Gangster-Pop

Glamour und Gangstergehabe: Haiyti spielt im Burg Schnabel

Irgendwas stört immer bei Haiyti. Diese unmögliche Krähstimme, ihr Pokerface, das auch dann indifferent bleibt, wenn sie dringlichst über Cash, Crime oder große Gefühle rappt. Sogar das verdammte „y“ im Künstlernamen sieht falsch aus.

Ronja Zschoche, wie Haiyti wirklich heißt, ist die derzeit spannendste Rapperin Deutschlands: Von den einen für genial, von anderen für unhörbar befunden, trotzdem so erfolgreich, dass sie in Berlin gleich drei Clubshows am Stück spielt – zwei sind längst ausverkauft. Vor Kurzem veröffentlichte sie handstreichartig ihre neue Platte „Perroquet“. Bedenkt man, wie riesig der Hype um Haiytis Major-Debüt „Montenegro Zero“ von 2018 war, hätte man rund anderthalb Jahre später durchaus vom „schwierigen zweiten Album“ sprechen können – würde sich Haiyti um solche Formalitäten überhaupt scheren. Lieber aber veröffentlicht sie Mixtapes, Singles und LPs in schwindelerregendem Tempo. Intuition geht vor Perfektion bei Haiyti. „Perroquet“ ist nun näher an Haiytis favorisierter Arbeitsweise als das (für ihre Verhältnisse) sorgsam produzierte „Montenegro Zero“: quick, dirty und (nach-)lässig. Auf dem Cover treibt ein Pappaufsteller von Haiyti in lasziver Pose in einem Schwimmbecken: Ist’s am Ende der Pool der „Strache-Villa“ auf Ibiza, in der sie kürzlich das Video zu ihrem Song „Coco Chanel“ drehte?

Haiyti ist Meisterin im eigenwilligen Umgang mit Referenzen. In ihren Tracks trifft die sedierte Coolness des Atlanta-Trap auf Falco’sche Verschwendungssucht, polyglotten Glamour, Gangstergehabe, (NDW-)Pop und Kitsch, alles klingt tight, zwingend und unverwechselbar. Aber irgendwas stört immer. Zum Glück.

Burg Schnabel Schleusenufer 3, Kreuzberg, So 15.9., 20 Uhr, VVK 21 €

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