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Club gegen Discounter

Anstehen für alle! Sind Supermärkte das neue Berghain? Der tip-Battle

Vor den Supermärkten Schlange stehen, das ist eine der vielen Corona-Nebenwirkungen in Berlin. Ruckzuck verbreiten sich auf Instagram und Co. Fotos wartender Menschen vor Lidl, Penny und Mitbewerbern. Mit dem immer gleichen Witz: Der Supermarkt ist das neue Berghain. Ganz so weit ist es dann aber doch noch nicht. Oder? Wir benennen im Battle Supermarkt versus Berghain die wichtigsten Unterschiede zwischen dem legendären Club und dem Discounter an der Ecke.

Du kommst hier nicht rein? Vor manchen Supermärkten müsste auch Berghain-Türsteher Sven Marquardt anstehen. Montage: Seeliger/Contini
Du kommst hier nicht rein? Vor manchen Supermärkten müsste auch Berghain-Türsteher Sven Marquardt anstehen. Montage: Seeliger/Contini

Runde 1: Reinkommen

Klar, wir stehen jetzt vorm Aldi brav an, genau wie vorm Berghain. Und auch hier taucht man am besten maximal in Kleingruppen auf, weil die Türsteher Rudel gar nicht mögen. Trotzdem gibt es einen eklatanten Unterschied. Wenn wir uns nach Stunden des Darbens der Türe nähren, müssen wir beim Supermarkt des Vertrauens dann doch keine Angst haben. „Heute leider nicht“ hat uns der Aldi-Sven noch nie entgegengehauen. Jeder darf rein. Viva Utopia!

Sieger: Supermärkte!

Standard vor Berliner Supermärkten – anstehen wie sonst vorm Berghain. Foto: Gudath
Standard vor Berliner Supermärkten – anstehen wie sonst vorm Berghain. Foto: Gudath

Runde 2: Weißes Pulver

Schocknachricht: In Berlins Techno-Clubs werden mit hoher Wahrscheinlichkeit Drogen konsumiert. Wer keine reinschmuggelt, kauft sie eben irgendwo. Weißes Pulver ist in der Szene leicht zu bekommen. Ganz anders als im Supermarkt. „Pro Kunde nur eine Packung“, steht über den Mehlregalen, die – meistens – gähnend leer sind. Zumindest uns sind bisher keine Dealer bekannt, die ihre Warenausgabe auf „Heute nur ein Gramm“ beschränken. Anders könnten die Leute ja auch keine Koks-Berge für Geheim-Raves bunkern.

Sieger: Berghain!

Runde 3: Musik

Im Berghain spielen die geilsten DJs der Welt auf. Zumindest für jene, die am anderen Ende der elektronischen Geschmacksskala angekommen sind als David Guetta. Penny, Rewe, Lidl vertrauen dann aber doch eher auf Dudelfunk, der so leicht bekömmlich ist wie laktosefreie Milch. Und während im Berghain-Garten auch mal ein smoother Mariah-Carey-Remix läuft, ist es im Umkehrschluss doch recht unwahrscheinlich, dass uns demnächst im Edeka Marcel Dettmann um die Ohren geballert wird.

Sieger: Berghain!

Runde 4: Klos

Rein, raus, fertig. Das Konzept deutscher Supermärkte sieht nicht unbedingt vor, dass die Kundschaft erst einmal in Ruhe pinkeln geht. Anders als das Berghain, wo die Toilettennutzung aus vielerlei Gründen zum Spektakel dazugehört. Wer denkt, er sei viel gewohnt in Berlin, verbringe mal eine Nacht in der Klobar des Clubs, am besten sonntags.

Sieger: Berghain!

Runde 5: Klopapier

An dieser Stelle mal ein ganz großes Lob ans Berghain. Egal, wann man da aufs Klo geht: Toilettenpapier ist in 99,9 Prozent der Fälle vorhanden. Es wird regelmäßig gewischt, und generell sind die Kabinen hier im Schnitt immer noch deutlich gepflegter als bei vielen Mitbewerbern. Damit sammelt das Berghain dann auch einen weiteren Punkt. Denn in Berlins Supermärkten ist Klopapier immer noch seltener zu finden als das Pokémon Mewtu in freier Wildbahn.

Sieger: Berghain!

Der klare Sieger: Das Berghain – oder?

Kurzer Kassensturz: Das Berghain liegt in fast allen Kategorien vorne. Klarer Sieger? Fast! Denn bevor wir die goldene Schallplatte feierlich an den Wriezener Bahnhof schicken, fällt uns doch glatt noch eine Kategorie ein, die leider besonders stark gewichtet werden muss.

Dicht: Das Berghain hat zu. Im Moment kommt leider keiner rein. Foto: Votos-Roland Owsnitzki
Dicht: Das Berghain hat zu. Im Moment kommt leider keiner rein.
Foto: Votos-Roland Owsnitzki

Extra-Runde: Öffnungszeiten

Tja, watt soll man sagen. Während die Supermärkte weiter wacker alles für uns tun, hat das Berghain keine Wahl. Auf unbestimmte Zeit geschlossen. Und auch, wenn der kleine Rave zwischen Tiernahrung und Spülmittel im örtlichen Netto einen anderen (weniger) Reiz hat als die Marathon-Party im Berghain. Im Moment bleibt uns nicht viel anderes übrig. In diesem Sinne: Haltet Abstand.

Sieger: Supermärkte! Vorerst zumindest…

Während wir alle nicht mehr raven gehen können, liegen die Clubs brach – so sieht die leere Nacht in Berlin aus. Gerüchteweise werden ja auch Koks-Berge für Geheim-Raves gehamsters, sagt man. Zumindest manche.

Viele Clubs leiden massiv unter den Corona-Beschlüssen, die auch weiterhin nicht nennenswert gelockert werden. Deshalb haben einige Clubs #UnitedWeStream ins Leben gerufen – die DJ-Sets kommen per Stream ins Wohnzimmer, Spenden erwünscht. Und keine Sorge, liebes Corona: Wir holen das alles nach!

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