Fine Dining 

The NoName in Mitte

Dekoratives Dilemma: In Dortmund hatte sich David Kikillus rasch einen Stern erkocht. Nun hat sich der Fussballfan nach Berlin transferiert. Und hat im The NoName ein Frauenproblem

Foto: White Kitchen

Beginnen wir Mitte der ersten Halbzeit. Trüffel, dazu Petersilienwurzel und Kalbskopf, das Ganze im Becher und mit gefülltem Teig-Cannelloni, kalt, cremig, crispy und zweiter Auftakt des achtgängigen Menüs. Davor Röllchen, gefüllt mit Dry Aged Rind, dekoriert mit Kaviar und Radieschen. Das mag David Kikillus, ein Ex-Dortmunder, der sich im eigenen Laden in der Ruhrmetropole schon nach wenigen Monaten einen Stern erkocht und sogar mal bei der dortigen Borussia gekickt hat. Sein neues Domizil, das ehemalige Café Orange an den Heckmann-Höfen, schön umgemodelt zu einem Fine Dining-Restaurant mit Stabparkettboden, Stuck, bodentiefen weißen Gardinen sowie einer leicht bekleideten, gefesselten Dame als Wanddekor. Klar, sowas ist ja heutzutage immer auch provokant und sowieso ironisch gemeint. Diese Dame sollte aber nicht erst in Tagen der Metoo-Debatte umgehend im (Wein-)Keller verschwinden.

Das NoName ist nicht die erste Neueröffnung, die sich einzig mit einem Menü (sechs oder acht Gänge, 85 bzw. 105 Euro) begnügt. Das macht es einfacher für die Küche, aber schwieriger für den Gast. Es muss aber wohl als kulinarischer Zeitgeist akzeptiert werden. Wobei es auch gelegen kommen kann, für einen Abend alle Entscheidungen anderen zu überlassen.Erst einmal beginnt der männliche Service – die jungen Mädchen dienen vor allem als stumme Tablettträgerinnen – mit der von biodynamischen und naturnahen Tropfen dominierten Weinbegleitung. Das Quartett Auster, Sanddorn, Gurke und Kohlrabi ist ein schöner Happen mit verschiedenen Konsistenzen. Und Kaisergranat, Kürbis, Bergamotte und Curry kein gänzlich neues, aber gefälliges Gaumenerlebnis. Klassisch die Taube in Gang Nummer fünf, mit Brokkoli, Zwiebel und Senf zudem verständlich. Kukillus Innerstes präsentiert sich bei der den Gaumen neutralisierenden Sorbet-Alternative am klarsten: Estragon und Kamille, zwei Komponenten, die reichen, um zu zeigen, dass er versteht, wie Berlin gerade tickt. Das versöhnt, erinnerte doch der anfangs servierte Macaron mit grünem Apfel und Gänseleber an eine viele Jahre zurückliegende Interpretation des Baisergebäcks von Tim Raue.

Greift man die fußballerische Vergangenheit von David Kikillus auf, so beinhaltet sein unbenommen hochklassisches kulinarisches Spiel noch zu viele Standard-Spielzüge, aber auch einige brillante Steilvorlagen. Den einen genialen, spielentscheidenden Moment aber haben wir in seinem Menü noch nicht gefunden.

The NoName Oranienburger Str. 32, Mitte, Tel. 28 87 77 88 Di–Sa ab 18 Uhr, www.the-noname.de