So war es bei Berlin mit Berlinern präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Himmelbeet im Wedding mit Dr. Motte

Dr. Motte, der Vater der Loveparade, führte uns durch den Wedding

Der Doktor ist ein zuverlässiger Mensch. Pünktlich um 15.45 erwartet er uns bereits in der DruckbarWedding, unserem Treffpunkt. Stets an seiner Seite: Ellen, seine Managerin und seit letztem Jahr auch Ehefrau. Unsere Tour durch den Wedding mit dem Vater der Loveparade ist natürlich ausgebucht. 20 Teilnehmer scharren bereits vorfreudig mit den Hufen. So nah kommt man dieser Ikone ja selten; viele haben Dr. Motte nur von weitem auf der Loveparade gesehen, gehört oder bewundernd zugeravet. Und jetzt steht er da, ganz locker und offen, im karierten Zweiteiler und einem knallgelben T-Shirt mit der Aufschrift: Techno. Punkt. Klare Ansage. Der Doktor spricht das Wort Techno übrigens deutsch aus und nicht englisch – sympathisch, bodenständig. Er begrüßt alle Teilnehmer sehr nahbar und mit Berliner Schnauze, gibt sich als herzlicher Gastgeber, Fürsprecher für den Wedding und weist schon einmal auf ein großes Jubiläum in diesem Jahr hin: 30 Jahre Loveparade. Anlass für eine passende Ausstellung in der Alte Münze, die im Juli eröffnet wird. Jede und jeder ist aktuell eingeladen, persönliche Fotos von der Loveparade einzureichen und ein Teil der Ausstellung zu werden. Wenn man dem Doktor so zuhört, wird einem schnell klar: Das ist nicht nur ein Plattenaufleger. Dieser Mann hat eine Mission, eine Message und Meinung, die ab und zu auch ziemlich politisch ausfällt. Zum Beispiel gegen das Sterben der Berliner Clubkultur, deren Umsätze der Stadt jedes Jahr rund 1,5 Milliarden Euro bescheren, da hat er ein Rezept. Die Berliner Clubszene muss zum Weltkulturerbe erklärt werden und somit unter „Denkmalschutz“ gestellt werden. Gute Idee – vielleicht macht der Doktor ja bald auch in Politik. 

Jetzt aber zurück zu unserer Tour im Rahmen der Eventreihe „Berlin mit Berlinern“ präsentiert von Mastercard Priceless Berlin. Nach einer kleinen Erfrischung und einer offiziellen Begrüßung geht’s dann auch schon los in der ersten Station, die Dr. Motte zu seinen Lieblingsorten im Wedding zählt. Die DruckbarWedding – Siebdruckwerkstatt, Tanzschule, Bar und jeden Donnerstag auch Pizzabäckerei in einem. Das gibt es selten. Die beiden Köpfe dieser einzigartigen Institution sind Leo Kloster, der für die Siebdruckwerkstatt verantwortlich ist und jeden Donnerstag zu Art & Pizza lädt, und seine Frau Lotta Weigel, die in den gleichen Räumlichkeiten unter dem Titel „Lottas Jitterbugs“ eine Swingtanz-Schule betreibt. Wir starten in der Siebdruckwerkstatt, die von vielen farbenfrohen und ansehnlichen Kunstwerken an den Wänden geschmückt ist. Leo erklärt, dass es sich um eine reine Handdruck-Werkstatt handelt. Außer dem Belichter und dem Brenner sind hier keine Maschinen im Einsatz. Auch auf Chemie in der Farbe wird verzichtet. Für den heutigen Donnerstag hat Leo folgendes Motiv per Siebdruck vorbereitet: eine Frau im Badeanzug beim Sprung ins kühle Nass – passend zum heißen Wetter. Jeder erhält für 9 Euro das ästhetische Kunstwerk und dazu eine Pizza mit Belag nach Wahl. Das Konzept geht auf. Die DruckbarWedding hat sich zum Kiezliebling entwickelt und auch Dr. Motte und Ellen kommen regelmäßig vorbei. Danach geht’s weiter im größten Raum in der DruckbarWedding. Hier ist genügend Platz für die Swingtanz-Schule. Hier hat Lotta den Hut auf. Die gebürtige Hamburgerin und Künstlerin liebt den Swingtanz. Folgendes Zitat von Coco Schumann hat sie sich auf die Fahne geschrieben: “Wer Swing tanzt, kann nicht im Gleichschritt marschieren.” Da fühlen sich unsere Teilnehmer gleich angesprochen und nicken zustimmend. Lotta erklärt uns die verschiedenen Swingtanz-Stile wie zum Beispiel den Jitterbug, der in den 1930ern in New York von den Afroamerikanern erfunden wurde. Eine etwas entschärfte Variante des Jitterbugs ist der Jive. Kein Wunder, dass Swing in Nazi-Deutschland verboten war. Und als zum Abschluss noch ein Swing-Klassiker „als freundlicher Rausschmeißer“ ertönt, haben unsere Teilnehmer schon richtig Lust aufs Tanzen bekommen und verlassen halb swingend und leicht tänzelnd den Raum.

Von der Gerichtstraße geht es zu Fuß weiter zur nächsten Station, dem Gemeinschaftsgarten Himmelbeet. Wir laufen am Nettelbeckplatz vorbei, dessen Mittelpunkt ein Brunnen mit der Figurengruppe „Tanz auf dem Vulkan“ bildet. Am Piano sitzt – am Huf erkennbar – ein Teufel. Wenn das kein gutes Motiv für ein Selfie mit dem Doktor ist … Weiter geht es vorbei an den ersten Luxus-Immobilien im Wedding, die Dr. Motte kritisch kommentiert. Nein, auch der Wedding ist nicht vor der Gentrifizierung gefeit. Was dem Vater der Loveparade übrigens auch gar nicht in seinem Kiez gefällt, ist der Müll, der achtlos überall hingeschmissen wird. Da wird er dann auch schon mal selbst aktiv und sammelt den Müll eigenhändig ein.

Und schon sind wir im Gemeinschaftsgarten Himmelbeet angekommen. Eine grüne Oase mitten im Kiez mit einer beachtlichen Größe von 1.700 Quadratmetern. Hier wächst und gedeiht so einiges: Kräuter, Gemüse und Obst – soweit das Auge reicht und größtenteils in Hochbeeten angelegt, Urban Gardening eben. „Berlin kann mehr als Tiergarten“, lautet ein Slogan in großen Lettern an der hölzernen Empfangshütte. Auch ein Lieblingsort von Dr. Motte, der, wie wir im Anschluss von Meryem Korun erfahren – ums Überleben kämpft beziehungsweise nach einem neuen Standort sucht. „Das Himmelbeet soll bleiben!“, skandiert Dr. Motte, die geballte Faust in die Luft gestreckt. Der Garten dient als Nachbarschafts-Treffpunkt und bringt Menschen in dem sozialen Brennpunkt zusammen. Jeder darf kommen, jeder ist willkommen. Auch wir. Wir suchen uns ein Plätzchen in der Nähe des Garten-Cafés, wo wir es uns bei Kaffee und frischem Minztee gemütlich machen. Als Überraschungsgast ist Dilek von der Patisserie Dilekerei eingetroffen. Auch eine Weddinger Lieblingsadresse von Dr. Motte, auf die er in einem Radio-Beitrag aufmerksam wurde. Dilek hat passend zur Kaffeepause süße Cupcakes mitgebracht. Es gibt Zitrone, Himbeer, Vanille und vieles mehr, hübsch fürs Auge und sehr lecker. Dilekerei – der Name ist Programm. Und nun ist der Zeitpunkt gekommen, dass Dr. Motte uns etwas vorliest und zwar aus dem Buch „Der Bio Garten“ von Marie-Luise Kreuter. Kein Märchenbuch, sondern ein philosophischer Ratgeber für den nachhaltigen Umgang mit Tier und Pflanze. „Meine neue Bibel“, verrät Dr. Motte. „Das Buch habe ich schon ganz vielen Freunden geschenkt.“

Und da sind wir auch schon beim Verlassen des idyllischen Gartens und auf dem Weg zu unserer dritten Station: der Brauerei Eschenbräu, die Dr. Motte und Ellen bei einem ihrer Streifzüge durch den Kiez entdeckt haben. Diese befindet sich im Hinterhof der Triftstraße 67 in direkter Nachbarschaft eines Studentenwohnheims. Wie praktisch: Die trinklustige Kundschaft wohnt gleich vor der Tür. Über die jungen Stammgäste freut sich auch Martin Eschenbrenner, der Betreiber der privaten Brauerei, der einst selbst in dem Studentenwohnheim lebte und schon während seines Studiums des Diplom-Braumeisters an der TU von einer eigenen Brauerei träumte. Wir folgen ihm in die Brauerei, in der ein hochglanzpolierter Braukessel ordentlich Eindruck macht. Hier erzählt er uns auch von seinen verschiedenen Biersorten, die so blumige Namen wie „Der rote Wedding“, „Panke Gold“ und „Wedding Crossover“ tragen. Jetzt haben wir aber richtig Durst bekommen und führen unsere Tour weiter in der gemütlichen Gaststätte im Keller unter der Brauerei. Hier darf sich jeder ein Bier aussuchen. Das Hefeweizen schmeckt wie versprochen nach Banane und hat eine hohe „Drinkability“, was Dr. Motte übersetzt in „Läuft gut rein.“ Wo er recht hat, hat er recht. Eine zweite Runde wäre sicher auch noch ganz perfekt reingelaufen, aber da müssen wir auch schon weiter.

Denn die Pizza in der DruckbarWedding ruft bereits. Über den grünen Sparrplatz geht es zurück zur Gerichtstraße, wo es bereits nach frisch gebackener Pizza duftet. Dazu wird unseren Teilnehmern zum Abschluss noch ein Glas Sekt gereicht. Der Wedding hat neue Fans gewonnen – Dr. Motte sei Dank! Und wer das 30-jährige Jubiläum der Loveparade so richtig feiern möchte, merkt sich schon mal diesen Termin vor: „Dr. Motte’s Birthday Celebration“ am 13. Juli 2019 im Club Suicide Circus Berlin.

#DMBC2019 Hashtag „Dr. Motte’s Birthday Celebration“
www.drmotte.de
www.pearls-booking.com
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www.soundcloud.com/dr-motte

Text: Christine A. Lebert
Fotos: Ticha Matting


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