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Wilmars Gärten in Brandenburg: Ein Besuch im Gemüsebeet von Mariá Gimenez

Die Quereinsteigerin Mariá Gimenez kultiviert südlich von Berlin überzeugend aromatisches Gemüse. Vor allem aber keimt in „Wilmars Gaerten“ die Hoffnung auf eine andere Landwirtschaft. Wir haben die Künstlerin, die Vernissage gegen Veggie getauscht hat, besucht.

Leckere Dinge für eine bessere Welt: Gärtnerin Mariá Gimenez in ihren „Wilmars Gaerten“. Foto: Jonathan Joosten

Wir befinden uns irgendwo hinter Ludwigsfelde, mitten in der von Monokultur und Pestizideinsatz gezeichneten Steppe Brandenburgs. Die Luft steht still an Sommertag. Und erscheint uns mit ihrer Hitze regelrecht erdrücken zu wollen. Immerhin: Eine hellgraue Wolkendecke hängt dräuend am Himmel und macht ein wenig Hoffnung, der von anhaltender Trockenheit aufgeplatzten Erde und den schlapp herunterhängenden Blättern etwas Linderung zu bieten. Bei dem Anblick der vertrockneten Landschaften jedenfalls bleibt nur dieser einzige Gedanke: Das kann doch nicht normal sein! Allein der Englische Rasen mancher Einfamilienhäuser scheint vom Klimawandel und der einhergehenden Trockenheit seltsam verschont zu bleiben.

300 Hektar Garten im Brennglas Brandenburg

Während sich aber viele aus Fassungslosigkeit über das Versagen der eigenen Generation in kleinteiligen Debatten verlieren und die Schuldigen vor allem außerhalb des Bio-Markts suchen, gibt es auch Menschen, die tatsächlich etwas bewirken wollen. Eine von ihnen ist die Künstlerin Mariá Gimenez, die, wie sie selbst sagt, um „Vernissagen in Champagnerlaune“ inzwischen einen großen Bogen macht. Sie hätte für sowas ohnehin keine Zeit mehr.

Seit drei Jahren nämlich ist Mariá Gimenez darum bemüht, in diesem vom Klimawandel gezeichnetem Fleckchen Erde die Utopie von einer nachhaltigen Welt zu kultivieren. Auf dem ehemaligen Gut des Grafen Fritz von Schwerin liegen ihre „Wilmars Gaerten“. Der Name lässt jedoch nur schwer erahnen dass es sich bei den „Gärten“ um insgesamt 300 Hektar handelt – was noch einmal größer wäre als, sagen wir, der Berliner Tiergarten.

Das Gemüse aus Mariá Gimenez ist farbenfroh und überzeugend aromatisch im Geschmack. Foto: Jonathan Joosten

Der Fenchel oder die Holunderblüte von dort – die weit mehr zu bieten haben als jedes Bio-Label – landen inzwischen in den Lieblingsküchen eines zeitgenössischen Berlins, im Ora am Oranienplatz etwa oder im Nobelhart & Schmutzig.

Gerade einmal drei Monate ist es her, dass die 39-Jährige mit ihrem stilbewussten Gemüsestand zum ersten Mal auf einem Berliner Markt zu finden war. Umso mehr verwundert es einen, wie schnell sich die Qualität ihres ausschließlich händisch angebauten und begärtnerten Gemüses bis in die Sterneküchen Berlins rumgesprochen hat. Mariá Gimenez tüftelte die vergangenen drei Jahre still und heimlich an ihrem regenerativen Landwirtschafsmodell. Ganz ohne die aufgeblasene Inszenierung in den Sozialen Medien, wie es sich doch eigentlich für Städter:innen auf dem Land gehört.

Auch wenn ihr Gemüse also übers Hörensagen den Weg in die Spitzengastronomie geschafft hat, geht es bei Wilmars Gaertnerei nicht darum, ein paar wenigen Menschen mit eher üppigem Lebensmittelbudget ein gutes Gefühl zu geben. Gerade einmal fünf Hektar der Ländereien werden aktuell für den Gemüseanbau bearbeitet – der Rest gehört derzeit einzig und allein den Bienen und natürlich dem Humusaufbau.

Hoffnungsvoll in die Zukunft mit regenerativer Landwirtschaft

Mariá Gimenez und ihr Team (nach Verstärkung wird übrigens gesucht) wollen mit ihrem „Schaufenster für regenerative Landwirtschaft“ zeigen, wie eine Landwirtschaft gelingen kann, die für Flora, Fauna und nicht zuletzt für uns Menschen zukunftsfähig ist.Was es dafür braucht, erklärt sie uns anhand ihres Agroforstsystems, durch das ab nächstem Jahr dann auch noch Rinder und Hühner streifen werden.

Dabei überzeugt die Neu-Landwirtin nicht nur durch eindrückliche Fachkenntnisse, man vergisst sogleich, dass man es hier mit einer Quereinsteigerin zu tun hat. Mariá Gimenez gibt einem obendrein noch die glaubhafte Hoffnung, dass wir das mit dem Klimawandel hinkriegen können.

„Wilmars Gaerten“ zeigen, dass zukunftsfähige Landwirtschaft gelingen kann. Foto: Jonathan Joosten

Mariá Gimenez vermittelt glaubhaft, dass wir das
mit dem Kilmwandel tatsächlich hinbekommen.

So passt es auch ins Bild, dass demnächst Schulklassen und Jugendgruppen durch den Agroforst und die Streuobstwiesen streifen werden. Solche Natur-Seminare seien dabei erst der Anfang. Ein Non-Profit-Gemüseacker, ein Naturkindergarten und ein regelmäßiges Seminarprogramm sollen folgen. Bis dahin können Berliner:innen schon mal die alten Tomatensorten, Erbsen und Kräuter auf Berliner Wochenmärkten erwerben. Oder man lässt sich zum Beispiel gleich im Michelberger Restaurant mit Marias Gemüse verköstigen.

  • Wilmars Gaerten Gemüse von Mariá Gimenez gibt es auf den Berliner Wochenmärkten am Nordbahnhof (mittwochs), dem Ökomarkt im Arkazienkiez (donnerstags) sowie auf dem Schillermarkt in Neukölln (samstags), www.wilmarsgaerten.com

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