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Diskurs-Rock

Mutter spielen ihr 30 Jahres altes, heute noch genauso provokatives Wende-Album „Du bist nicht mein Bruder“

Es ist immer noch ein fieses, ein sperriges Album, das die Band Mutter da 1992 veröffentlicht hat, eine Zumutung. Wohl bis heute hat man „Du bist nicht mein Bruder“, so der Titel des Werks, in Deutschland nicht ganz kapiert

Wussten gestern schon, was heute ist: Mutter, Foto: Jens Sage

Das liegt zum einen an der Musik: Mutter waren die Ersten, die den tieftönenden, dronig-dräuenden Sound von US-Bands wie den Swans, den Melvins oder The Jesus Lizard hierzulande adaptierten – geschätzt wurden solche Klänge in Deutschland nie sonderlich. Mehr noch irritierten Mutter mit den wenig brüderlichen Texten auf dem Album. Sänger Max Müller ätzt gegen das frisch wiedervereinigte Deutschland, lässt das Schlimmste aus beiden Welten aufeinanderprallen: „Ekelhafte West[-Piep] trifft widerliches Ost-Schwein (…)/ Und ihr Speichel tropft auf seinen ekelerregenden Ost-Jeansanzug, und ihre unmöglichen West-Ohrringe baumeln“, singt Müller in „Wie füreinander gemacht“. Im Titeltrack dann bricht er das Ost-West-Verhältnis auf zwei Zeilen herunter: „Du bist nicht mein Bruder/ Du bist nicht meine Schwester“.

Nun erscheint das Album in einer Neuauflage, und Mutter spielen es live im Roten Salon. Dreißig Jahre nach der Wende ist „Du bist nicht mein Bruder“ fast prophetisch zu lesen, erzählt es doch vor allem von politischen Zweifeln, von Widersprüchen, Konflikten und Problemen, die bis heute bestehen. Und davon, dass mitnichten mal eben zusammenwächst, was zusammengehört, wie Willy Brandt sich das erhoffte.

Roter Salon der Volksbühne Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte, Di 3.3., 21 Uhr, VVK 15 €

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