Retro-Pop 

Nick Waterhouse spielt im Columbiatheater

Analoge Werte: Der akribische Purist Nick Waterhouse sucht die glorreichsten Zeiten des Pop auf

Ein Retro-Purist wie Nick Waterhouse hätte es in den vergangenen Jahrzehnten schwer gehabt, das zum Überleben im Musikgeschäft notwendige Mindestmaß an Aufmerksamkeit zu erzielen. Da aber seit einiger Zeit eine zwar randständige, aber hartnäckige Gegenbewegung zur Beliebigkeit des Streaming-Zeitalters wieder auf analoge Werte setzt, fühlt sich der radikal rückwärtsgewandte Sound des 33-jährigen Kaliforniers plötzlich sehr gegenwärtig an.

Ohnehin ist Waterhouse ja kein hipper Nostalgiker mit Vinylfetisch, sondern einfach der gar nicht so abwegigen Überzeugung, dass Pop nie wieder so unwiderstehlich geklungen habe wie in dem knappen Jahrzehnt zwischen der Rhythm-and-Blues-Herrlichkeit von 1956 und den ersten psychedelischen Westcoast-Höhenflügen 1965. Auf seinem vierten, so schlicht wie selbstbewusst „Nick Waterhouse“ betitelten Album findet der Nerd mit dem Buddy-Holly-Outfit auch endlich die perfekte Balance zwischen Aufwand und Ertrag: Für die akribische Aufnahmeprozedur mit Original-Bandmaschinen in den legendären Electro-Vox-Studios in Los Angeles hat er eine eingeschworene Combo fantastischer Musiker (darunter der Vater von Kamasi Washington als Flötist) gecastet, die ihm die Entfesselung seiner eigenen Talente als Shouter und Songschreiber ermöglicht. Das Ergebnis ist eine mit- und hinreißende Platte, die im besten Sinne Brücken von einer glorreichen Vergangenheit zu einer spannenden Zukunft der Popmusik baut.

Columbiatheater Columbiadamm 9–11, Tempelhof, Mi 27.3., 20 Uhr, VVK 30 € zzgl. Gebühren

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