Post-Punk

Die Nerven spielen im Lido

Mit ihrem vertonten Unbehagen treffen Die Nerven bei vielen einen Nerv

Foto: Ralv Milberg

Es gibt viele Menschen, die Die Nerven derzeit für eine der wichtigsten, wenn nicht gar für die wichtigste junge Band in der heimischen Rock- und Punk-Landschaft halten. Viel Lob und einen Ritterschlag gab es für das aus dem Stuttgarter Raum stammende Trio bereits anlässlich des zweiten Albums „Fun“, das 2014 erschienen ist: Da wurden die Anfangzwanzig-Jährigen beim Jugendzentrums-Auftritt im Video zur Single „Angst“ von Tocotronic gedoubelt. Lässiger Move.

Spätestens mit dem 2018 erschienenen „Fake“ waren die Kritiker dann gänzlich aus dem Häuschen. Es hagelte „Album des Jahres“-Ehren. Und dann schaffte es die Platte sogar fast in die Top Ten. Dass Gitarrist Max Rieger, Bassist Julian Knoth und Schlagzeuger Kevin Kuhn die nächsten, sagen wir mal, Beatsteaks oder auch Tocotronic werden, bleibt bei allem Hurra trotzdem abwegig.

Zwar hat die Kontemplation auf „Fake“ gegenüber der Konfrontation zugelegt. Und ein Stück wie der Selbstverwirklichungs-Abgesang „Niemals“ ist überraschend eingängiger Wave-Punk. Trotzdem steckt immer noch jede Menge Schroffheit und Explosivität in den Songs, die sowohl an den Noise-Rock von Sonic Youth als auch an den Depri-Punk von EA80 oder Joy Division erinnern. Und die fragmenthaften Texte sind weiterhin Ausdrucksmittel des Unbehagens und der Verweigerung in einer Welt aus Algorithmen, Fake-News und skandinavischem Design. Bequem klingt anders. Aber dies sind ja auch keine bequemen Zeiten.

Lido Cuvrystr. 7, Kreuzberg, Mi 11.12., 20 Uhr, VKK 22 € zzgl. Gebühren

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