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Kommentar

Fahrradparkhäuser in Berlin: Gebt uns lieber genug Fahrradbügel!

Seit Jahren wird darüber geredet, jetzt sollen sie Wirklichkeit werden: Fahrradparkhäuser in Berlin. Ein netter Plan – dabei gibt es aber nicht einmal genug Fahrradbügel in der Innenstadt.

"Kreuzberger Bügel": der Senat will bis zu 13 Fahrradparkhäuser in Berlin bauen lassen. Aber das ist nicht genug.
Der Senat will bis zu 13 Fahrradparkhäuser in Berlin bauen lassen. Aber das ist nicht genug. Besser wären mehr „Kreuzberger Bügel“, für die man ruhig ein paar Parkplätze opfern könnte. Foto: Imago Images/ Sabine Gudath

Andernorts längst Normalität – in Berlin bislang ungefähr so mythenbesetzt wie Flughafenbau: Fahrradparkhäuser. Kurz vor Weihnachten wurde bekannt, dass der Senat eine Machbarkeitsstudie ausschreibt und bis zu 13 Fahrradparkhäuser plant. Künftig sollen insbesondere in der Nähe von S- und U-Bahnhöfen Fahrradparkhäuser Abhilfe schaffen, denn schon jetzt ist die Parksituation für Fahrräder dort oft katastrophal. Alle Bügel sind überfüllt, wenn es überhaupt genug gibt, dazu kommen Fahrradleichen und Leihfahrräder.

Laut „Berliner Morgenpost“ sollen zwei Orte sogar schon feststehen: der S-Bahnhof Mahlsdorf und U-Bahnhof Haselhorst in Spandau. In Steglitz-Zehlendorf gibt es mindestens seit 2017 solche Pläne, und auch am S-Bahnhof Charlottenburg soll ein dreistöckiges Fahrradparkhaus kommen.

Fahrradparkhäuser in Berlin: Die ungerechte Verteilung des Stadtraums

Schön wäre es, wenn sie wirklich entstehen sollten – aber am Grundproblem der ungerechten Verteilung von Stadtraum ändern die Pläne herzlich wenig. An vielen Orten im Innenstadtbereich gibt es viel zu wenig Fahrradbügel – doch an den Parkplätzen für Autos wird nicht gerüttelt. Man denke nur an große Malls, wo eine Handvoll Fahrradbügel, wenn überhaupt, irgendwo versteckt Kund*innen zur Verfügung gestellt werden, während gleichzeitig mit kostenlosem Parkmöglichkeiten für Autobesitzer*innen geworben wird. Kaufen Menschen, die mit dem Fahrrad fahren, etwa nicht ein?

Fahradfahrer*innen können dann froh sein, wenn sie ihr Gefährt an einen Laternenpfahl anschließen (Jackpot), auf einer Baumscheibe abstellen (eigentlich untersagt), vielleicht an einer Regenrinne festmachen (unsicher und an der Grenze zur Sachbeschädigung) oder eben weit entfernt abstellen.

Ganz von der miesen Qualität vieler Fahrradabstellmöglichkeiten abgesehen, die kaum Schutz vor Diebstahl bieten – man denke nur an die klassischen „Felgenknicker“. Viel besser sind da die unscheinbaren Metallrohre zum Anschließen – übrigens eine Berliner Erfindung aus den 1980er-Jahren, daher heißen sie „Kreuzberger Bügel“. Immerhin werden seit einiger Zeit immer mehr davon installiert, Friedrichshain-Kreuzberg hat dazu auch mit der Open-Government-Plattform FixMyCity kooperiert, um die Bügel dorthin zu bauen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Doch in vielen Fällen wurden Fahrradbügel in Berlin nicht in den Boden einbetoniert und machen es damit Dieb*innen immer noch zu leicht.

Stadtraum gerechter aufteilen: Fahrradbügel statt Autoparkplätze

Angesichts der Tatsache, dass schon seit einiger Zeit immer weniger Berliner*innen im Ring mit dem Auto unterwegs sind und immer mehr mit dem Fahrrad , ist es geradezu skandalös, dass immer noch nicht am Primat des Parkplatzes für das Auto gerüttelt wird. Dabei wird es Zeit, Parkplätze, insbesondere kostenfreie, sukzessive abzubauen – und auf dem freigewordenen Raum Fahrradbügel zu installieren. Wo jetzt ein Auto parkt, könnten bald schon mindestens acht Fahrräder angeschlossen werden.

Auch bei Neubauten und sogar Sanierungen müssten stabile und geschützte Fahrradabstellmöglichkeiten verpflichtend installiert werden. Stattdessen sieht man viel zu oft auch bei Neubauprojekten immer noch lächerlich unsichere Vorderradbügel oder Fahrradabstellräume im Keller, am besten ohne irgendwelche Befestigungsmöglichkeiten.

Fahrradparkhäuser sind schön und gut – und gerade für Pendler*innen wichtig. Aber das kann nicht alles sein. Eine Stadt, die es ernst meint mit der Verkehrswende, kann und sollte sich damit nicht begnügen. Und sollte auch langsam mal ein paar (Parkplatz-)Opfer bringen.


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