Geschichte

Erfindungen von Frauen: Vom Fallschirm bis zum Teilchenbeschleuniger

Meistens sind es Männer, denen die Anerkennung für Geniales zukommt. Die Wissenschaftsgeschichte hat also sexistische Schlagseite, schließlich gibt es sehr viele Entdeckungen und Erfindungen von Frauen. Während ihrer Arbeit oder Forschung entdeckten sie zahlreiche Dinge, die das Leben verändern oder leichter machen. Wir geben euch einen Überblick über tolle Erfindungen von Frauen – von der Currywurst über den Fallschirm bis zu einer neuen Generation von Teilchenbeschleunigern.


Die Currywurst ist ein Berliner Original

Bis 2018 konnte man im Deutschen Currywurst Museum in Berlin etwas über Herta Heuwer lesen.
Bis 2018 konnte man im Deutschen Currywurst Museum in Berlin etwas über Herta Heuwer lesen. Foto: Imago Images/Friedel

Wie sollte es anders sein, die Currywurst kommt natürlich aus Berlin – das ist zumindest eine Version der Geschichte. Erfunden wurde sie 1949 von der Berlinerin Herta Heuwer, die in Charlottenburg an der Ecke Kant-/Kaiser-Friedrich-Straße einen Imbissstand betrieb. Im September 1949 erfand sie ihre patentierte Chillup-Sauce, ein Kofferwort aus Chili und Ketchup, und servierte diese zur gebratenen Wurst.

Ganz geklärt ist allerdings nicht, wer die Currywurst erfunden hat. So berufen sich die Menschen in Hamburg auf Uwe Timms Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“. Der Autor schreibt, er habe bereits 1947 am Hamburger Großneumarkt an einem Imbissstand eine Currywurst gegessen. In Berlin würdigen wir dennoch lieber die Erfindung von Frau Heuwer – und verraten euch hier, wo es die beste Currywurst in Berlin gibt.


Kein Kaffeesatz in der Tasse wegen der Erfindung einer Frau

So sah der von Melitta Bentz erfundene Kaffeefilter aus.
So sah der von Melitta Bentz erfundene Kaffeefilter aus. Foto: Imago Images/Oberhäuser

Kaffeeliebhabern wird die Marke „Melitta“ ein Begriff sein. Zurück geht der Name auf Melitta Bentz, die 1908 den Kaffeefilter erfand, um Kaffeesatz am Boden der Tasse zu vermeiden. Damals wurde Kaffee mit Trichtern und Filtern aus Textil oder Löschpapier zubereitet, die zunächst zugeschnitten werden mussten. Das war recht aufwendig und umständlich.

Melitta Bentz nahm eine am Boden durchlöcherte Konservendose und ein paar Löschpapierseiten aus den Schulheften ihrer Söhne und erfand so einen Filtertopf, in den nur noch ein kreisrundes Filterpapier eingelegt werden musste. Ihr Kaffeefilter wurde am 20. Juni 1908 beim Kaiserlichen Patentamt zu Berlin als „Kaffeefilter mit nach unten gewölbtem, mit einem Abflussloch versehenem Boden und lose einliegendem Siebe“ patentiert.

Mit seiner neuen Form von 1938 ist der Melitta-Kaffeefilter noch heute in vielen Haushalten wichtiger Bestandteil des Frühstückstischs.


Lise Meitner – eine Frau der Physik

Lise Meitner forschte viel mit Otto Hahn. Gemeinsam haben sie Entdeckungen gemacht, die die Physik veränderten.
Lise Meitner forschte viel mit Otto Hahn. Gemeinsam haben sie Entdeckungen gemacht, die die Physik veränderten. Foto: Imago Images/Leemage

Lise Meitner war eine für die Physik und Chemie wichtige Frau. Geboren wurde sie 1878 in Wien, kam 1907 nach ihrer Promotion in Physik allerdings nach Berlin, um sich in Radiophysik fortzubilden. Sie nahm an Vorlesungen von Max Planck teil – und das, obwohl Frauen in Preußen sich erst zwei Jahre später offiziell immatrikulieren durften.

1907 setzte sie ihre experimentelle Arbeit mit Otto Hahn im chemischen Institut fort, und gemeinsam entdeckten sie zwei Jahre später den radioaktiven Rückstoß bei der Aussendung von Alpha-Strahlen. 1918 entdeckten Lise Meitner und Otto Hahn schließlich das Element Protactinium.

Obwohl Lise Meitner maßgeblich an der Entdeckung der Kernspaltung beteiligt war, erhielt Otto Hahn 1944 allein den Nobelpreis für Chemie. Mit ihren Erkenntnissen hat Lise Meitner die spätere Forschung geprägt. Sie war nicht nur Entdeckerin, sondern darüber hinaus die erste Frau, die sich für Physik habilitieren konnte.


Genome Editing dank Emmanuelle Charpentier

Emmanuelle Charpentier bei der Verleihung des Verdienstordens am 02.10.2019 durch Bundespräsident Frank Walter Steinmeier.
Emmanuelle Charpentier bei der Verleihung des Verdienstordens am 2.10.2019 durch Bundespräsident Frank Walter Steinmeier. Foto: Imago Images/Eibner

Die gebürtige Französin Emmanuelle Charpentier war seit 2015 am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin beschäftigt und ist seit 2018 Leiterin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene.

Sie ist eine der Entwicklerinnen der Gen-Schere CRISPR/Cas9. CRISPR ist eine neue, molekularbiologische Methode mit der man gezielt DNA schneiden und im Anschluss verändern kann. Auf diese Weise können einzelne Gene oder besser einzelne DNA-Bausteine umgeschrieben, also verändert werden. Für diese außergewöhnliche Leistung erhielten Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna 2020 den Nobelpreis für Chemie. Ihre Erkenntnisse werden die Genforschung nachhaltig verändern.


Sicher Fallschirmspringen mit der Erfindung von Käthe Paulus

Das alles wäre von die Erfindung einer Frau nicht möglich.
Das alles wäre ohne die Erfindung einer Frau nicht möglich. Foto: Imago Images/photo2000

Wer Fallschirmspringen will, ist auf die Erfindung von Katharina, genannt Käthe, Paulus angewiesen. Die nahe Offenbach geborene und seit 1912 in Berlin lebende Frau erfand den Paketfallschirm. Zuvor waren Fallschirme so groß, dass sie nicht in einem Päckchen zusammengebunden werden konnten.

Käthe Paulus arbeite ständig daran, Fallschirme sicherer zu machen. Gewiss auch, weil ihr Ehemann Hermann Lattemann 1894 in den Tod stürzte, weil sich sein Fallschirm nicht öffnete.

Heute tragen zwei Straßen in Berlin ihren Namen: eine in Moabit und die andere in Gatow. Paulus’ Grab wurde zudem als Ehrengrab des Landes Berlin eingetragen. Käthe Paulus war die erste deutsche Fallschirmspringerin und eine ganz schön coole Frau.


Mentale Hilfe schnell und online mit „Selfapy“

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Gleich drei Frauen waren an der Gründung von „Selfapy“ beteiligt, eines Online-Kurs-Angebots mit individueller psychologische Betreuung. Die drei Gründerinnen heißen Katrin Bermbach, Nora Blum und Farina Schurzfeld. Das Portal bietet möglichst schnell Hilfsangebote und Kurse bei psychischen Krisen – und schließt so eine Lücke in der Betreuung. Denn bei der Suche nach einem lokalen Therapeuten kann es wegen der hohen Nachfrage zu Wartezeiten bis zu einem Jahr kommen.

Bisher hat „Selfapy“ mehr als 30.000 Betroffene mit Depressionen, Angst-, Stress- oder Essstörungen dabei geholfen, ihre Symptome zu lindern. Von den meisten Krankenkassen werden die Online-Kurse übrigens auch übernommen. Mit ihrem Service tun die drei vielen Menschen etwas Gutes.


Isolde Haussers Grundlagenarbeit ermöglicht Strahlentherapie

Strahlentherapie wird zum Beispiel bei Krebserkrankungen angewendet.
Lebensrettende Erfindung von einer Frau: Strahlentherapie wird zum Beispiel bei Krebserkrankungen angewendet. Foto: Imago Images/Belga

Eine waschechte Berlinerin war Isolde Hausser, die mit ihren Arbeiten zur Röhrenforschung, den physikalischen Grundlagen der Strahlentherapie, der Radartechnik und der Strahlenforschung in der Medizin, beitrug.

Isolde Hausser, geborene Ganswindt, studierte Physik, Mathematik und Philosophie an der Universität Berlin. Nach einigen Jahren in der Forschungsabteilung von Telefunken wechselte sie 1929 zum Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg. Dort übernahm sie 1935 die Leitung ihrer eigenen Abteilung und arbeitete bis zu ihrem Tod am Institut.

Ihre Arbeiten über die Wirkung von Ultraschall auf bösartige Tumore brachten die Strahlenforschung in der Medizin voran. Erfindungen von Frauen wie Isolde Hausser werden auch in der Wissenschaftsgeschichte weniger beachtet, stehen der Arbeit ihrer Kollegen aber in nichts nach.


Pia Frey hat mit „Opinary“ ein Online-Abstimmungstool erfunden

Pia Frey ist Mitgründerin des Abstimmungs-Tools „Opinary„, das etwa von Zeitungen wie dem „Tagesspiegel“, dem „Spiegel“ oder der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ auf deren Websites genutzt wird.

Das Besondere an „Opinary“ ist die Möglichkeit, die eigenen Meinung auf einem Spektrum anzugeben und nicht nur Ja oder Nein zu wählen. Mittlerweile nutzen 84 Millionen User monatlich das Tool des Berliner Start-ups, um ihre Standpunkte mitzuteilen. Kein Wunder, dass Pia Frey zu Deutschlands Top 40 unter 40 gehört.


Renate Chasman verbesserte den Teilchenbeschleuniger

Zwar nicht Renate Chasman, aber ungefähr so kann man sich Nuklearforschung vorstellen.
Historische Aufnahme einer Nuklearforscherin bei der Arbeit. Foto: Imago Images/ITAR-TASS

Renate Chasman wurde am 10. Januar 1932 in Berlin geboren und war eine Frau, die es mit ihren Entdeckungen weit in der Physik brachte. 1959 promovierte sie in Experimentalphysik in Jerusalem und forschte seit 1963 am Brookhaven National Laboratory auf Long Island in den Vereinigen Staaten.

Renate Chasman arbeitete in einem von Männern dominierten Feld – und leistete wichtige Beiträge zur Entwicklung mehrerer Generationen von Teilchenbeschleunigern und baute beispielsweise den Alternating Gradient Protonen-Synchrotron (AGS) um, sodass man mit dem Beschleuniger höhere Energien erreichte.


Nachhaltiges Deo, das funktioniert – eine Erfindung von Dr. Judith Springer

Nachhaltiges Deodorant ohne Aluminium oder Plastikverpackung? Das gibt es bei „Fine Cosmetics“, die seit Juni 2016 ihre natürlichen und organischen Produkte herstellen. Die Idee eines 100 Prozent veganen Deos ohne Aluminiumsalze stammt von Judith Springer. Sie war auf der Suche nach einem Deo, das gut riecht, funktioniert und trotzdem nicht umweltschädlich ist. So entschied sie sich, ihr eigenes Deo in der heimischen Küche zu fertigen, und innerhalb eines Jahres wurde daraus ein Produkt, das man im Laden kaufen konnte.

Heutzutage gibt es Judith Springers Deos in fünf verschiedenen Duftrichtungen und mehreren Ausführungen. Darüber hinaus gibt es im Onlineshop von „Fine Cosmetics“ noch weitere Kosmetikprodukte.

Auch eine Nachfüllung der Produkte ich möglich, wenn man fünf Gläser nach der Benutzung reinigt, desinfiziert und schließlich wieder einsendet. Noch mehr Tipps für Naturkosmetik aus Berlin haben wir hier für euch.


Mehr Berlin

Sexismus ist kein Relikt der Vergangenheit. Deswegen ist Feminismus auch heutzutage noch sehr wichtig.

Berlin hat seine starken Frauen, die für die Hauptstadt unverzichtbar waren: Diese 12 Berlinerinnen prägen die Stadt maßgeblich. In Berlin wurde übrigens nicht nur die Currywurst erfunden, sondern noch viel mehr. Von Litfaßsäule bis Kondom – diese 12 Berliner Erfindungen solltet ihr kennen.