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Festival Simulator

Berghain-Resident-DJ Phase Fatale: Gigantischer Rave in Lichtenberg

Hayden Payne alias Phase Fatale, hier fotografiert von Berghain-Türsteher Sven Marquardt

Hayden Payne ist unter seinem Künstlernamen Phase Fatale Berghains jüngster Resident-DJ. Über sein eigenes Label, Bite, hat er gemeinsam mit weiteren Playern, etwa den Labels Enigma, Fleisch, Instruments of Discipline, Liber Null und Pi Electronics, einen Wahnsinns-Rave namens Festival Simulator aus dem Boden gestampft, der am Samstag, dem 5. September, in der Kulturoase Lichtenberg steigt.

Auf 9.000 Quadratmetern samt zwei Stages findet mit dem Festival Simulator einer der ersten legalen Raves seit Corona statt – mit Live-Acts und DJs wie Ancient Methods, Tommy Four Seven, New Frames oder Alienata b2b Reka, also Leuten, die sonst im Berghain, im Tresor, in der Griessmuehle oder im About Blank auflegen. Oder auch in Japan und Australien. Wir haben vorab mit zwei Leuten vom Festival Simulator gesprochen, die maßgeblich hinter dem Event stecken: der besagte Berghain-Resident Phase Fatale, also Hayden Payne, und die Sängerin Zanias, die abseits der Bühne Alison Lewis heißt.


tip Hayden, du verbringst auch viel Zeit in Tiflis, in Georgien. Ist die Situation der Clubs dort angesichts von Corona anders als in Berlin?

Hayden Payne An beiden Orten wurden die Clubs umgehend geschlossen – und sie sind es auch bis uns Ungewisse. In Tiflis sind zum Glück seit einer Weile Open-Air-Events erlaubt, weil die Anzahl der Infektionen im Sommer ziemlich niedrig war.

tip Nun habt ihr ein Festival – oder sollen wir sagen einen Rave? –organisiert: den Festival Simulator. Wo nehmt ihr dafür die Energie her und wieso?

Hayden Payne Wir haben, als wir nicht auf Tour waren, gemerkt, dass wir doch ein tiefes Verlangen nach lauter Musik und sozialer Interaktion haben – was nicht allein durch kleine Privat-Zusammenkünfte zuhause befriedigt werden kann. Da wir alle wahre Musiker sind, deren Leben sich so sehr um die Musik dreht, fehlt uns da wirklich was. Wir alle haben uns gesehnt nach einer echten Audio- und Dance-Experience. Also haben wir uns drangemacht, herauszufinden, wie man das auf eine sichere und auch legale Weise auf die Beine stellen könnte. Wir wollten etwas schaffen, wo die Community sicher zusammenkommen kann – und was auch den Artists und ihrer Musik hilft zu seiner Zeit, wo quasi alle anderen Gigs bis auf weiteres gecancelt werden.

Legt auch beim Festival Simulator auf: Ancient Methods

Alison Lewis Mit all den Labels, die hier mit dabei sind und die ansonsten im elektronischen Underground Berlins heftig mitmischen, und dann auch noch der sehr gut vernetzten Enigma Crew, hat uns die Club Comission die Chance gegeben, uns für ein Gelände, das Berlin gehört, offiziel mit unserem Event zu bewerben. Das war dann schließlich die Kulturoase Lichtenberg. All das wäre nicht möglich gewesen ohne ein echt starkes Team – da wir buchstäblich das Festival von Grund auf stämmen: vom Soundsystem bis zur Bar und den Toiletten. Und die Energie für all das? Sie entspringt der Notwendigkeit.

tip Glaubt ihr, die Leute finden einen offiziell angemeldeten, safen Rave wie euren Festival Simulator so nervenkitzelnd wie einen illegalen, sagen wir mal, in der Hasenheide?

Alison Lewis Ja, ich denke, die Leute gehen sogar lieber auf eine offizielle, sichere Party als auf eine weirde, illegale. Das ist nichts Tolles daran, die Gesundheit von allen zu riskieren, ohne Richtlinien und Registrierung – und auch noch mit dem Risiko, dass die Polizei alles dichtmacht und Bußgelder kassiert. Aber eine Zeitlang gab es eben keine richtige Alternative, bis nun spät im Sommer.

Auch Alienata legt beim Festival Simulator auf

Hayden Payne Ich glaube, das ist klar, dass alles zu verbieten nicht die Lösung sein wird. Das schiebt die Partys bloß in den Untergrund, wo es dann gefährlich für alle Beteiligten wird. Nun etwas Legales zu haben, ist viel sicherer für alle, vor allem, wenn das, wie unser Event, sogar offiziell von der Politik abgesegnet wurde. Und wir haben auch einfach die bessere Musik bei uns!

tip Wie optimistisch seid ihr, dass sich eure Gäste an die Sicherheitsanweisungen halten werden? Zumal in einer Stimmung, wenn sie ihre Alltagssorgen vergessen wollen?

Hayden Payne Eine Maske zu tragen ist sehr leicht. Ich sehe da kein Problem. Nach ein paar Drinks, oder was auch immer, spürt man sie gar nicht mehr. Hinzu kommt: Das ist ziemlich der originale Raver-Look!

Alison Lewis Und Abstand zu halten ist auch ziemlich leicht, so lang der Platz nur groß genug ist. Tanzen kann sogar mehr Spaß machen, wenn man nicht ständig angerempelt wird.

tip Was ist eure Vision für eine Berliner Clubwelt nach Corona?

Alison Lewis Letztlich wird alles zum Normalen zurückkehren. Aber ich hoffe, dass nicht zu viele Läden bankrott sind, bevor es so weit ist.


Festival Simulator: Kulturoase Lichtenberg, Bürknersfelder Str. 10, Lichtenberg, Sa 5.9., 12–23 Uhr, Ticketregistrierung auf www.club-simulator.com


Mehr zum Thema: Das Berghain, wo Phase Fatale oft auflegt, hat wieder auf, zumindest der Garten mit Hygiene-Konzept. Doch wie komme ich eigentlich ins Berghain? Richtig rein ins Berghain-Gebäude kann man aber auch: um Kunst der Boros-Foundation zu sehen. Und auch andere Clubs lassen sich nicht lumpen, sondern fahren neue Konzepte auf. Bei Zitty gibt es auch ein Porträt übner Phase Fatale – des Berghains jüngster Resident-DJ.

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