Kolumne

Jackie A. entdeckt … Gloria und Griessmuehle

Ein Club namens „Gloria“ hat eröffnet. Gleich nächste Woche wird er wieder schließen, weil er zur Griessmuehle gehört, die wegen der fast schon gewohnten Berliner Club-Situation – Mietvertrag läuft aus, Investor blockiert – vor dem Aus steht

Jackie A. in der Grießmühle

Wenn Politiker von Clubs sprechen, beschreiben sie sie häufig als Wirtschaftsfaktor. Für mich ist so ein Club wie die Griessmuehle mehr. Und damit meine ich nicht mal die Festivals, die hier stattfinden, Workshops, Flohmärkte oder Outdoor-Lesungen (eine meiner schönsten erlebte ich hier im Garten während eines Sommergewitters). In einem ganz ähnlichen Gefüge hab ich vor Jahren, ohne Plan oder abgeschlossene Ausbildung, einen Ort gefunden, an dem ich mich ausprobieren konnte und Anerkennung erhielt.

Wir Clubkinder vom „Bunker“ jobbten an der Tür oder der Bar, waren DJs, Garderobenbeauftragte, Elektrikerinnen, drehten Videoclips für die eigene Band oder führten Comedy-Performances auf. Wir hatten diese T- Shirts, auf denen „Happy Bunker Family“ stand, und unter unserem Dach fanden unterschiedlichste Lebensmodelle zusammen. Gesellschaftsübliche Wertemuster wie das des  „finanzschwachen Loosers“ oder des „top verdienenden Gewinnertyps“ brauchten wir nicht. In solchen Freiräumen haben Berliner*innen lange vor dem ersten Easyjet-Touristen kleine und größere Fußnoten in ihren Biografien hinterlassen, als Stammgast oder Mitarbeiter wiederum die Clubs geprägt. 

Berliner und ihre Clubs: Das ist eine leidenschaftliche Angelegenheit.

Später, unterwegs für meine Kolumnen auf Partys im „ZMF“ und dem Folgeprojekt „Brunnen 70“, traf ich auf den jüngeren David. Ebenfalls einer, dem „sein Club“ eine Familie war. Er betreute die Abende, gehörte fast zum Inventar. „Wenn du was brauchst, bei uns steht immer ein Bett für dich frei“, hatten Freunde ihm angeboten, jeder schien ihn gern zu haben. Heute ist er Betreiber der Griessmuehle, wo das Team seit acht Jahren den Spagat schafft zwischen Tourismus, den es braucht, um zu wirtschaften, und einem Stammpublikum, das mitwächst auf Basis der gemeinsamen Vorliebe „gute Musik“. Dabei ist die Griessmuehle keine vom Kiez losgelöste Clubfestung, sondern ein in ungezählten Überstünden zurechtgezimmertes In- und Outdoor-Universum, in dem immer auch das  quirlige und generationsübergreifende Neukölln mitschwingt.

Dass Orte wie die Griessmuehle auch außerhalb des Club-Kontextes wertvoll sind, haben die Bezirks-Politiker verstanden, doch deren Versuche, mit dem Investor an einen Tisch zu kommen, scheiterten bisher alle. Am 31. Januar läuft der Mietvertrag aus. Zur Petition geht es hier:
www.change.org/p/savegriessmuehle.

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