Stadtleben

Hamburg

Eigentlich ist mir Hamburg egal. Ab und zu fahre ich zum Arbeiten nach Hamburg und verschwinde anschließend möglichst schnell wieder. Das Hamburger Theaterleben ist mir auch eher egal. Seit Frank Baumbauer seine Intendanz am Hamburger Schauspielhaus vor zehn Jahren be­endet hat, gab es nicht mehr so wahnsinnig viele Gründe, zum Theater nach Hamburg zu fahren.  
Dass ich mich plötzlich für das Hamburger Theater interessiere, liegt da­ran, dass die lustigen Dilettanten des schwarz-grünen Hamburger Senats gerade vorführen, dass sie Kulturpolitik mit Harakiri verwechseln. Dass sie sparen müssen (zum Beispiel, weil die alberne Elbphilharmonie zig Millionen verschlingt), ist das eine. Aber dass sie dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg, immerhin das größte deutsche Sprechtheater, erst den Etat rasieren und dann, nachdem der recht erfolglose Intendant die Nerven verloren hat und sehr abrupt zurückgetreten ist, mal unverbindlich darüber nachdenken, den Laden mit dem ­Thalia Theater zu fusionieren, ist aberwitzig. Das wäre etwa so, als würde man sämtliche großen Theater Berlins einem Generalintendanten anvertrauen. Das kann nicht funktionieren. Die Hamburger Kulturpolitiker demonstrieren recht ungeniert ihr komplettes Desinteresse, ihre Verachtung für Kultur. So werden sie garantiert keinen ernst zu nehmenden Nachfolger für die Leitung des Hamburger Schauspielhauses finden. Stattdessen kommen Gerüchte über eine mögliche Abwicklung des Schauspielhauses auf. Verglichen mit dieser Harakiri-Kulturpolitik ist sogar Wowereit seriös. Wie es aussieht, werden die Zeiten für die subventionierten Theater deutlich härter.

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