Wenige Jahre nach dem Bau des viergeschossigen Wohnhauses und des dazugehörigen Tanzsaals brennt das Gebäude 1876 fast komplett ab. Nach dem zügigen Wiederaufbau gibt es immer wieder Ärger mit Behörden, die öffentliche Veranstaltungen lange Zeit aufgrund nicht eingehaltener Bauvorschriften verbieten.

Erst 1949 stellen sie dem Ballhaus eine Tanzerlaubnis aus, zwölf Jahre darauf wird der Saalbetrieb eingestellt. Nach einiger Zeit des Leerstands soll das Gebäude sogar abgerissen werden, bis Denkmalpfleger sich mit Erfolg für die Restaurierung einsetzten.

Dank ihnen können wir heutzutage, wenn wir uns nicht gerade in einer globalen Pandemie befinden, im Ballhaus Naunynstraße tolle Theaterinszenierungen mit postmigrantischem Schwerpunkt bestaunen, anstatt eines weiteren charakterlosen 90er Jahre-Neubaus. 

  • Ballhaus Naunynstraße Naunynstraße 27, Kreuzberg

Ein breites Kulturangebot im „Heimathafen Neukölln“

Das Café Rix in Neukölln. Foto: imago images/POP-EYE

Bereits zwischen 1899 und dem Ersten Weltkrieg spielte in dem historischen Gebäude in Neukölln das Rixdorfer Stadttheater. Es war eines der ersten staatlichen subventionierten Theater Preußens. Zwischen den Weltkriegen zog das Städtische Lichtspieltheater Neukölln in den Saal ein, bevor das Gebäude einige Jahre nach Kriegsende renoviert und für unterschiedliche, kulturelle Veranstaltungen nutzbar gemacht wurde.

Seit 2009 wird der Saal von dem Theaterkollektiv „Heimathafen Neukölln“ betrieben, das ein breites Programm anbietet. Zu den Highlights gehören die empfehlenswerten Theateraufführungen, regelmäßige Poetry Slams sowie das Café Rix, welches leckere Speisen und Getränke anbietet. Und dann gibt es noch den Jugendclub „Active Player NK“, in dem Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 24 unter professioneller Leitung ihre ersten Schauspielerfahrungen sammeln können.

  • Heimathafen Neukölln Karl-Marx-Straße 141, Neukölln, Café Rix: tägl. 10–24 Uhr

Das Ballsaal-Studio in Mitte

Im bereits 1889 erbaute Ballsaal in der Wriezener Straße fanden in der Weimarer Republik etliche frivole Tanz- und Vergnügungsveranstaltungen statt. Aber auch die Nationalsozialisten versammelten sich in dem prächtigen Ballsaal mit anschließendem Wintergarten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verfällt der Ballsaal, zudem ungünstig nahe der Mauer gelegen, zunehmend, ehe er nah der Wende restauriert wird. Fortan wird der Saal aber leider weniger als offener Raum für kulturelle Veranstaltungen, sondern vielmehr als Film- und Fotostudio oder für Firmenevents genutzt.

  • Ballsaal-Studio Wriezener Str. 6, Mitte

Ein Ort der Begegnung – der LabSaal in Lübars

Der LabSaal in Lübars
Theater, Fotographie, Malerei und vieles mehr gibt es im LabSaal. Foto: imago images/Jürgen Ritter

Der LabSaal im Reinickendorfer Ortsteil Lübars ist wohl eines der vielfältigsten und dabei inklusivsten Berliner Ballhäuser. Er wird nämlich demokratisch von einem eigens zu diesem Zweck gegründeten Verein verwaltet. Der Verein erwarb den Saal 1999 mitsamt einem dazugehörigen Gutshof für 1,7 Millionen DM und erhielt ihn somit als öffentlich nutzbaren, kulturellen Raum.

Im LabSaal sind viele verschiedene, von Vereinsmitgliedern gegründete Gruppen beheimatet: zum Beispiel eine Fotogruppe, die regelmäßig Ausstellungen organisiert, eine Theatergruppe, die einmal im Jahr ein abendfüllendes Stück auf die Bühne bringt oder eine Volkstanzgruppe, die wöchentlich zum Tanzen lädt. Sogar eine Heilkräutergruppe gibt es. Ein gleichwohl historischer wie lebendiger Ort im Nordwesten Berlins, den wir ganz den ehrenamtlichen engagierten Mitgliedern des Vereins, der ohne öffentliche Subventionen auskommt, verdanken.

  • LabSaal Alt Lübars 8, Reinickendorf

Das Ballhaus Tiergarten beherbergte Soldaten und Diplomaten 

Usbekische Botschaft in Berlin-Moabit
Das Ballhaus Tiergarten dient heute als Sitz für die usbekische Botschaft.
Foto: imago images /Manja Elsässer Usbekische

Der Name des um 1880 erbauten Gebäude in Moabit ist leicht irreführend. Obwohl es einen 120 Quadratmeter großen Saal aufweist, wurde hier nur in einer recht kurzen Periode getanzt. Vielmehr wurde das klassizistische Gebäude als Offizierskasino, das dem militärischen Führungspersonal als Speise- und Aufenthaltsräumlichkeit diente, konzipiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand es eine Zeit lang leer und erhielt aufgrund seines Saales seinen umgangssprachlichen Namen. In den 80er verwandelte sich das Ballhaus Tiergarten wohl auch mal in eine Diskothek, bevor der denkmalgeschützte Bau 2001 renoviert wurde. Seitdem beherbergt er die usbekische Botschaft in Berlin. In Zeiten von Online-Visaanträgen dürfte aber leider auch ein angestrebter Besuch Usbekistan nicht zu einer Kurzbesichtigung des historischen Gebäudes führen.

  • Usbekische Botschaft in Berlin Perleberger Straße 62, Moabit

Lange Rocknächte im traditionsreichen Ballhaus Spandau

Das Ballhaus Spandau hat eine bewegte Geschichte voller Höhen und Tiefen. Der größte Tiefpunkt war sicherlich die Nutzung des Gebäudes als Veranstaltungsraum für die NSDAP zur Zeit des Nationalsozialismus. Auch Hermann Göring kehrte im Ballhaus ein.

Nach dem Krieg verwandelte sich die Lokalität zu einem bekannten Rockclub. Hier erlebte das Ballhaus einige seiner größten Höhepunkte. Die Ostberliner Rockband City spielten in der traditionsreichen Diskothek ihr erstes Konzert auf westdeutschem Boden. Und Bela B. und Farin Urlaub lernten sich hier kennen, bevor sie einige Jahre später Die Ärzte gründeten.

Wie so viele Clubs steht auch das Ballhaus Spandau durch die Corona-Pandemie vor einer ungewissen Zukunft, aber immerhin gibt es inzwischen wieder eine Perspektive. Die Tanzfläche wurde bestuhlt und so kann man am Wochenende wieder bei Rockmusik, Schlager oder 90er-Hits gesellig beisammensitzen und in Erinnerungen schwelgen – oder neue kreieren.

  • Ballhaus Spandau Dorfstraße 5, Spandau

Private Feiern im Ballhaus Pankow veranstalten

Ballhäuser in Berlin: Das Ballhaus Pankow.
Restaurierte Schönheit: das Ballhaus Pankow. Foto: imago images/Jürgen Ritter

Ein weiteres tolles Beispiel für Ballhäuser in Berlin ist das Ballhaus Pankow. Um 1880 erbaut, war das spätere Ballhaus zunächst ein Ausflugslokal vor den Toren Berlins. Ausflügler ins Grüne konnten erst das nahegelegene Schloss Schönhausen besichtigen und anschließend im Restaurant einkehren. Trotz zahlreicher Konkurrenz lief das Geschäft so gut, dass der Inhaber 1892 einen prunkvollen Ballsaal anbaute. So avancierte das Lokal zu einer wahren Sehenswürdigkeit.

In der DDR wurde das ehemalige Ausflugslokal zu einem Produktionsstandort umfunktioniert, in den zunächst eine Schlosserei und später ein Maschinenbaubetrieb einzogen. So war das Ballhaus zur Wende in einem katastrophalen Zustand, wurde aber trotzdem unter Denkmalschutz gestellt und später restauriert. Seit 2014 finden in dem Ballhaus wieder vereinzelt öffentliche Events statt, ansonsten lässt es sich auch für private Veranstaltungen mieten.

  • Ballhaus Pankow Grabbeallee 53, Pankow

Ein Ballhaus der etwas anderen Art

Ballhaus in Paris 1612
Hier ist ein Ballhaus von 1612 aus Paris abgebildet. Das Berliner Ballhaus am Lustgarten dürfte aber ähnlich konstruiert worden sein. Foto: Public Domain

Ein Berliner Ballhaus der etwas anderen Art wurde leider bereits um 1715 abgerissen. Allerdings wurde in ihm wohl auch nicht getanzt. Die Rede ist von einem am Lustgarten dem Ballspiel gewidmeten Gebäude, das 1661 fertiggestellt wurde. Denn dass der Begriff „Ballhaus“ auch Tanzsäle meint, kam erst im 19. Jahrhundert auf. Bis dahin beschrieb er in die Länge gezogene, zweckmäßig eingerichtete Gebäude.

Das Berliner Ballhaus war um die 22 Meter lang, ca. neun Meter breit und ließe sich wahrscheinlich auch gut als frühneuzeitliche Variante einer Turnhalle bezeichnen. Der dort wohnende Ballmeister könnte in dieser Analogie wohl als Hausmeister betrachtet werden. Das Ende des Berliner Ballhaus war wenig ruhmreich. Der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. von Preußen wandelte den Lustgarten in einen Exerzierplatz für sein Militär um – das Ballhaus musste weichen. Somit gibt es auch leider nichts mehr zu besichtigen. Außer natürlich den sich immer lohnenden Lustgarten. Und das Ballhaus kann man sich ja an die Stelle des Alten Museums imaginieren.


Mehr Berliner Geschichte:

In der während der Goldenen Zwanzigern spielende Fernsehserie „Bayblon Berlin“ wird viel in Ballhäusern getanzt. Und auch sonst zeichnet die Serie ein stimmiges Bild der Weimarer Republik. Lies hier unsere Besprechung.

Oder verfolge die Spuren von 12 berühmten Gebäuden, die aus dem berliner Stadtbild verschwunden sind.

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