Brandenburg

12 Industrieparks in Brandenburg: Vom Bergwerk bis zum Ziegeleimuseum

Die Industriegeschichte in Brandenburg reicht hunderte Jahre zurück. In teils stillgelegten, teils noch aktiven Kraftwerken und Werkstätten können sich Laien einen Eindruck von den Vorgängen in der Industrie machen und die Entwicklung seit der Industrialisierung zurückverfolgen. Wir stellen euch 12 industriehistorische Parks und Museen in Brandenburg vor.


Hoch hinaus im Besucherbergwerk F60

Das Besucherbergwerk in Lichterfeld-Schacksdorf ist eine eindrucksvolle Anlage, die man im Rahmen von Führungen besichtigen kann. Foto: Imago/Weisflog

502 Meter lang ist der „liegende Eiffelturm“. Die ehemalige Abraumförderbrücke: ein elftausend Tonnen schwerer Gigant der Technik. Er ist nicht nur ein Symbol der Industriegeschichte, sondern auch ein Paradebeispiel lokaler Selbsthilfe. Nachdem der Tagebau stillgelegt wurde, schlossen sich die Anwohner:innen zusammen, um den Ingenieursstolz der DDR zu einem Besucherbergwerk umzubauen. Heute bietet die alte Förderbrücke auf mehr als 70 Metern Höhe zudem eine wunderbare Aussicht.

  • Besucherbergwerk F60 Bergheider Straße 4, Lichterfeld-Schacksdorf, Sommersaison So-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-20 Uhr, Führung (90 Min.) 14 Euro (erm. 12, 7 Euro) Tel. 03531/608 00, online

Gebilde, wie aus einer anderen Welt: die Biotürme Lauchhammer

Wer sich für die Geschichte der Braunkohleförderung in der Lausitz interessiert, kann eine Führung an den Biotürmen Lauchhammer buchen. Foto: Imago/Weisflog

Die Biotürme Lauchhammer sehen aus wie die Kulisse eines Fantasyfilms: Ockerfarben gefärbt von alter Asche stehen sie inmitten einer kargen, grünen Landschaft. Früher wurde hier Braunkohle zu hüttenfähigem Koks verarbeitet. Nein, die Rede ist nicht von Kokain, sondern von einem dunklen, kohlehaltigen Brennstoff, der auch zum Heizen verwendet werden kann. Seitdem die Anlage stillgelegt wurde, gehören die verbliebenen Biotürme zu den herausragenden Industriedenkmälern der Lausitz. Es gibt sowohl einen Turm mit Aussichtsplattform als auch eine Freilichtausstellung mit allerlei Relikten aus der Ära von Braunkohleabbau und Kokerei.

  • Biotürme Lauchhammer Finsterwalder Straße 57, Lauchhammer, Sa+So 14-18 Uhr, Führungen nach telefonischer Vereinbarung, Tel. 0174/394 49 94, Eintritt 8 Euro (erm. 3 Euro)

Lebendige Einblicke in die Geschichte: Brikettfabrik Louise

Die eindrucksvollen Maschinen in der Brikettfabrik Louise haben in knapp 150 Jahren kein Stück ihrer Leistung eingebüßt. Foto: Imago/Friedel

Bereits 1882 presste die älteste Brikettfabrik Europas Kohle zu Briketts. Heute kann man hier als Besucher:in erfahren, wie die Technik funktioniert. Die Brikettfabrik im Landkreis Elbe-Elster zeigt einen bedeutenden Teil der Brandenburgischen Technikgeschichte und stellt eine besondere Sehenswürdigkeit dar. Die Maschinen funktionieren noch immer genauso, wie damals vor 140 Jahren.

  • Brikettfabrik Louise Louise 111, Uebigau-Wahrenbrück, Sa+So 12-16.30 Uhr, 035341/940 05

Auf den Spuren des Braunkohlebergbaus: im Gutshaus Geisendorf

Das Gutshaus Geisendorf bietet eine industriegeschichtliche Dauerausstellung und ein wechselndes, künstlerisches Programm. Foto: Imago/Weisflog

Das Gut Geisendorf versteht sich zugleich als Kulturforum der Lausitzer Braunkohle und als Ort kultureller Identität. Die erste Etage des Hauses zeigt eine Dauerausstellung über Geschichte und Zukunft des Braunkohlebergbaus in der Lausitz. Darüber hinaus gestalten regionale und internationale Künstler:innen ganzjährig ein sehenswertes, abwechslungsreiches Programm.

  • Gut Geisendorf Jahnstraße 7a, Neupetershain, Tel. 035751/125 75

Hüttenwerk Peitz zeigt Dauerausstellung zur Geschichte der Schwerindustrie

Die Dauerausstellung im Hüttenwerk Peitz lässt sich rund ums Jahr besuchen. Foto: Imago/Friedel

Die 1809 errichtete Hochofenhalle wirkt auf den ersten Blick eher wie eine romantische Hofstallanlage und nicht wie ein Ort der Schwerindustrie. In einer Dauerausstellung werden im Hüttenwerk Peitz allerdings 200 Jahre Industriegeschichte veranschaulicht. Diese umfasst sowohl den Aufstieg als auch den Niedergang der Eisenhüttenindustrie, die sich im 19. Jahrhundert rund um Peitz niederließ. In diesem technischen Denkmal wurde von 1550 bis 1858 aus Raseneisenerz Roh- und Schmiedeeisen gewonnen.

  • Hüttenwerk Peitz Hüttenwerk 1, Peitz, April bis Oktober Sa-Do 10-17 Uhr, November bis März Mo-Do 10-16 Uhr, Sa+So 13-16 Uhr, Eintritt 3,50 Euro (erm. 2 Euro), Tel. 035601/344 17, online

Handwerk, Kultur und Geschichte im Museumsdorf Glashütte

Die denkmalgeschützte Werksiedlung Museumsdorf Glashütte bietet Besucher:innen spannende Einblicke und Mitmachveranstaltungen. Foto: Imago/Hohlfeld

Die Geschichte der Baruther Glashütte reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Schon im Jahr 1716 wurde der Vertrag zum Bau der Hütte unterschrieben. So befindet sie sich seit nunmehr als 300 Jahre an der Stelle, an der das Museum heute über die Sozial- und Technikgeschichte der Glashütte informiert. Die Dauerausstellung erinnert an die Geschichte der Glasproduktion und an Reinhold Burger, den Erfinder der Thermosflasche. Besucher:innen können an einem Studio-Ofen den Glasmacher:innen zusehen und nach Wunsch auch selbst die Pfeife in die Hand nehmen.

  • Museumsdorf Glashütte Hüttenweg 20, Baruth/Mark, Öffnungszeiten der verschiedenen Arbeitsbereiche sind auf der Webseite einsehbar, Tel. 033704/98 09 14, online

Ein Zeugnis der Industrialisierung: der Museumspark Rüdersdorf

Im 750 Jahre alten Museumspark Rüdersdorf können Besucher:innen das ganze Jahr über an geologischen und historischen Führungen teilnehmen. Foto: Imago/Kielmann

Von hier stammt der Stoff, aus dem das Brandenburger Tor und das Schloss Sanssouci gemacht wurden: Seit mehr als 750 Jahren wurde in Rüdersdorf Kalkstein abgebaut. Ein Förderverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die stillgelegten Produktions- und Verwaltungsbauten zu erhalten, um sie als Zeugnis der Industrialisierung für Besuche:innen zugänglich zu machen. Das ganze Jahr über finden hier Veranstaltungen sowie geologische und historische Führungen statt. Außerdem sind Geländewagen-Touren möglich.

  • Museumspark Rüdersdorf Heinitzstraße 41, Rüdersdorf, November bis Februar Di-So 10.30-16 Uhr, März bis Oktober tgl. 10-18 Uhr, Eintritt 7 Euro (erm. 3 Euro), Führungen müssen telefonisch gebucht werden, Tel. 033638/79 97 97, online

Optik Industrie Museum Rathenow: auf den Spuren der ersten industriellen Brille

1801 konnte man Brillen erstmals fabrikmäßig herstellen. Das Optik Industrie Museum Rathenow schenkt Einblicke in die Entwicklung. Foto: Imago/Zoonar

Hier in Rathenow steht die Wiege der deutschen optischen Industrie. 1801 wurde die von Johann Heinrich August Duncker konstruierte Vielschleifmaschine patentiert, mit der die fabrikmäßige Produktion von Brillengläsern begann. Bis heute ist die Stadt Rathenow unter dem Namen „Stadt der Optik“ bekannt. Rund 1.200 Ausstellungsstücke werden in der Schau gezeigt. Darüber hinaus wird zum Experimentieren und Mitmachen eingeladen.

  • Optik Industrie Museum Rathenow Märkischer Platz 3, Rathenow, Di-So 11-17 Uhr, Eintritt 3 Euro, (erm. 1,50 Euro), Tel. 03385/51 90 40, online

Einblicke in den Braunkohletagebau: im Tagebau Jänschwalde

Im Tagesbau Jänswalde wird noch immer aktiv Braunkohle gefördert. Foto: Imago/Eckel

In dem Tagebau zwischen Cottbus und Forst wird noch immer Braunkohle gefördert. Benannt wurde der Braunkohletagebau nach der Gemeinde Jänschwalde. Heute werden hier durch den Verein Naturkundezentrum Spreeaue regelmäßig Werksführungen in der bisher größten Restaurierungsfläche Brandenburgs angeboten.

  • Tagebau Jänschwalde Klinger See, Jänschwalde-Teichland (Lausitz), Führungen sind unter Tel. 0178/521 18 31 buchbar

Die Steine, aus denen Berlin erbaut wurde, findet man im Ziegeleipark Mildenberg

Das Gelände der Ziegelei Mildenberg lässt sich am bequemsten mit der Ziegeleibahn erkunden. Foto: Imago/Zeitz

Mit diesen Steinen wurde Berlin erbaut: Milliarden Ziegel wurden bis 1991 in Mildenberg bei Zehdenick im Landkreis Oberhavel gebrannt. Heute beherbergt der Industriepark das größte Ziegeleimuseum Europas. Mit der Ziegeleibahn kann man nicht nur das Gelände erkunden, in den alten Brennkammern herumsteigen und eine Dampfmaschine bestaunen, sondern auch die Häfen besichtigen. Kinder können außerdem Gokart fahren, Tiere streicheln oder auf dem Abenteuerspielplatz herumtoben.

  • Ziegelei Mildenberg Ziegelei 10, Zehdenick, tgl. 10-18 Uhr, Eintritt 8 Euro (erm. 4 Euro), Tel. 03307/31 04 10, online

Blick in die Vergangenheit im Industriemuseum Brandenburg

Der „Siemens Martin Ofen XII“ im ehemaligen Stahl- und Walzwerk Brandenburg. Foto: Imago/Fotokombinat

In Brandenburg an der Havel befindet sich das Industriemuseum. In dem ehemals größten Stahlwerk der DDR kann man viele technische Zeugnisse der Stahlerzeugungstechnologie bewundern. Zum Beispiel das technische Denkmal „Siemens Martin Ofen XII“. In Westeuropa ist er der letzte Ofen seiner Art. Bereits ein Jahr bevor man das Stahl- und Walzwerk Brandenburg 1993 stilllegte, wurde das Museum gegründet. Seinen Sitz hat es in der denkmalgeschützten Stahlwerkshalle. Die Dauerausstellungen „Der Stahlstandort Brandenburg im 20. Jahrhundert“ und „Brennabor in Brandenburg“ gehen über die Zeit der DDR und des Stahl- und Walzwerkes hinaus. Ein Stahlwerk befand sich an diesem Ort schon seit 1912.

  • Industriemuseum Brandenburg August-Sonntag-Straße 5, Brandenburg an der Havel, März bis Oktober Di-So 10-17 Uhr, November bis Februar Di-So 10-16 Uhr, Eintritt 6 Euro (erm. 3 Euro), Führungen auf Anfrage, Tel. 03381/30 46 46, online

Geführte Besichtigungen des Kraftwerks Schwarze Pumpe

Laien können sich während einer Führung durch das Kraftwerk Schwarze Pumpe einen Eindruck vom Veredelungsprozess von Rotbraunkohle machen. Foto: Imago/Eckel

An der Stelle des alten Gaskombinats steht heute ein hochmodernes Kraftwerk. Angemeldete Besucher:innen werden durch Turbinenhallen, Kühltürme sowie Entschwefelungsanlagen vorbei bis auf die Plattform auf dem Dampferzeugergebäude geführt. Danach haben auch Laien eine vage Ahnung vom Veredelungsprozess von Rohbraunkohle – belehrt freilich aus Sicht des Konzerns. Die Aussichtsplattform in 162 Metern Höhe erreicht man über einen Fahrstuhl und wenige Stufen.

  • Kraftwerk Schwarze Pumpe An der Alten Ziegelei, Spremberg, Besichtigung auf Anfrage, Tel. 03564/35 66, online

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