Getränke

Bubble Tea in Berlin: Was ist dran am Hype?

Vor einigen Jahren schien es, als ob Geschäfte für Bubble Tea in Berlin an jeder Ecke aus dem Boden sprießen – kurz darauf gab es Gerüchte um vermeintliche Gesundheitsgefahren und der Hype war vorüber. Jetzt sind die Teeläden wieder da, aber unter anderen Vorzeichen. Und mit tollen Teespezialitäten im Gepäck.

Bubble Tea in Berlin: das kleine Café Dosha in Friedrichshain setzt auf Biomilch und feinsten Tee
Bubble Tea in Berlin: das kleine Café Dosha in Friedrichshain setzt auf Biomilch und feinsten Tee. Foto: Dosha Teehaus

Bubble Tea: Plötzlich stehen junge Berliner*innen auf Tee

Dass ausgerechnet Tee – Schwarztee, Grüntee, Oolong – zum Trendgetränk von Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden würde, damit haben wohl wenige gerechnet. Aber der Hype um Bubble Tea, die süßen Teekreationen aus Taiwan und anderen Ländern Ostasiens, hat dafür gesorgt, dass Teekultur auch hierzulande eine Verjüngungskur erhält.

Was den Tee so besonders macht, sind die verschiedenen Geschmacksvariationen – Fruchtaromen zum Beispiel, Karamell oder Lavendel – und Toppings von Karamellsirup und Tapioka-Perlen bis zu Basilikumsamen und Kokonussgelée, es gibt auch Frischkäsetopping und karamellisiertem Zucker wie bei Crème Brûlée. Die Kombination kann man dann kalt trinken – und dabei genau vorgeben, wie viele Eiswürfel man im Becher haben möchte – oder warm. Auch der Zuckergehalt wird auf Wunsch variiert. Der Name bezieht sich übrigens gar nicht auf die Tapioka-Perlen mit ihrer ganz besonderen Textur, sondern auf die Blubberbläschen, die sich durch das Schütteln des Tees mit Milch und Eis bilden.

Bubble Tea in Berlin: Gesundheitsgefahren – oder rassistische Klischees?

Aber waren wir da nicht schon mal? Genau: 2011 begann der erste Hype um Bubble Tea. Auch in Spätis gab es plötzlich eine Bubble-Tea-Theke und „Popping Boba“ in quietschbunten Farben verdrängten das aus der Maniokwurzel gewonnene Tapioka. Doch der damalige Hype hielt kaum ein Jahr lang an, denn allzu bald hieß es: Achtung, Gesundheitsgefahren! Gerüchte machten die Runde, dass man vermeintlich giftige Bestandteile in den Perlen fände, die sich aber nie so recht nachweisen ließen. Stiftung Warentest nannte Bubble Tea „Dickmacher aus Fernost“, Zeitungen und Zeitschriften von Welt bis Brigitte schrieben von Gift im Getränk. Im Rückblick, so berichten die Journalistinnen Vanessa Vu und Minh Thu Tran im „Rice & Shine“-Podcast, hatten die Gerüchte wenig Substanz und waren oft mit rassistischer Panikmache vor dem unbekannten neuen Produkt aus „Asien“ verbunden.

Tapiokaperlen und milchiger Tee – mittlerweile nicht nur in Taiwan beliebt
Tapiokaperlen und milchiger Tee – mittlerweile nicht nur in Taiwan beliebt. Foto: Rosalind Chang via Unsplash

Die Einnahmen brachen trotzdem rapide ein, die meisten Bubble-Tea-Lokale verschwanden Ende 2012 schon wieder. Nur wenige blieben übrig, wie zum Beispiel eine Filiale der taiwanesischen Kette Comebuy am Hackeschen Markt, an der sich dann prompt so gut wie jeden Tag eine Schlange bildete.

Bubble Tea in Berlin: Taiwanesische Ketten expandieren nach Berlin

Zwischenzeitlich entwickelte sich aber die Bubble-Tea-Szene weiter, statt auf Popping Boba und bunte Sirupe wurde mehr Wert auf natürliche Zutaten gelegt. Auch in den USA wurde Bubble Tea immer beliebter und seit ungefähr 2019 eröffneten auch in Berlin wieder vermehrt Bubble-Tea-Lokale. Da wäre zum Beispiel eigenständige Dosha auf der Boxhagener Straße in Friedrichshain, das mit Biomilch und feinen Tees überzeugt und auch schon in der FAZ besprochen wurde, oder das auf nachhaltige Verpackung fokussierte Tudo in Charlottenburg.

Neben den Berliner Lokalpflänzchen aber tummeln sich immer mehr große Namen mit viel Kapital im Rücken auf dem Berliner Bubble-Tea-Markt: Neben Comebuy und BoboQ haben weitere taiwanesische Unternehmen wie The Alley (mit einer Filiale auf der Neuen Schönhauser) die Hauptstadt als lukrativen Markt entdeckt. Und stellen damit den globalisierten Kulturexport ein wenig auf den Kopf: Wo jahrzehntelang westliche Marken von McDonalds bis zum Münchener Hofbräuhaus ihre Produkte nach Asien exportierten, expandieren jetzt taiwanesische Unternehmen nach Europa.

Der teils kunterbunte Bubble Tea geriet beim ersten Deutschland-Anlauf schnell in Verruf, nun erlebt er in Berlin ein Comeback. Foto: Imago/agefotostock

Und warum auch eigentlich nicht? Unsere Fußgängerzonen verdienen es, bunter zu werden. Und die Teequalität von Bubble-Tea-Läden schlägt das bisherige Tee-Angebot in den meisten Cafés um Längen. Für uns dann aber bitte ohne Zucker!

  • Comebuy Oranienburger Straße 83, Mitte, tgl. 12-19 Uhr (Flagshipstore), weitere Filialen in ganz Berlin, www.comebuy2002.de

Mehr Berliner Esskultur:

Ihr trinkt euren Tee lieber klassisch? Da haben wir 12 tolle Teeläden in Berlin für euch: Kräuter, Matcha, Darjeeling und mehr. Auch in Bubble-Tea-Läden immer öfter verbreitet: Hafermilch. Besonders gut schmeckt sie von „Kornwerk“-Hafermilch – solidarische Landwirtschaft fürs Milchregal. Noch süßer: Wo ihr Süßigkeiten, Schokolade, Lakritze & Co. in Berlin kaufen könnt.

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