Genuss

12 Tipps für gute Lebensmittel in Berlin: Von Hofverkauf bis Lieferdienst

Von Produktküchenrestaurants schreiben wir in guten Zeiten im tip immer gerne. Und meinen dabei kulinarische Orte, bei denen der Genuss mit den – zumeist saisonal-regionalen – Zutaten beginnt. In Zeiten von Corona müssen wir unseren nächsten Besuch leider aufschieben – und stattdessen selber einkaufen. Zum Glück finden sich selbst in der Corona-Krise gute Lebensmittel in Berlin.

Da trifft es sich gut, dass viele unserer liebsten Restaurants jetzt umsatteln und jetzt Kochboxen, Eingewecktes und mehr anbieten. Und so die heimische Küche in die Produktküche verwandeln, die wir so schätzen.


Otto 

Blick auf umfunktionierte Fensterfront des Restaurant Otto, das jetzt während Corona eingewecktes zum Einkauf bietet.

Das Restaurant Otto besteht eigentlich aus zwei Orten, dem betonschönen Gastraum in der Oderberger Straße – und dem Kochlabor in der Schorfheide. Was Vadim Otto Ursus dort produziert, verkauft er seit diesem Donnerstag in seiner Pantry Kitchen, seiner Speisekammer. Jeweils bis Mittwoch wird produziert, Donnerstag und Freitag abgeholt oder mit dem Lastenrad ausgeliefert.

Wir empfehlen das Szegediner Gulasch, die Wildknacker und die verschiedenen Garums und Würzsaucen, die der junge Berliner Koch nach japanischer Tradition lange gären und fermentieren lässt. Und wir empfehlen unbedingt den flugs aufgrund von Corona angelegten Onlineshop zum Einkaufen zu benutzen. Vor Ort ist vieles schon ausverkauft.


Panda Pop Up Market

Daeng Khamlaos sympathischer und quietschbunter kleiner Nudelladen am Lausitzer Platz ist sowieso so ein Lieblingsort. Am Freitag und Samstag, dem 3. und 4. April, nutzt sie ihn nicht nur für Nudel-Takeaway, sondern verwandelt das Lokal in einen kleinen Markt.

Dort verkauft sie nicht nur ihre eigenen Waren und T-Shirts für Fans des Nudelpandas, sondern auch Produkte von befreundeten BIPoC-Gastronom*innen. Dazu gehören zum Beispiel Currypasten von Khao Taan, DIY-Kimchi-Sets von Julez Ferments oder Kokosnussaufstrich und Sambal Oelek von Ma-Makan. Und wer es diese Woche nicht schafft, keine Sorge: nächste Woche geht es weiter.


Lode & Stijn

Lode van Zyulen kommt aus einer Bäckersfamilie. Sechste Generation. Daher auch mit dem Beginn der Corona-Krise die Idee, sein knuspriges UND fluffiges Sauerteigbrot am Wochenende in einer Art Popup-Bäckerei zu verkaufen. Inzwischen ist daraus eine ganz großartige kulinarische Kiste geworden.

Für 100 Euro enthält sie unter anderem ein Coq au vin aus den Freilandhühnern von Lars Odefey, Räucherfisch vom Stechlinsee, Gemüse der kollektiven Landwirte von der Wilden Gärtnerei und die wunderbaren Bitterballen, mit denen jedes Menü im Lode & Stijn beginnt, sowie diverse Getränke. Die Brote gibt es auch einzeln, unbedingt vorbestellen via Email!


Ernst

Dylan Watson-Brawn an der Kochinsel in seinem Restaurant Ernst. Das Restaurant verkauft zurzeit Gemüse- und Kochkisten.
Dylan Watson-Brawn in seinem Restaurant Ernst.

Dylan Watson-Brawn ist mit seinen Produzenten per du. Und so sind es seine Gäste, wenn sie mit jedem der bis zu dreißig Gänge erfahren, dass dies nun der Quark von David ist oder die Wilde Rauke von Grete. Weil das Team vom Restaurant Ernst zu seinen Produzenten aber vor allem ein freundschaftliches, solidarisches Verhältnis hat, werden deren Erzeugnisse nun als Gemüsekisten (die aber auch Fisch- oder Milchprodukte enthalten) verkauft.

Für 100 Euro schmeckt man bereits sehr viel vom Produktverständnis dieses einzigartigen Ortes. Zum Osterwochenende soll es wieder zwei, drei Handvoll Kisten geben.

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10 more 100 euro boxes are online for pick up tomorrow.

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Blomeyer Käse

Zugegeben, Fritz Lloyd Blomeyer ist kein Restaurant. Aber er kommt ziemlich oft an den Tisch, wenn es in guten und sehr guten Berliner Restaurants um den Käse geht. Also bildlich gesprochen.

Der Genussmensch mit dem Laden in der Charlottenburger Pestalozzistraße hat deutschen (Rohmilch-)Käse überhaupt erst wieder groß gemacht. Nun hat Fritz Lloyd Blomeyer noch etwas sehr geschmackvolles gemacht: einen eigenen Online-Store. Einkaufen während Corona, leicht gemacht also.

Nach einigen Wochen intensiver Arbeit ist unser Onlineshop jetzt bereit. Für alle die jetzt gern was leckeres nach Hause geliefert bekommen möchten:https://www.blomeyerskaese.de/

Gepostet von Blomeyer's Käse am Dienstag, 31. März 2020

Herz und Niere

From Nose to Tail, zu deutsch etwa „Alles vom Tier“, darum geht es Christoph Hauser und Michael Köhle. Und darum lassen sie sich in ihr Souterrain in der Kreuzberger Fichtestraße schon einmal ganze halbe Rinder liefern.

Weil so ein Grundprodukt aber vielgestaltig verarbeitet werden will, produziert das Herz & Niere schon immer auch Sachen für die private Speisekammer. Leberwürste, Wild-Paté, nun auch Rouladen oder Königsberger Klopse. Dazu Gurken, Schwarze Nüsse, hausgemachte Essige.

Samstag, 11 bis 13 Uhr ist Hausverkauf, zudem gibt es ausgewählte Produkte beim Feinstkostgeschäft „Vom Einfachen das Gute“ (mit dessen Gründer Jörg Reuter wir doch kürzlich über die Zukunft nach Corona sprachen!) in der Invalidenstraße 133, Mitte.


Meierei

Die Meierei fast am Kollwitzplatz ist ja schon dem Namen nach eher ein Laden denn ein Restaurant. Sie war mal so etwas wie die kulinarische Vorhut jener süddeutschen Invasion in dieser Nachbarschaft. Geschenkt.

Jetzt freuen wir uns über die Vinschgauer, die Marillenmarmelade und was es sonst noch so im üppig geöffneten Straßenverkauf gibt. Für eine ehrliche tröstende Brotzeit zuhaus‘. 


Teig & Füllung

Bruno Ebermann, ein Wirtssohn aus dem Schwäbischen, war gerade erst wieder so richtig in Berlin angekommen. Nach einer kulinarischen Weltreise, die den Koch unter anderem quer durch Asien geführt hatte. Jetzt sollte es eigentlich so richtig losgehen. Mit den besten Maultaschen, mindestens in Berlin. Aber alle Street-Food-Märkte sind bis auf weiteres abgesagt.

Deshalb gibt es die Maultaschen von Bruno Ebermann jetzt auf einigen Wochenmärkten (samstags etwa auf dem Winterfeldmarkt) und vor allem als häuslichen Vorrat einzukaufen. Dazu kurzweilige Youtube-Tutorials zur geschmackvollen Zubereitung.


Havelland Express

Blick auf Marktstand bei Havelland Express Hofverkauf mit Gemüse und Obst. Während Corona organisiert der Lieferant Einkauf für Privatkunden am Wochenende.

Auch unser Lieblingslieferant der Hauptstadtgastronomie macht aus dieser Not eine Tugend und öffnet sein Betriebsgelände in der GottliebDunkelStraße 20/21 in Tempelhof nun freitags und samstags (10-18 Uhr) für private Kunden. Vor Corona war es nur Geschäftskunden vergönnt, hier einzukaufen. Wir sagen zwar nicht, dass die derzeitige Situation ihr Gutes hat, aber… wir decken uns hier gerade gerne ein.

Im Hofverkauf (verkauft wird mit gebührendem Abstand unter freiem Himmel auf dem Hof) gibt es etwa Saiblinge aus der Müritz oder französische Maispoulardenbrüste. Auch einen ganzen Hummer könnte man sich gönnen, die Preise sind allesamt sehr, sehr fair.

In dieser Woche startet Havelland zudem mit kuratierten Kochboxen, von denen wir Euch separat erzählen werden. Den Anfang macht Daniel Schmidthaler aus der Alten Schule in Fürstenhagen.

https://www.instagram.com/p/B-fZLX3Havu/

Jones Icecream

Icecream is Nutrition too. Ja, auch Eiscreme gehört zu den unbedingten Grundnahrunsgmitteln. Und so ist es tröstlich zu wissen, das Gabrielle Jones ihre fast schon überbordenden Sorten – und auch die frisch gebackenen Cookies – nun auch bis an die Haustüre liefert.

Wir lieben „Salted Butter Caramel“, „Grapefruit & Earl Grey“ und sowieso „Banana Choco Marshmallow“ mir richtigen, riesigen Marshmallowstücken.


Apocalypse Delivery GmbH*

Keine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Also nicht im juristischen Sinne. Und doch passt dieser Name allzu gut in diese einschränkenden Zeiten. Der charismatische Käsestand Alte Milch aus der Markthalle Neun, der Naturweinladen Rocket Wine, die Cafés Isla Coffee und Companion Tea & Coffee, die Kaffeerösterei Vote und vor allem die großartige Bäckerei Albatross aus dem Graefekiez haben sich zu diesem unkonventionellen und unkomplizierten Lieferdienst zusammengetan. Und so wird das Einkaufen während Corona vielleicht sogar ein wenig weniger schlimm.


To the Bone

Steak auf Grillplatte im Restaurant To The Bone. Aufgrund von Corona hat der Besitzer eine Onlineplattform zum Einkaufen gestartet.
Foto: Clemens Niedenthal

Genau genommen war Giacomo Mannucci wegen einem ganz bestimmten Produkt Gastronom geworden. To the Bone heißt sein italienischer Fleischeslustladen in der Torstraße, der in geselligeren Zeiten ganz unbedingt auch ein Gesellschaftslokal zu nennen ist. Dort der Star: die am Knochen gereiften Schnitte vom toskanischen Chianina-Rind, die aus der Werkstatt von Metzgerlegende Dario Cecchini kommen.

Rund um dieses Produkt hat Mannucci jetzt einen italophilen Onlineshop gebastelt (Mindestbestellmenge 50 Euro, Lieferung innerhalb des S-Bahn-Rings), in dem es aber genauso fair ausgepreiste Salsiccia, Toilettenpapier (kein Witz) oder den ganzen italienischen Gemüsegarten gibt. Alles, was man während Corona eben einkaufen will – oder muss. www.tutto-a-casa.paperform.co


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Lust auf’s Kochen bekommen? Wir haben unsere Lieblingsköch*innen um ihre besten Rezepte aus der Speisekammer gebeten. Viele Gastronomen haben in einem offenen Brief Forderungen an den Regierenden Bürgermeister gestellt. Unsere zentrale Seite zu Corona in Berlin: Alle Berichte, Kommentare, Hintergrundinformationen, Reportagen und Fotostrecken. Wir haben zudem ein Hilfsprojekt gestartet, „tip Berlin hilft“.