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Ohrwurm

Fundstück oder Fake? Egal! Charlie Kellers Song „Ich, Sigmund Jähn“ ist super

Die Geschichte klingt zu schön, zu (n)ostalgisch-verspielt, um wahr zu sein. Und viele vermuteten bereits beim Aufruf, den „Tapete Records“ vor wenigen Wochen startete, dass es sich um einen Hoax handelt. Angeblich ist im Lager des Hamburger Labels ein Song der völlig unbekannten DDR-Künstlerin Charlie Keller aufgetaucht, eine Hymne auf den ersten Deutschen im All, den DDR-Raumfahrtpionier Sigmund Jähn. Wie kam es dazu?

Sigmund Jähn flog 1978 als erster Charlie Keller ihr mit ihrem Song "Ich, Sigmund Jähn" den DDR-Raumfahrtpionier. Foto: Imago/ITAR-TASS
Sigmund Jähn flog 1978 als erster Deutscher in den Weltraum, Charlie Kellers Song „Ich, Sigmund Jähn“ ehrt den DDR-Raumfahrtpionier. Foto: Imago/ITAR-TASS

Die Labelredaktion hatte während des Corona-Lockdowns endlich Zeit, das hauseigene Lager aufzuräumen. Dabei fand man einen einst getätigten Flohmarktkauf wieder. Handbeschriftete Kassetten aus DDR-Zeiten, vermutlich aus den 70er-Jahren. Darauf unter anderem ein AgitProp-Song mit Ohrwurmcharakter. „Ich, Sigmund Jähn“, gesungen von einer ansonsten gänzlich unbekannten DDR-Künstlerin namens Charlie Keller.

Auf Facebook fragte „Tapete Records“ die Community, ob irgendjemand die Sängerin kennt. Das Interesse war riesig. Allein, Keller blieb sämtlichen Kommentatoren ein Rätsel. Einige versprachen, Nachforschungen anzustellen. Andere User witterten einen (wenngleich gut gemachten) Fake.

Nun legte „Tapete Records“ nach und veröffentlichte die über den Aufruf gesammelten Daten zur Biografie. Charlie Keller sei wohl das Pseudonym einer aus dem Westen stammenden Kommunistin, die in die DDR übersiedelte, in Berlin zeitweise an der „Hanns Eisler“ studierte, aber immer wieder aneckte. Wegen anhaltender Disziplinarverstöße flog sie erst von der Hochschule, später aus der DDR. Auftritte und Veröffentlichungen blieben ihr verwehrt. Über ihren Verbleib ist angeblich nichts bekannt.

Am Ende ist es egal, ob der Song aus den 70ern stammt oder nicht, ob es eine Musikerin namens Charlie Keller wirklich gab oder nicht. Was definitiv stimmt: Der Song versprüht den angestaubten Charme des DDR-Schlagers der 70er-Jahre. Nun wird dieser anlässlich von Jähns erstem Todestag in „restaurierter“ Fassung von „Tapete Records“ veröffentlicht wurde. Hier könnt ihr in anhören!


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