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Absurde Wohnungsanzeigen in Berlin: 100 Euro pro Woche fürs Badezimmer?

Dass der Berliner Wohnungsmarkt am Boden ist, wissen wir nicht erst seit der Debatte um den Mietspiegel. Wer in den vergangenen Jahren eine Unterkunft suchte und dabei auch nur rudimentär die eigenen Finanzen im Blick haben musste, den erwartete ein Glücksspiel.

Zwei Wohnungsanzeigen sorgen nun derzeit für Wellen: Für Mondpreise kann wahlweise ein Durchgangszimmer mit Küchenanschluss oder ein Bad in einer WG gemietet werden. Tausende lachen über die grotesken Anzeigen im Internet.

Wohnungsanzeige für Durchgangszimmer: Man muss es praktisch sehen: Wenn das Bett in der Küche steht, ist es zum Kühlschrank nicht weit. Symbolfoto: Imago Images/Shotshop

Wohnungsanzeige für Durchgangszimmer: Traurig, weil es wahr sein könnte

Die eine Wohnungsanzeige tauchte in der Facebook-Gruppe „WG-Zimmer und Wohnungen in Berlin“ auf, die andere in der Gruppe „Berlin Housing“. In der „WG-Zimmer-Gruppe“ fand sich die Wohnungsanzeige für ein „Offenes Zimmer in 2er-WG“. Gelegen sei diese an der Jannowitzbrücke Ecke Märkisches Museum.

„Das Zimmer hat ca. 12-15 qm (Durchgangszimmer), ist lichtdurchflutet mit anschließender Küche und großem Balkon“, heißt es weiter. Dazu gibt es Bilder. Zu sehen ist da ein Bett und eine Sitzbank in einem Zimmer, das tatsächlich mit einem weit offenen Durchgang mit der Küche verbunden ist.

Selbst wenn Interessent*innen einen Vorhang befestigen würden – bei jedem WG-Kochabend oder anderen Gesprächsrunden wären sie unmittelbar beteiligt.

Das kann man natürlich im schlimmsten Fall für ein paar Tage über sich ergehen lassen, wenn man noch etwas Besseres sucht. Zumindest für ein paar Euro. In der Anzeige aufgerufen werden jedoch 650 Euro warm – mit 1.500 Euro Kaution.

Bei Twitter lachten Tausende über die Anzeige und das angebotene Durchgangszimmer, das eher nach Flur aussieht. Und hoffen auf einen Scherz. In Wahrheit ist es in jedem Fall traurig – weil es wahr sein könnte.

Parodie? 100 Euro pro Woche für Schlaf im Bad – in Neukölln wäre das möglich

Noch eine Nummer härter wird es bei der Anzeige in der Gruppe „Berlin Housing“ bei Facebook, die inzwischen gelöscht ist. Auf Englisch erklärt dort jemand, er suche für sein Badezimmer einen Untermieter. Es sei schön groß und koste trotzdem nur 100 Euro in der Woche – „normal können Preise für ein Zimmer in der Gegend bei 450 bis 500 Euro liegen.“ Die Gegend, das ist in diesem Fall der Weserstraßenkiez.

Shirley MacLaine (links) und Claire Kelly im Film „Ask Any Girl“ (1958): Szenen, die wir uns durchaus auch in Berlin vorstellen können, Wohnungsmarkt sei Dank. Foto: Imago Images/Everett Collection

Immerhin gibt es in der Announce den Hinweis, dass es in der WG zwei Toiletten geben würde. Wir nehmen also an, dass wir dort nicht fortwährend von geschäftstüchtigen Mitbewohner*innen behelligt würden. Oder? „Zwischen 6.30 und 8 Uhr müssten wir die Dusche nutzen, du kannst solange auf unserem supergeräumigen L-Sofa chillen.“ Diese festen Zeiten hätten das Leben des Vormieters verbessert: „Endlich Routine.“

Es gebe noch einen dreibeinigen Hund, man sei außerdem offen für Menschen in Wohnungsnot, so habe der derzeitige Mieter Fabrizio seine Freundin sechs Wochen mit im Bad leben lassen, sie habe in der Badewanne geschlafen. Das Bad habe – toll für Musiker! – eine tolle Akustik, die Heizung sei sehr kraftvoll und geraucht werden dürfe auch, da in den Fliesen ja der Rauch nicht hängenbliebe.

Das klingt dann doch alles etwas zu absurd. Anders als das Küchenzimmer, das durchaus echt sein könnte – denn die Anbieter haben noch großzügig Videos gepostet.

Bad wird nur zwischen 6.30 und 8 Uhr genutzt: Aus der Anzeige, die in Berlin-Housing von „April C“. gepostet wurde. Foto: Screenshot.

Finstere Angebote an jeder Ecke – hohe Abschläge und absurde Quadratemeterpreise

Und wer dann ein bisschen weiter schaut, wird eh von der Realität eingeholt. So sei auch der Twitter-Nutzer @arnoxcao nach eigenem Vernehmen bei der Suche nach Wohnungsanzeigen „im Darknet“ gelandet – weil Menschen ohne mit der Wimper zu zucken einen besseren Berg Sperrmüll („Palettenbett“) und ein bisschen Ikeakram für 450 Euro Abschlag verschachern wollen.

Der Plunder geht dann an die Person, die ein 24-Quadratmeterzimmer im Bergmannkiez übernehmen will. Für – kein Scherz – 780 Euro im Monat. Bitte auf der Zunge zergehen lassen: 32,50 pro Quadratmeter. In einer WG!

Immer wieder groteske Anzeigen online

Zuletzt hatten wir uns gefragt, ob gutes Aussehen wirklich die Chancen bei der Wohnungssuche erhöht – viele werben um Vermieter inzwischen mit optischen Vorzügen. Und auch bei einer anderen Anzeige hätten wir gern gelacht, wäre es nicht so tragisch: Wohnungs-Casting als Lifestyle-Check mit Kapitalismus-Note.

Die Frage bei vielen dieser Angeboten – und auch, wenn es sich hier um Scherze handelt, sie sind leider doch realitätsnah: Ob die Vermieter*innen eigentlich von dem Schabernack wissen. Wobei Mitleid da auch falsch ist. Denn die sind immer von der Corona-Krise weitestgehend verschont.

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