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Kultur-Tipps für dieses Wochenende von Konzerten bis Kunst

In Sachen Kultur hat Berlin viel zu bieten. Ganz übersichtlich ist das nicht, daher findet ihr hier jede Woche Kultur-Tipps fürs Wochenende. Von Theater bis Konzert, von Lesung bis Kunst, von kleinen und besonderen Veranstaltungen bis zu großen Höhepunkten.


Kunst: Ganz großer Bahnhof – zwei Jubiläen, drei Ausstellungen 

Der Hamburger Bahnhof feiert Geburtstag. Foto: SMB/David von Becker

Es ist ein Geburtstag mit Hindernissen, aber es ist ein Geburtstag: Das Museum Hamburger Bahnhof wird 25 Jahre alt, und feiert das mit zwei eigenen großen Ausstellungen und einer fulminanten Gastausstellung. Die Sammlung Flick mag abziehen aus dem Museum, der Vertrag über die Sicherung der Rieck-Hallen hinter dem Hauptgebäude noch nicht unterzeichnet sein; und noch ist unklar, was die neuen Direktoren Sam Bardaouil und Till Fellrath vorhaben. Doch Museumsleiterin Gabriele Knapstein hat für zwei große Jubiläumsschauen gesorgt. Church for Sale“, eine Kooperation mit der Berliner Haubrok Stiftung, zeigt politische Kunst zum Thema Ausverkauf des Öffentlichen an Privat, und „Nation, Narration, Narcotis“ mit Kunst aus aller Welt thematisiert Klima und Umwelt. Dazu kommt die Schau des Goethe-Instituts, das sein 70-jähriges Jubiläum feiert, in Berlin unter anderem mit „Take Me to the River“, einer Schau in Progress, die online startete. Sie zeigt Arbeiten von Künstler:innen zum Thema Wasser nun auch im analogen Raum– mit Stimmen von Betroffenen, die die Künstler:innen eingefangen haben und die man so hierzulande noch nicht gehört hat.

  • Hamburger Bahnhof Invalidenstr. 50/ 51, Tiergarten, Di-Fr 10-18, Sa/So 11-18 Uhr, ab Dez Do bis 20 Uhr, 14/ 7 €, bis 18 J frei, Zeittickets: smb.museum, „Church of Sale“: 28.11.1-19.6., „Nation, Narration, Narcosis“ 28.11.-3.7., „Take Me to the River“: 29.11.-12.12.

Bühne: Eurotrash

Bühnen-Tipp fürs Wochenende: Angela Winkler und Joachim Meyerhoff als Familie Kracht. Foto: Fabian Schellhorn

Nach seinem Debüt „Faserland” (1995) rückt Christian Kracht in seinem Roman (2021) erneut Motive der eigenen Familiengeschichte ins Zentrum. Der Fokus liegt diesmal auf dem Sohn und seiner alkoholkranken Mutter. Jan Bosse inszeniert in seinem Schaubühnen-Debüt die Geschichte um Jet-Set, Wohlstandsverwahrlosung und NS-Vergangenheit mit Joachim Meyerhoff und Angela Winkler.

  • Schaubühne Kurfürstendamm 153, Wilmersdorf, So 28.11., 16 Uhr, Tickets und weitere Termine hier

Konzert: Ben Caplan (27.11.)

Ben Caplan kommt in die Kulturbrauerei. Foto: Jamie Kronick

Ben Caplan ist eine Ausnahmeerscheinung unter den kanadischen Singer-Songwritern. Das bezieht sich nicht auf seinen voluminösen Bart, sondern in erster Linie auf seine Songs und seine Performance. In den Melodien finden sich Klezmer-Anleihen, die wiederum mit der Reflexion seiner jüdischen Wurzeln korrespondieren. Auf der Bühne zelebriert Caplan die Introspektion, um dann schließlich wieder äußerst expressiv seine Stimme einzusetzen.

  • Kulturbrauerei/Frannz Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, 19.30 Uhr, VVK: 34,30 €, weitere Infos und Tickets hier

Club: Wenn’s knallt, dann knallt’s im Kater Blau 

Party im Kater Blau – ab Samstag dürfen allerdings nur noch 50 Prozent der sonstigen Kapazität ausgeschöpft werden. Foto: Imago Images/Contini

Selbst für diejenigen, die in diesem Corona-Sommer auf Festivals waren, liegt dieses ganz besondere Festival-Gefühl wahrscheinlich spätestens jetzt, mitten im grauen November, so fern wie Neuseeland. Dazu kommt die vierte Welle, die gerade dank einiger Uneinsichtiger mit Wucht auf Deutschland hinübergeht – und dafür sorgt, dass Clubs nur noch 50 Prozent der üblichen Kapazität einlassen dürfen ab Samstag. Wer sich sicher genug fühlt, um feiern zu gehen, der könnte sich das Sommer-Festival-Feeling zumindest ein Stück weit im Kater Blau zurückholen. Denn dort findet das ganze Wochenende, ohne Pause, die zweite Kater-Indoor-Party in diesem Jahr statt. Hinterm DJ-Pult stehen DJs, deren Sets viele wohl an glückliche Stunden auf der Tanzwüste der Fusion oder einem der Floors auf der Wilden Möhre erinnern dürften. 

  • Kater Blau Holzmarktstraße 25, Friedrichshain, Fr 26.11. ab Mitternacht – Mo 29.11.

Stream: Cowboy Bebop

Cowboy Bebop ist ein Klassiker – in der Anime-Variante. Nun gibt es die Netflix-Realverfilmung in Serie. Foto: Geoffrey Short/ Netflix

Unter den zahlreichen Anime-Serien ist diese 1998 entstandene über eine Gruppe von Kopfgeldjägern in der Zukunft auch heute noch eine der besten. Die Mischung aus Kung-Fu-, Western- und SciFi-Elementen, unterlegt mit klassischem Jazz und Bluesrock der späten 60er Jahre. war einfach ein Knaller. Jetzt hat Netflix daraus eine Realfilmserie gemacht und die sieht – in einem sehr gepflegten Retrostyle gehalten – auch ziemlich gut aus und drückt, was Action, Stil und Soundtrack betrifft, genau die richtigen Knöpfe. In den ersten Folgen kommt das vielleicht noch nicht ganz an die z.Zt. beste SciFi-Serie „The Expanse“ ran, aber ein Ersatz für die gute alte „Firefly“ könnte schon draus werden. (Ted Baxter)

  • Netflix seit 19.11., 10 Episoden à 25 Min

Stil: Wolle zur richtigen Zeit

Noch dieses Wochenende gibt es in der Platte Berliner Wollmodel. Foto: Pascal Rohe

Berliner Mode aus Wolle wird in der Platte an der Memhardtstraße in einem Pop-up-Store präsentiert. Mit dabei sind Case Studies, Starstyling, Tata Christiane und die legendäre Claudia Skoda. Gerade wurde der Berliner Woll-Modemacherin eine große Ausstellung in der Kunstbibliothek am Kulturforum gewidmet.


Literatur: Daughters and Sons of Gastarbeiters – Lesebuch “Grenzerfahrungen”

Kürzlich wurde das 60. Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens gefeiert. Die Kinder und Kindeskinder der sogenannten ersten Generation stellen im Sammelband „Grenzerfahrungen – Ein Lesebuch der Daughters and Sons of Gastarbeiters“ die Geschichten ihrer Eltern und Großeltern vor und leisten zugleich einen Impuls für den Diskurs, der sich mit der Bedeutung der Migration in Deutschland auseinandersetzt.

  • SO36 Oranienstr. 190, Kreuzberg, Sa 27.11., 18 Uhr, Eintritt frei

TV: Beginners

Anna und Oliver sind die Protagonisten des schönen Liebesfilms „Beginners“. Foto: WDR/2011 Beginners Movie LLC. 

Von Aufbrüchen und Wagnissen handelt dieser Film, von der Angst und der Unsicherheit, vom Verlust, vom Tod und von der Liebe. Und nichts daran wirkt schwerblütig. Anna bewohnt in L.A. ein Hotelzimmer, weil sie als Schauspielerin nie lange an einem Ort bleibt. Grafikdesigner Oliver hat vor kurzem seinen Vater verloren: Hal, der nach dem Tod seiner Frau als 75-jähriger sein Coming Out wagte. Misstrauisch und verwundet sind Anna und Oliver, es ist nicht verwunderlich, dass sie ineinander stürzen und anschließend über die entfachten Gefühle sehr erschrecken. „Beginners“ von 2010 ist ein lyrischer, witziger, melancholischer, berührender Liebesfilm, berückend fotografiert, unaufdringlich stilisiert, fließend montiert, von herrlichem alten Blues begleitet und von hervorragenden schauspielerischen Leistungen getragen.

  • One 27.11., 20.15 Uhr, 29.11.

Kunst: Thomas Schütte: Bildhauerei mit Witz

Thomas Schütte, Old Friends Revisited, 2021 Foto: Luise Heuter / Thomas Schütte / beide VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt seine Sandsteinsäule mit den zwei roten Kirschen darauf. Thomas Schütte platzierte sie 1987 für die alle zehn Jahre stattfindende Open-Air-Ausstellung „Skulpturen Projekte Münster“ ebendort. Ein Publikumsrenner. Die Stadt kaufte das Obst-Denkmal, die Nachbarstadt Marl wollte auch so etwas Schönes. Schütte baute Marl also ein Denkmal für eine Melone, auch schön rot. Der Bildhauer kennt die Menschen, ihre Maße, ihre Vorlieben, ihre heimlichen Sehnsüchte, so gut, dass seinen Modellhäuschen richtig große, bewohnbare Häuser folgten, ja, sogar ein ganzes Museum für sein Werk, bei Neuss auf der Insel Hombroich (sprich: Hommbrooch). Doch am besten sieht man selbst: Das Charlottenburger Georg-Kolbe-Museum zeigt neben Arbeiten auf Papier 30 Skulpturen des Düsseldorfers, darunter eine der bekannten, fast vier Meter hohen Bronzefiguren der Reihe „Vater Staat“ (2010). Die ersten Figuren von dem alten müden Mann soll Schütte übrigens aus Knete gefertigt haben.

  • Georg Kolbe Museum Sensburger Allee 25, Charlottenburg, Mo-So 10-18 Uhr, 7/5 €, bis 18 J. + 1. So/ Monat frei,  19.11.- 22.2., Zeittickets hier

Bühne: Zuhause

Constanze Behrends hat mit "Zuhause" eine neue Komödie für den Heimathafen geschrieben. Foto: Verena Eidel
Constanze Behrends hat mit „Zuhause“ eine neue Komödie für den Heimathafen geschrieben. Foto: Verena Eidel

Was es für Familie, Nachbarn und das eigene Selbstverständnis bedeuten kann, auf einmal nicht mehr vormittags im Büro zu malochen, persiflierte Loriot in seinem Kinofilm „Pappa ante portas“: „Was machst du denn hier?“, fragt entgeistert die Ehefrau. „Ich wohne hier.“ – „Aber doch nicht um diese Zeit!“ Nach wie vor definieren sich die meisten Menschen über ihre Tätigkeit, über Lohnarbeit. Constanze Behrends zeigt in ihrer neuen Komödie auf, welche Perspektiven das Loslassen mit sich bringt.

  • Heimathafen Neukölln Karl-Marx-Str. 141, Neukölln, Aufführungen im November und Dezember, Tickets: 26,30 €, erm. 18,60 €,  www.heimathafen-neukoelln.de

Stream: Das Rad der Zeit

Wird "Das Rad der Zeit" so groß wie "GoT"? Foto: Sony Pictures Television Inc. and Amazon Content Services LLC
Wird „Das Rad der Zeit“ so groß wie „GoT“? Foto: Sony Pictures Television Inc. and Amazon Content Services LLC

Hat die Suche nach einem “Game Of Thrones”-Nachfolger endlich ein Ende? Immerhin hat man sich mit Robert Jordans “Rad der Zeit”-Zyklus eine Romanserie vorgenommen, gegen die selbst George R.R. Martins “Lied von Eis und Feuer” (die Vorlage für “GoT”) wie eine Novelle wirkt: 14 Originalbände plus ein Prequel, alles zusammen weit über vier Millionen Wörter lang, eine Welt voller diverser Charaktere und fremdartiger Zivilisationen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln beschrieben wird. Eigentlich gibt es nur einen Haken: Jordan wendet sich mit seinen Romanen eindeutig an jugendliche Leser, die shakespearehafte Tiefe von “GoT” wird nicht erreicht. Da hilft leider auch die stets großartige Rosamund Pike in der Hauptrolle nicht.

  • Amazon Prime drei Episoden ab 19.11., danach bis zum 24.12. jeden Freitag eine neue Folge, acht Episoden mit unterschiedlicher Länge

Stil: 20 nachhaltige Taschen aus Berlin

Ucon Acrobatics,Motif 2.0: Die Taschen-Kollektion von verschiedenen Künstler:innen geht auf Reisen. Foto: Rudi Schroeder

Für Ucon Acrobatics ist die 20 eine magische Zahl. Vor 20 Jahren wurde das Taschen-Label gegründet und zur Feier des Jubiläums arbeiten die Berliner mit 20 Künstler:innen aus 20 Ländern zusammen. Entstanden sind dabei 20 grafische Designs für die auf jeweils 20 Exemplare limitierten Rucksäcke aus recycelten Materialien. Und das Berliner Label geht auf Reisen – auch in Tokio, Paris, New York und Tel Aviv wird es die Stücke geben.

  • Hier geht es zur Online-Ausstellung der 20 Motive von 20 Künstler:innen

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