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Kommentar

Ein DJ zieht öffentlich die ganze Berliner Clubszene in den Dreck – das ist Mist

Der Tagesspiegel druckt den Erfahrungsbericht eines DJ über ausschweifende Partys ohne Regeln. Der DJ sagt, dass ihm Corona egal sei und dass sie bei den Partys in offiziellen Clubs alle Regeln gebrochen hätten. Damit zieht er eine ganze Szene in den Dreck und der Tagesspiegel springt auf einen Zug auf.

Ein DJ hat mit seinem Erfahrungsbericht im Tagesspiegel die ganze Club-Szene in den Dreck gezogen. Dabei haben einige Clubs, wie die Else, streng auf Regeln geachtet.
In der Else haben Türsteher*innen darauf geachtet, dass niemand auf der Tanzfläche seine Maske abnimmt. Foto: Else Event GmbH / Jasmin Schuller

Der Tagesspiegel hat den Erfahrungsbericht eines Berliner DJs über die letzten Monate abgedruckt. Demnach haben er und viele andere Berliner*innen diesen Sommer auch in Clubs so richtig auf die Kacke gehauen, ungeachtet der Corona-Pandemie: „Getränke an der Bar, tanzen, knutschen, Drogen – es war alles dabei. In den meisten Locations gab es zwar immer noch einen Außenbereich, aber die Party war immer drin. Es war, als ob es Corona nie gegeben hätte“, berichtet der DJ.

Er und die anderen hätten alle Regeln gebrochen, die es gibt. Wenn die Polizei kam, seien diejenigen, die zu viel im Laden waren, durch die Hintertür raus, während der Türsteher die Beamt*innen vorne ein bisschen abgelenkt habe. „Eigentlich haben wir es gemacht, weil uns Corona egal ist. Und die gestiegenen Zahlen interessieren mich nicht“, sagt er noch.

In vielen Clubs gab es strenge Regeln

Der Tagesspiegel schließt daraus, dass „den Feiernden“ Corona egal sei und die ganze Szene uneinsichtig sei. Das ist eine gefährliche Pauschalisierung. Denn viele Clubbetreiber*innen und Veranstalter*innen von offiziellen Partys haben genau darauf geachtet, dass die Gäste ihre Regeln einhalten. In der Else durften die Gäste im Sommer auf der Tanzfläche nicht rauchen, weil sie dort Maske tragen mussten.

Ebenso wie im Berghaingarten und im Oxygarten gab es dort Personal, dessen Aufgabe es war, die Einhaltung der Maskenpflicht zu kontrollieren — die galt überall, außer an Tischen. Außerdem wurde kontrolliert, ob die Menschen in der Schlange zur Toilette Maske tragen und ob sie sich in Gruppen in die Klokabinen begeben. Im Oxygarten musste man seine Kontaktdaten über ein QR-Code-System eintragen. Dagegen war das Treiben in vielen Restaurants und Bars ein Sodom und Gomorrha. Alle drei Clubs haben bei jeder Party zahlreiche Besucher*innen abgewiesen, weil die Corona-Obergrenze für die Auslastung der Clubs erreicht war.

Ein DJ hat mit seinem Erfahrungsbericht im Tagesspiegel die ganze Club-Szene in den Dreck gezogen.
Auch im Golden Gate gab es im Sommer einen Biergarten. Foto: Irene Fernandez Arcas

Sicher gab es unter den Feiernden dort Menschen, die gegen die Regeln waren und gegen sie verstoßen hätten, wenn es keine Kontrollen gegeben hätte. Genauso gab es sicherlich offizielle Partys, wo die Veranstalter*innen nicht so sehr auf Regeln geachtet haben. Und inoffizielle Partys mit Gästeliste, wo niemand darauf geachtet hat und die Menschen eine rücksicht- und verantwortlungslose „Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung“ vor sich hertrugen. Der DJ, dessen Erfahrungsbericht der Tagesspiegel gedruckt hat, scheint zur letzteren Sorte zu gehören.

Gleichzeitig scheint er nicht weit weg zu sein vom Spektrum der Corona-Leugner*innen und Verschwörungstheoretiker*innen, wenn er sagt: „Ich bin kein Corona-Leugner, ich glaube aber nicht, dass Corona so schlimm ist, wie es dargestellt wird.“ Was die Regierung mache, kaufe er ihr nicht ab, er habe das Gefühl, sie spiele mit uns. Das ist, mit Verlaub, genau das Gequatsche, was viele Schwurbler*innen auf den Querdenken-Demos von sich gegeben haben.

Was ist das eigentlich für ein Mensch?

Generell könnte man sich fragen, was für ein Mensch das eigentlich ist: Er hat kein Problem damit die Szene, von der er angeblich Teil ist, in den Dreck zu ziehen und das mit einer Attitüde die verdächtig riecht nach: Regeln brechen ist so schön aufregend – ein verbreitetes Gefühl in der Szene der illegalen Raver. Außerdem scheint er kein Problem damit zu haben, erstens andere durch Verantwortungslosigkeit in Gefahr zu bringen und zweitens die Zukunft der Berliner Clubs zu gefährden.

Dagegen stehen all die Kollektive und Clubbetreiber*innen, die die Pandemie ernst nehmen. Zum Beispiel das des About Blank, dessen Sprecherin kürzlich zum tipBerlin im Interview sagte: “Mein Eindruck ist, dass die Gesundheitsämter jetzt schon nicht hinterkommen und unter solchen Bedingungen, mit so einer Infrastruktur, muss man nicht anfangen, irgendwelche Experimente zu machen.”

Jetzt die einen mit den anderen in einen Topf zu werfen, ist ein Schlag ins Gesicht für all jene Clubs, die sich in den letzten Monaten bemüht haben, irgendwie etwas Geld hereinzubekommen, mit Kunstausstellungen, Bier- und Sektgärten oder Partys in den Außenbereichen unter strengen Auflagen.


Die Nachrichten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie überschlagen sich. Jetzt hat Brandenburg ein Beherbergungsverbot für Berliner ausgesprochen. Für Berlin hat der Senat eine Sperrstunde und Kontaktbeschränkungen ab 10. Oktober beschlossen. Darüber hinaus informiert Berlin regelmäßig über alle neuen Entwicklungen und Verordnungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

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