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Berlin verstehen

Legendäre Stadien in Berlin: Weltrekorde und Propaganda

Legendäre Stadien in Berlin sind nicht nur Spielstätten, in denen tausende von Sport-Fans gemeinsam jubeln, sondern auch historische Orte, die die Geschichte der Stadt verkörpern. Im Olympiastadion inszenierte sich Deutschland 1936 als friedvolle, weltoffene Nation, obwohl die Kriegsvorbereitungen in vollem Gange waren. Während des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 besetzten tausende DDR-Bürger:innen das Walter-Ulbricht-Stadion. Und das Willy-Kressmann-Stadion in Kreuzberg ist bis heute ein weltberühmtes Aushängeschild für das multikulturelle Berlin. Von Schrecken der Geschichte bis hin zu Hoffnungsschimmern der Gegenwart, von Hertha bis Union, Eiskunstlauf bis Motorsport: Das sind die legendären Stadien in Berlin.


Legendäre Stadien in Berlin: Deutsches Stadion

Deutsches Stadion hieß der kleinere, aber imposante Vorgänger des Olympiastadions. Foto: Imago/Arkivi

An der Stelle, wo die Nazis das monumentale Olympiastadion errichteten, stand zwischen 1913 und 1934 das Deutsche Stadion, das oftmals auch als Grunewald-Stadion bezeichnet wurde. Vor der Gründung Groß-Berlins 1920 lag die Sportstätte noch in der damals eigenständigen Stadt Charlottenburg. Der Architekt Otto March starb während der vergleichsweise kurzen Bauzeit, nach 200 Tagen waren die Arbeiten abgeschlossen. Die große Würdigung fiel aus: Die Olympischen Sommerspiele, die 1916 hier stattfinden sollten, wurden durch den Ersten Weltkrieg verhindert. Das Stadion diente nun als Lazarett.

In den 1920er-Jahren spielte hier die deutsche Fußballnationalmannschaft, und die finnische Athletiklegende Paavo Nurmi holte sich beim traditionellen Stadionfest des SC Charlottenburg am 24. Mai 1926 den Weltrekord über die 3000-Meter-Strecke zurück. Dann kamen die Nazis. Das Deutsche Stadion wurde zur großen Propagandabühne. Hitler hielt Reden vor tausenden Menschen. Nach der Machtergreifung entschied man sich gegen den geplanten Stadionumbau und errichtete für die Olympischen Spiele 1936 das Olympiastadion.


Olympiastadion

Das Olympiastadion gehört zu den berühmtesten Stadien der Welt. Foto: Imago/Camera 4

Man kann über monumentale Nazi-Architektur sagen, was man will, aber das Olympiastadion ist mit seinen größenwahnsinnigen Dimensionen durchaus beeindruckend. 1936 fanden hier die Olympischen Sommerspiele statt. Die Propagandafilme von Leni Riefenstahl gingen trotz aller Problematik als ästhetische Meisterwerke in die Filmgeschichte ein. Im Vorfeld des Wettkampfs ließ Adolf Hitler innerhalb von nur 28 Monaten das Stadion errichten, an der Stelle, an der vorher das Deutsche Stadion stand. Zahlreiche Symbole der NS-Zeit sind heute noch im Olympiastadion präsent – etwa die Olympiaglocke. Die ehemalige Führerloge, von der aus Adolf Hitler einst das Treiben im Stadion verfolgte, dient heute in erweiterter Form als VIP-Lounge. 2036 könnten hier die Olympischen Spiele ausgetragen werden. Ein durchaus umstrittenes „Jubiläum“. Alle Infos zum Olympiastadion gibt es hier.

Seit dem großen Umbau 2004 sind das alle Ränge umfassende Dach mit durchgängiger Flutlichtbeleuchtung (der sogenannte „Feuerring“) und die blaue Tartanbahn, auf der Usain Bolt den Weltrekord im 100-Meterlauf aufstellte, die Markenzeichen des legendären Stadions. Seit der Gründung der Fußball-Bundesliga 1963 trägt Hertha BSC seine Heimspiele im Olympiastadion aus. Für die internationalen Spiele in der Conference League und der Champions League wich auch der 1. FC Union Berlin in das deutlich größere Stadion aus. Zu den jährlichen Leichtathletik-Highlights gehört das ISTAF. Das Finale der Fußball-EM 2024 in Deutschland wird im Olympiastadion ausgetragen. Wie 2006, als sich Zidane mit einer unvergesslichen Kopfnuss verabschiedete. Gelegentlich wird das Olympiastadion mit seinen 74.475 Sitzplätze auch für Großveranstaltungen ohne sportlichen Charakter genutzt. Papst Benedikt XVI. vollzog hier beispielsweise eine heilige Messe, und Berlins größtes Musikfestival, das Lollapalooza, findet hier jährlich statt. Die Geschichte des Olympiastadions in Bildern erzählen wir hier.


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Legendäre Stadien in Berlin: Stadion am Gesundbrunnen

Die Plumpe war die historische Spielstätte von Hertha BSC. Foto: UnknownUnknown Achim Raschka, Public domain, via Wikimedia Commons

Nicht immer spielte die Hertha auf Mietbasis im Olympiastadion. Tatsächlich besaß der Berliner Sportclub bis 1974 ein eigenes Stadion. Nicht im Westend, sondern mitten im damaligen Bezirk Wedding. Im Volksmund hieß das 1924 eröffnete Stadion am Gesundbrunnen „Plumpe“. Der Spitzname geht auf eine Wasserpumpe in der anliegenden Behmstraße zurück, die mit einer Heilquelle im nahegelegenen Luisenbad verbunden war. Aus Pumpe wurde Plumpe und ein perfekter Spitzname war geboren.

Jahrzehnte lang spielte die „Alte Dame“ in ihrem geliebten Hexenkessel im Arbeiterbezirk. Ursprünglich fanden hier 35.239 Herthaner:innen Platz, nach der Sanierung aufgrund starker Kriegsschäden passten nur noch rund 20.000 Zuschauer:innen in das Stadion. In den 1970ern stand es schlecht um die Hertha. Finanziell drohte das Aus. Der Verein musste die legendäre Plumpe verkaufen. Die Spielstätte wurde 1974 abgerissen, um 440 neuen Wohnungen Platz zu machen. Heute erinnern vier Fußballspieler-Skulpturen an das frühere Stadion. Die Hertha spielt inzwischen im Olympiastadion.


Stadion der Weltjugend

Tänzer und Berliner Bär während der Feierlichkeiten anlässlich der X. Weltfestspiele der Jugend im Stadion der Weltjugend in Ost-Berlin 1973. Foto: Imago/Sven Simon

Mit Platz für 70.000 (später 50.000) Menschen gehörte das Stadion der Weltjugend zu den größten Leichtathletik- und Fußballstadien der DDR. Die legendäre Sportstätte befand sich auf dem Gelände des ehemaligen Polizeistadions in Mitte. Auf einer Fläche von 131.000 Quadratmetern waren diverse Fußballfelder, neun Tennis- und zwei Werferplätze, eine Schwerathletikanlage und ein Funktionsbau mit Sanitär-, Verwaltungs- und Gaststättenräumen eingerichtet.

Der damalige Generalsekretär des Zentralkomitees der SED Walter Ulbricht eröffnete die Arena am 20. Mai 1950 nach nur 120 Tagen Bauzeit, worauf der Name „Walter-Ulbricht-Stadion“ zurückzuführen ist. Die Berliner:innen erfanden den Spitznamen „Zickenwiese“, zurückzuführen auf Ulbrichts exzentrische Gesichtsbehaarung. Am 17. Juni 1953 besetzten Tausende das Stadion und zerstörten Embleme der verhassten Regierung. Das Stadion stand für alles, wogegen sich die Ost-Berliner Bevölkerung auflehnen sollte. Für die 10. Weltfestspiele wurde es nach Umbauarbeiten als Stadion der Weltjugend 1973 wiedereröffnet. Über Walter Ulbricht sprach man zu dieser Zeit schon nicht mehr gerne. Kurioserweise starb er kurz nach der Umbenennung des Stadions – an einem Herzinfarkt. 1992 wurde die legendäre Sportstätte abgerissen. Heute steht hier die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes, nach dem Flughafen Tempelhof das zweitgrößte Gebäude Berlins.


Legendäre Stadien in Berlin: Poststadion

Das Poststadion in Moabit war vor dem Bau des Olympiastadions das wichtigste Berliner Stadion. Foto: Imago/Matthias Koch

Vor dem Bau des Olympiastadions war das Poststadion in Moabit die wichtigste Sportstätte Berlins. In den 1920ern und 1930ern fanden hier Fußballspiele von überregionaler Bedeutung statt. Zum Endspiel 1934 zwischen Schalke und Nürnberg kamen 45.000 Zuschauer:innen. Am 7. Juli 1935 trafen im Poststadion zwei Boxlegenden aufeinander: Max Schmeling und Paulino Uzcudun. 1936, beim Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Norwegen, wurden 55.000 Eintrittskarten verkauft.

Natürlich wurde das Stadion auch immer wieder zur politischen Bühne. In der Zeit des Nationalsozialismus fand hier eine Maikundgebung der Hitlerjugend statt, bei der Adolf Hitler eine Rede hielt. 1946 sprach Kurt Schumacher bei der ersten öffentlichen Kundgebung der SPD nach dem Zweiten Weltkrieg.

In den 1950er-Jahren wurde das legendäre Stadion zur Heimspielstätte des SC Union 06, als ein Großteil der Mannschaft der SG Union Oberschöneweide aus Ost-Berlin flüchtete. Der neu gegründete Verein spielte oft vor ausverkauftem Haus. In den 1980ern zog es die zu der Zeit drittklassige Hertha ins Poststadion. Doch die Anlage verfiel in den Jahren immer mehr. Jahrzehnte lang befand sich der geschichtsträchtige Ort im Dornröschenschlaf. Erst ab 2003 begannen Sanierungsarbeiten und Umgestaltungen. Heute dient die denkmalgeschützte Sportanlage als Trainings- und Spielstätte für mehr als 200 Vereine und den Schulsport. Auf dem Stadiongelände befindet sich eine Gedenktafel.


Stadion an der Alten Försterei

Das Stadion an der Alten Försterei ist der Stolz der Unioner. Foto: Imago/Schöning

Dicht an der Wuhle liegt das traditionsreiche Stadion des 1. FC Union Berlin. Der Name geht auf ein benachbartes Forsthaus zurück. Von der Schlacht um Berlin, die vielerorts Spuren hinterlassen hat, blieb die Spielstätte weitestgehend verschont. In der DDR-Zeit gab es mehrere Umbauten, trotzdem blieb der nostalgische Charme des verhältnismäßig kleinen Stadions in außergewöhnlicher Lage erhalten. Nach der Wende fehlten die finanziellen Mittel für eine notwendige Sanierung. Doch der „eiserne“ Wille der Unioner:innen ist legendär. Ab 2008 leisteten freiwillige Helfer:innen 140.000 Arbeitsstunden oder spendeten Geld an ihren Verein, um die Alte Försterei zu einem modernen Stadion zu machen. Auf Wunsch der Fans gibt es kaum Sitzplätze im Stadion. Auf dem Großteil der 22.000 Plätze wird gestanden, gejubelt und gesungen. Wie früher. Kein Wunder: Die Alte Försterei ist der ganze Stolz der Eisernen, und die Stimmung im Hexenkessel ist berüchtigt. Hier gab es viele unvergessliche Aufeinandertreffen der Rivalen Hertha und Union.

Seit 2003 findet hier auch das Weihnachtssingen statt. Mit etwa 28.500 Teilnehmern im Jahr. Die FAZ bezeichnete die Union-Fans als den „inzwischen berühmteste Weihnachtschor Deutschlands“. Ein weiteres Highlight der Stadiongeschichte war das WM-Wohnzimmer im Sommer 2014. Fußball-Fans konnten hierbei ihr Sofa in der Försterei aufstellen, um auf einer Leinwand Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien zu schauen. Rund 12.000 Gäste fieberten zusammen mit.

Aufgrund der sportlichen Erfolge des 1. FC Union, der sogar Partien in der Champions League bestritt, muss das legendäre Stadion erweitert werden. Das Stadion soll nach dem Umbau rund 37.700 Zuschauer:innen Platz bieten. Die Arbeiten sollen im Juli 2025 beginnen und bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Während der Saison 2025/26 will der Verein daher ins Olympiastadion ausweichen.


Legendäre Stadien in Berlin: Mommsenstadion

Das Mommsenstadion 2023. Foto: Imago/Schöning

Das Mommsenstadion liegt am Rande der wohlhabenden Ortslage Eichkamp. Das Fußballstadion mit Leichtathletikanlagen wurde 1930 eingeweiht. Bei der Errichtung beteiligten sich Mitglieder des SCC, weshalb die Sportstätte vorerst SCC-Stadion hieß. Die Bauarbeiten fanden mitten in der Weltwirtschaftskrise statt, was den Verein in eine finanzielle Krise trieb. Lotte Kaliski, Pädagogin und älteste Tochter einer jüdischen Familie, mietete daraufhin Clubräume an, die tagsüber für den Unterricht ihrer jüdischen Waldschule genutzt werden sollten. 1932, nur wenige Monate vor der Machtergreifung, nahm das Waldschulheim Eichkamp, aus dem später die Private Waldschule Kaliski wurde, mit 26 Schüler:innen seine Arbeit auf. In diesen Schreckenszeiten bot die Schule zumindest einigen Kindern weiterhin einen sicheren Platz zum Lernen.

1933 schloss der SCC einen Mietvertrag mit der Stadt Berlin ab, die Räume für das Mommsen-Gymnasium suchte. Die Waldschule wurde daraufhin gezwungen, in die Bismarckallee und später nach Dahlem umzuziehen, wo heute eine Gedenktafel an die Schicksale der Schüler:innen und Lehrer:innen erinnert .

In den Tribünentrakt des SCC-Stadions zog 1934 das Theodor-Mommsen-Gymnasium. Der damalige Schuldirektor Neuhaus machte die Schule zu einer nationalsozialistischen Musteranstalt. Während der Olympischen Spiele 1936 wurden im Mommsenstadion Achtel- und Viertelfinalspiele des olympischen Fußballturniers ausgetragen. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland trainierten die Nationalmannschaften für ihre Spiele im Olympiastadion. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog Tennis Borussia Berlin in die Stadionruine ein. Ausgerechnet ein Verein, der vor dem Holocaust eine große Anzahl jüdischer Mitglieder zählte, von denen viele in den Konzentrationslagern ermordet wurden.


Hans-Zoschke-Stadion

Legendäre Stadien in Berlin: Hans-Zoschke-Stadion in Lichtenberg. Die Nachbarn: die Stasi. Foto: Imago/Matthias Koch

Direkt an der ehemaligen Stasi-Zentrale in Lichtenberg liegt das Hans-Zoschke-Stadion, die Heimspielstätte des Sportvereins SV Lichtenberg 47. Benannt wurde die Sportstätte nach einem antifaschistischen Widerstandskämpfer aus Lichtenberg, der 1944 hingerichtet wurde. In der DDR beobachtete die Stasi das Treiben in der Arena ganz genau, wie Akten beweisen. Bereits in den 1970ern zeigte die Stasi großes Interesse an einer Übernahme. Denn das legendäre Stadion lag direkt zwischen dem riesigen Hauptareal des Ministeriums für Staatssicherheit und einem neu errichteten Komplex nördlich des Spielfeldes. Die Geschichte der Stasi-Zentrale erzählen wir hier.


Legendäre Stadien in Berlin: Horst-Dohm-Eisstadion

Nicht nur Schlittschuhe, sondern sogar Motorräder gleiten übers Eis im Horst-Dohm-Stadion. Foto: Imago/Camera 4

Das Horst-Dohm-Eisstadion in Schmargendorf wurde 1974 eröffnet. Der Architekt Werner Deyle hatte es nach den Anforderungen der Olympischen Spiele geplant. So verfügt dieses legendäre Wintersportstätte über eine 6170 Quadratmeter große Eisfläche und eine 400 Meter lange Eisschnelllaufbahn. 1985 fand hier das erste Eisschnelllauf-Weltcuprennen in Deutschland statt. Ein jährliches Highlight war das berüchtigte Eisspeedway-Rennen, bei dem speziell angerfertige Motorräder mit Spikes über die Bahnen kachelten. Seit 1975 begeisterte das Motorenspektakel die Zuschauer.innen. 2023 verkündete das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf das Ende der Kultveranstaltung. Als Hauptgrund wurde der zu hohe und zu teurer Energieverbrauch angegeben. Zum Eislaufen im Winter und für den Rollsport im Sommer bleibt das Horst-Dohm-Stadion aber eine wichtige Adresse. Die besten Eisbahnen in Berlin stellen wir hier vor.


Steffi-Graf-Stadion

Legendäre Stadien in Berlin: Preisverleihung im Steffi-Graf-Stadion. Foto: Imago/Claudio Gärtner/tennisphoto.de

Mit seinen 7000 Plätzen gehört das 1996 erbaute Steffi-Graf Stadion zur Liste der größten Tennisstadien der Welt. Namensgeberin ist die deutsche Tennislegende, die mit mit 22 Grand-Slam-Titeln und dem Rekord von 377 Wochen an der Spitze der Weltrangliste zu den erfolgreichsten Spielerinnen der Geschichte zählt. Das Stadion befindet sich auf dem Vereinsgelände des LTTC Rot-Weiß Berlin in Berlin-Grunewald. Hier wurden unter anderem das WTA Berlin und der Davis-Cup ausgetragen.


Legendäre Stadien in Berlin: Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark

American Football im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Foto: Imago/Eibner-Pressefoto/Claudius Rauch

Heute umfasst der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark mit dem Großen Stadion und der Max-Schmeling-Halle zwei der größten Sport- und Veranstaltungsstätten der Stadt. Insgesamt ist die öffentliche Sportanlage von großer gesamtstädtischer Bedeutung für den Schul-, Vereins- und Breitensport. Der ab 1951 errichtete Sportpark befindet sich auf legendärem Boden: Denn der ehemalige preußischen Exerzierplatz, der sich hier befand, war eine Wiege des deutschen Fußballs.

Am 18. April 1892 traf hier die Berliner Auswahl des Deutschen Fußball- und Cricket Bundes auf den Dresden English Football Club. Das legendäre Spiel gilt als das erste groß beworbene Fußballspiel mit einem zahlenden Publikum in Deutschland. Kurz darauf nutzte der frisch gegründete Verein Hertha BSC den Platz als erste Spielstätte. Auch Tennis Borussia Berlin spielte hier ab 1903. Im Laufe der Jahre trafen hier unzählige Sportler:innen, Teams und Vereine in verschiedensten Sportarten aufeinander. An keinem anderen Ort in Deutschland wird schon so lange organisierter Vereinsfußball gespielt wie im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Das Land Berlin will die riesige Anlage zu einem deutschlandweit vorbildhaften Inklusions-Sportpark auszubauen. Dieser legendäre Ort soll bis 2026 nach den Entwürfen zweier Dresdener Büros für Architektur und Landschaftsarchitektur umgebaut werden.


Willy-Kressmann-Stadion

Eine Sensation: Im Willy-Kressmann-Stadion in Kreuzberg spielt eine iranische Frauenmannschaft. Foto: Imago/Sebastian Wells

Das 1914 eröffnete Willy-Kressmann-Stadion in Kreuzberg (bis 2010: Katzbachstadion) ist die Heimspielstätte von Türkiyemspor Berlin. Der Berliner Verein war lange Zeit der berühmteste Migrantenverein Deutschlands und somit ein wichtiges Aushängeschild der türkischen Community in Berlin. Erstklassige Teams wie der FC Bayern München, Trabzonspor und Fenerbahçe Istanbul kamen für Freundschaftsspiele nach Kreuzberg. Heute tragen sogar Vereine in den Niederlanden, England, Australien und den USA den Namen Türkiyemspor. Auch im Thema Gleichberechtigung im Fußball ist der Verein Vorreiter. So hat Türkiyemspor eine starke Frauenabteilung aufgebaut. Und steht für urbane Coolness. 2020 machte Nike die Fußballerinnen zu Gesichtern einer globalen Werbekampagne.

Das wohl berühmteste Spiel im Willy-Kressmann-Stadion fand 2016 beim Kulturfestival „Home Game“ statt, bei dem eine iranische Frauenfußball-Auswahl antrat. Bereits 2006 war ein Berliner Team nach Teheran gereist. Zehn Jahre vergingen bis zum Rückspiel in Kreuzberg. Immer wieder hatte es Drohungen gegeben.

Im Publikum saßen nun jubelnde Männer und Frauen nebeneinander. Viele von ihnen waren aus dem Iran geflüchtet. Organisiert wurde das Turnier von der Berliner NGO Discovery Football, die Frauenmannschaften aus Ländern zusammenbringt, in denen es schlecht um Frauenrechte steht. So waren auch Saudi-Arabien oder Afghanistan dabei. Das Willy-Kressmann-Stadion ist das wohl weltoffenste Stadion Berlins.


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