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Neue Ausgabe

Der aktuelle tip: So planen Berliner ein unplanbares Jahr

Der neue tipBerlin – ab Donnerstag, 7. Januar an den Verkaufsstellen eures Vertrauens. Wie plant man ein unplanbares Jahr? Tja, gute Frage. Die haben wir aber nicht einfach nur uns selbst gestellt, sondern zum Beispiel der Schauspielerin Lilith Stangenberg, dem Sänger Max Raabe und auch dem DJ Alle Farben. Tolle Antworten, die uns Mut machen. Also wir wären dann soweit. Kann losgehen, 2021!

Kann losgehen, 2021! Zum Beispiel mit Schauspielerin Lilith Stangenberg. Titelfoto: Stefan Klüter. Grafik: tipBerlin

Die tipBerlin-Titelstory: Kann losgehen, 2021!

Vor einem Jahr sahen wir noch die neuen Goldenen Zwanziger am Horizont schimmern, da hatten wir aber mit 2020 dann eine ziemliche Blech-Strähne. Jetzt gehen wir ein paar Stimmungsetagen tiefer in den neuen Januar: wieder Lockdown, Kultur und Gastronomie im Zwangs-Winterschlaf, und die Immunisierungskampagne scheint auch in Berlin mit viel zu heißer Nadel gestrickt zu sein. Von hier an kann es ja eigentlich nur besser werden.

Also dann: Trost Neujahr! Good Lock! Impfen statt Schimpfen!

Sänger Max Raabe hofft auf Konzerte. Wir auch. Foto: Gregor Hohenberg/ Universal Music

Was hilft gegen den Lockdown-Blues? Wie plant man ein unplanbares Jahr? Da geht doch noch was! Die Schauspielerin Lilith Stangenberg ist dabei, E-Gitarre zu lernen und Baudelaire zu lesen. Der Sänger Max Raabe hat ab dem Sommer wieder Konzerte im Terminkalender stehen, auch Open-airs. Der Para-Sprinter Ali Lacin trainiert an sechs Tagen in der Woche für die Paralympics in Tokio, die von 2020 ins neue Jahr verschoben wurden. Der Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel verlangt eine stärkere Einbeziehung von Parlamenten in die Corona-Entscheidungen der Exekutive.

Der Berliner-Festspiele-Intendant Thomas Oberender konstatiert intensive Diskussionen über Herausforderungen und Chancen der Kunst in einer spürbar veränderten Gesellschaft, wie er sie seit mehr als 30 Jahren, rund um das Ende der DDR, nicht mehr erlebt hat.

Und der DJ Frans Zimmer alias Alle Farben freut sich auf die beste Party seines Lebens – die erste nach Corona. Und bis es so weit ist, hat er ja noch ein neues Wirkungsfeld: seinen eigenen Koch-Channel.

Yesss! Irgendwann werden wir wieder feiern können, alle zusammen. Bis dahin aber kochen wir lecker, jeder für sich. Und auch ein bisschen für alle anderen. Ist doch eigentlich ein ganz guter Plan für 2021, oder?


2021 ist uns Stulle – denn Sauerteig macht lustig

Im Handumdrehen: nordisches Kastenbrot. Foto: Clemens Niedenthal

Apropos essen. Natürlich kann man auch selbst daheim Brot backen, macht ja auch gefühlt unser halber Insta-Freundeskreis gerade, die hausgemachte Kruste ist quasi der neue backhofenheiße Scheiß. Aber eigentlich überlassen wir diese Kunst dann doch lieber Leuten, die das auch richtig können.

Und richtig gut kann das Frederik Bille Brahe. Der ist in Kopenhagen längst ein kulinarischer Popstar. Seine neue SOFI Bäckerei in Cynthia Barcomis früheren Räumen in den Sophie-Gips-Höfen in Mitte (sie musste das Deli im ersten Lockdown schließen) ist eine Handwerksbäckerei mit dänischen Wurzeln: ein gleichsam cooler wie alltäglicher Ort. Ja, Sauerteig macht lustig.

Und für Brahe ist das SOFI erst die Overtüre in Berlin. Noch einer, der in diesem Jahr keineswegs vorhat, kleinere Brötchen zu backen.


Ein Satz zur zweigeteilten Berlinale, der uns für 2021 Mut macht:

„Wir arbeiten intensiv daran, dass die Retrospektive beim Berlinale-Publikums-Event im Juni, wie bisher geplant, präsentiert wird.“

Rainer Rother, Leiter der Retrospektive-Sektion der Berlinale, im neuen tipBerlin über die Internationalen Filmfestspiele Berlin, die in diesem Jahr Corona-bedingt erstmals zweigeteilt stattfinden sollen: als digitale Fachbesucher-Version im März – und als Publikumsfestival unter Hygienebedingungen im Juni.

Sehen wir das Ganze doch einfach von der sonnigen Seite: Endlich ist der rote Berlinale-Teppich mal kein akutes Erkältungsrisiko für die Stars. Denn wer braucht in der Pandemie auch noch Grippesymptome?

Genau: die tip-Filmredaktion auch nicht.


Was wir dieses Jahr hören werden. Zum Beispiel: Magic Islands

Wir haben in unsere funkelnagelneue Glaskugel geschaut (die Kugel vom letzten Jahr haben wir weggeworfen, wie ihr euch sicher denken könnt). Und das tip-Pop-Orakel der Musikredaktion kam mit einer ultimitiven Liste mit zehn Berliner Musik-Newcomer*innen des Jahres 2021 um die Ecke.

Eine Künstlerin, von der wir uns 2021 zum Beispiel viel erhoffen, ist Magic Islands. Der Dark-Dream-Pop von Emma Czerny liegt uns schon seit ihrer 2019er EP „Warm Heaven“ im Ohr. Wie Julia Lorenz im neuen tipBerlin schreibt: „unkonventionell sinnliche Hohelieder auf Sex und Körperlichkeit, Songs für Möglichkeitsräume zwischen Schlafzimmer, Darkroom und Kopfkino“.

Und so klingt Magic Islands:


Der tipBerlin-Tipp: Kunst gucken am BER

Ja, am BER. Zwar ist Deutschlands berühmtester Flughafen under Construction mittlerweile tatsächlich fertiggebaut und sogar schon eröffnet. Und unsere Enkel werden uns in 30 Jahren ratlos anschauen, wenn wir einen dieser BER-Witze erzählen, die damals, in den Zehnerjahren, so derb trendeten.

Aber in der Pandemie ist der BER weniger zum Abfliegen gut als vielmehr zum Kunst gucken. Da kann man sich zum Beispiel endlich mal in aller Ruhe die „The Magic Carpet“ zu Gemüte führen, das Riesengewölf aus filigranem Metallgewebe in der Abflughalle. Und noch viel mehr. Kunst, auf die wir fliegen, ohne abzuheben.

Kunst im BER: The Magic Carpet von der Künstlerin Pae White. Foto: Imago Images/Future Image

Auch sonst lässt sich bei Spaziergängen durch die Stadt der Stubenkoller künstlerisch wertvoll eindämmen. Wir empfehlen im neuen Heft fünf Kunst-Ausflüge in die Stadt.

Schließlich zeigen Galerien und Ausstellungshäuser in ihren Fenstern Kunst zum Vorbeigehen. Sehr passend fanden wir zum Beispiel den lakonischen Neonkommentar von Tracey Snelling beim Künstlerhaus Bethanien am Kottbusser Damm.

Aber schaut doch selbst:

Tja. Isso. Foto: Courtesy Künstlerhaus Bethanien Archiv. Foto: Peter Rosemann

TV & Streams: Ich glaub‘ ich steh‘ im Schwarzwald

Ist Pauline Frey (Jeanette Hain) etwa eine Hexe? Nach „Waldgericht“ wissen wir mehr. Foto: ZDF und Holger Hill

Was in den 70er Jahren der Soziokrimi war, das ist inzwischen der Regiokrimi: eine Geißel der Programmchefs. Da sieht man den Wald voller Mörder nicht. Aber es gibt auch einige charmante Ausnahmen. Und die Schwarzwaldkrimis des ZDFs konnten bisher überzeugen. Bleibt auch so.

Mit Waldgericht (in der ZDF-Mediathek) legt das Duo Marcus O. Rosemüller und Anne Tebbe nun den zweiten Fall für Kommissarin Bächle (Jessica Schwarz) und ihren Assi Diener (Max von Thun). Es geht um einen toten Obstbauer und einen nicht minder leblosen Gerber, bei denen für die Einheimischen klar ist, dass die Erdgeister die Mörder sind.


Weitere Tipps in unserem gewohnt umfangreichen TV-& Streams-Ressort:

Soul ist der bislang erwachsenste aller Pixar-Filme (Disney +). American Gods G3 ist eine Serie auf der Höhe der Zeit, die so richtig zu Trumps Mediengestalt passt (Prime ab 11.1.). Pieces of a Woman erzählt von einer geplanten Hausgeburt, die für ein Paar zur Katastrophe wird (Netflix ab 7.1.). Und die dritte Staffel von Charité ist mittlerweile in der DDR-Zeit des Krankenhauses angekommen (ARD Mediathek ab 5.1.).


Zum Schluss: Thurdays for Future

tipBerlin-Filmredakteur Bert Rebhandl hat einen sehr eigenen Wunsch ans neue Jahr. In seinem Film-Kommentar im neuen tipBerlin schreibt er: „Ich hätte gern den Donnerstag zurück. Am Donnerstag erscheint der tip, am Donnerstag starten die neuen Filme“. Eigentlich. In der Pandemie ist der einst tolle Donnerstag aber eher so ein trüber Montag, und schon die Boomtown Rats sangen „I don’t like Mondays“ (jaja, der Grund war noch ein anderer, wissen wir). Der Film geht am Donnerstag jedenfalls nicht ab.

Daher möchte Kollege Rebhandl nun eine neue Gruppe gründen, „Thursdays for Future“. Eine gute Idee! Fangen wir doch gleich damit an. Wir sehen uns also zum „Thursday for Future“ am Zeitungskiosk, in den Zeitschriftenregalen der Supermärkte, oder in unserem Webshop, liebe Leser*innen. Danke, dass ihr uns unterstützt. Der arme Donnerstag kann ja auch nun wirklich nichts für die Corona-Krise.

In diesem Sinne: Bleibt gesund, bleibt stark, achtet auf euch und all die anderen.

Eure tipBerlin-Redaktion