Single Party

25 Jahre Fisch sucht Fahrrad

Vor 25 Jahren erfand der tip die Single-Party Fisch sucht Fahrrad (FsF). Trotz Online-Partnerbörsen und Dating-Apps wie Tinder ist die Reihe ein Klassiker im Berliner Nachtleben. Unsere junge Autorin – sie wurde Jahre nach der FsF-Gründung geboren – hat den Selbsttest gemacht

Foto: Pablo F. Gigena

Allein sein will keiner. Geht man nach Dating-Portalen, die versprechen, nur einen Wisch oder Mausklick von seinem Partner entfernt zu sein, muss das auch niemand. Doch 1994, als erstmals die Single-Party „Fisch sucht Fahrrad“ stattfand, gab es Online-Dating noch gar nicht. Entweder man sprach Partnerinnen in spe im Hier und Jetzt an. Oder investierte in eine Kleinanzeige. Bis eben die „Fisch sucht Fahrrad“-Partys aus der Taufe gehoben wurden. Bis heute treffen sich hier Leute, die auf Partnersuche sind. Meine Freundin und ich haben dem Ganzen jetzt eine Chance gegeben.

Zu Beginn des Abends im Frannz Club in Prenzlauer Berg erhalten wir in Amors Office eine Aufklebe-Nummer. Findet man jemanden gut und sichtet seine/ ihre Nummer, schreibt man diese auf ein Zettelchen zusammen mit einer Botschaft oder Frage und gibt diese in Amors Office ab. Nach etwa 15 Minuten sehen wir unsere Nummern auf einem der im Club verteilten Bildschirme aufblinken: Die 544 und die 548 möchten sich bitte in Amors Office melden.

„Willst du was trinken?“, steht auf dem gelben Zettel, den ich erhalte. Und „Lust, dich zu treffen“ auf dem meiner Freundin. „Klar!“, entscheiden wir und schreiben auf die Zettel einen Treffpunkt und eine Zeit. Zehn Minuten später stehen wir Alex und Bastian, zwei Geschäftsmännern in blauen Hemden und gebügelten Anzughosen in der Raucherlounge gegenüber. Sie kommen aus der Schweiz und sind nur zwei Tage zu Besuch. Das letzte Mal war mein Blinddate, Alex, 1998 in Berlin. Die Feststellung, dass ich da gerade geboren wurde, irritiert ihn etwas.

Unser erstes und für den Abend auch letztes Blind-Doppeldate ist ganz angenehm. Allein für den spielerischen Briefaustausch hat es sich gelohnt. Wann kriegt man schon Briefe, außer vom Strom- oder Internetanbieter? Auch wenn die Situation, dass sich zwei Geschäftsmänner zwei jüngere, miteinander befreundete Frauen ausgucken und ihnen einen Drink spendieren, etwas klischeehaft ist. Doch die beiden sind freundlich und interessiert, nehmen es auch nicht übel, dass wir uns zehn Minuten später zum Speed-Dating verabschieden.

In einem Raum neben der Raucherlounge stehen zehn runde Stehtische, mit jeweils zwei Barhockern. Unterteilt in die Altersgruppen Ü- und U-30. Während die Frauen durchgehend sitzen, wechseln die Männer alle drei Minuten die Plätze. „Wenn du eine Superkraft haben könntest, welche wäre es?“, fragt mich Speeddate Nummer 4 konzentriert. Ein bisschen leid tut es mir, als er erzählt, dass er bei solchen Partys zwar manchmal Telefonnummern mit Frauen austausche, sie sich aber später nie wieder melden würden. Ganz so leicht ist es auf einer Single-Party scheinbar doch nicht. Zumindest als Mann.

20 Minuten ununterbrochen neue Leute kennenzulernen, ist mir persönlich etwas zu anstrengend. Ich bevorzuge weiterhin das ungezwungen zufällig entstehende Gespräch. Die Veranstaltungsreihe „Fisch sucht Fahrrad“ hat gute Chancen, trotz des digitalen Zeitalters auch noch goldene Hochzeit zu feiern. Online-Dating ist zwar effizienter, da man es überall und zu jeder Uhrzeit betreiben kann. Aber durch die schematisierte Darstellung der Einzelnen geht vieles verloren. Nicht jeder mag – oder schafft es –, sich mittels Fotos so zu inszenieren, wie er von anderen gesehen werden möchte. Der Betrachter erhält am Ende ein stark verzerrtes Bild.

Die FsF-Party im Frannz Club bietet außerdem den Vorteil der Öffentlichkeit. Denn es gibt zahlreiche Geschichten von Verabredungen übers Internet, die gar nichts mit Romantik oder einem schönen Treffen zu tun hatten. „Wie vieles im Internet ist auch das Online-Dating mit Risiken verbunden“, warnt etwakontaktboersen.de, eine Plattform, die über verschiedene digitale Partnerbörsen informiert. Von Cyberkriminalität über Love Scammer – also vermeintliche Partnerinnen in spe, die Liebe vorgaukeln, aber Geld suchen – bis hin zu Treffen mit Menschen, die sich vor Ort als mitunter gefährliche Psychopathen entpuppen, gibt es Risiken, die bedacht werden sollten.

Die Risiken bei einer analogen Single-Party sind dagegen überschaubar. Durch das nahe Beisammensein mit anderen Menschen sowie durch die Präsenz von Veranstalter*innen, die für das Gelingen der Party verantwortlich sind, läuft der Kontakt zu einer neuen Bekanntschaft eher nicht aus dem Ruder. Ob man einer Person vertraut oder nicht, entscheidet meist das Bauchgefühl. Das analoge Bauchgefühl ist dabei zuverlässiger.
Und selbst wenn ein „Fisch sucht Fahrrad“-Abend vielleicht nicht mit neu gefundenen Flammen endet, so kann man hier immer noch eine Nacht lang tanzen und feiern.

Fisch sucht Fahrrad Frannz Club, Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, jeden 2. Fr im Monat, nächster Termin: 14.Juni, Einlass ab 21 Uhr, Eintritt: 12 €