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Kommentar

Maske tragen in der U-Bahn: Stellt euch nicht so an!

Es hat gefühlt mal besser geklappt mit dem Maske tragen in den Öffis. Dabei steigen die Inzidenzen und die Einschränkung, beim U-Bahn fahren eine Maske aufzusetzen, ist nicht der Rede wert, findet unsere Autorin.

Es hat auch mal besser geklappt mit dem Maske tragen in den Öffis.
Wenn Menschen in der U-Bahn keine Maske tragen, fühlen sich manche Mitfahrer:innen nicht sicher. Foto: Imago/Frank Sorge

Maskenmuffel: Es werden immer mehr

Ein Donnerstagabend in der U2: Ein Mann sitzt alleine in einer der Viererreihen, die sich an den Seiten der U-Bahn befinden, auf den Sitzen ihm gegenüber sitzt eine Frau. Seine OP-Maske trägt der Mann am Kinn. Die Frau blickt ihn ein paar Mal durchdringend an, aber der Mann ignoriert sie. Irgendwann steht die Frau auf und setzt sich einige Sitzgruppen entfernt vom Mann hin.

Diese Szene hätte sich auch in einer anderen U-Bahn zu einer anderen Tageszeit mit anderen Protagonist:innen abspielen können. Denn immer mehr Menschen gehen wieder dazu über, ihre Masken in den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht richtig zu tragen. Ältere Männer, jüngere Frauen und Kinder, Mütter mit Kinderwagen und bullige Typen mit Trainingsjacke. In der U-Bahn, in der Tram, im Bus. Als wäre die Pandemie vorbei.

Die Inzidenzen raten eher wieder zu mehr Vorsicht

Dabei legt sie gerade wieder erst richtig los. Die Niederlande und Spanien werden gerade zu Hochinzidenzgebieten, in Deutschland steigt die Inzidenz rasant. Und Berlin liegt mit einer Inzidenz von mehr als 20 und Steigerungen von bis zu 121 Prozent im Vergleich zur Vorwoche ganz vorne, Friedrichshain-Kreuzberg verzeichnete am Freitag sogar eine Inzidenz von 40,4.

Zur Realität gehört natürlich auch, dass in Berlin inzwischen knapp 50 Prozent der Menschen vollständig geimpft sind und die Belegung der Intensivstationen auf einem niedrigen Niveau liegt. Es ist Sommer und die Berliner:innen haben gelitten im Winter, manche überproportional viel. Sie brauchen jetzt ein bisschen Seelenpflege, mehr Spaß und weniger Sorgen. Das bedeutet aber nicht, dass es okay ist, alle Vorsichtsmaßnahmen über Bord zu werfen. Vor allem dann nicht, wenn sie, wie die Masken in den öffentlichen Verkehrsmitteln, einen nachweislich großen Effekt haben und gleichzeitig kaum Einschränkungen bedeuten.

Maske tragen tut niemandem weh

Denn mal ehrlich: Ist es wirklich so schlimm, in den Öffis und im Supermarkt Maske zu tragen? Natürlich tut es weh, dass wir immer noch nicht in Clubs feiern können und auch auf den Tanzflächen draußen noch Maske tragen müssen. Auch wenn die Maskenpflicht dort einleuchtet. Aber in den Öffis? Come on! Das ist, als würde man sich weigern einer alten klapprigen Frau das runtergefallene Ticket aufzuheben, weil dieses Gebot einen in der eigenen Freiheit, das zu tun, was man gerade möchte, einschränkt. Eine Maske in den Öffis zu tragen ist einfach nicht der Rede wert. Da kann zum Beispiel die Journalistin Anna Schneider bei der “Welt” so lange von grundlegender Freiheit faseln, wie sie will. Außerdem hat es gefühlt mal besser geklappt mit den Masken in den Öffis. Warum also jetzt nachlässig werden?

Ebenso wenig tut es weh, zum Beispiel beim Warten auf einen Tisch im Restaurant die Maske aufzusetzen, wenn sich gerade eine Menschentraube bildet. Ja, uns allen dürstet nach Sorglosigkeit. Aber diese Sorglosigkeit sollte nicht auf Kosten von Menschen gehen, die sich dann unsicher fühlen, wie die Frau in der U2. Im Gegenteil: Dort, wo die Freiheitseinschränkungen nicht zu groß sind, könnte Maskentragen ruhig auch nach Pandemie Standard werden. Zumindest dann, wenn man erkältet ist und die Öffis benutzt zum Beispiel. In einigen asiatischen Ländern funktioniert es ja auch, ohne dass sich irgendwelche kleinkarierten Egomanen in ihrer Freiheit beraubt sehen.


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