Kommentar

Lockerungen in Berlin: Weg mit dem ungerechten Tanzverbot für Clubs

Schneller als erwartet gibt es jetzt weitere Lockerungen in Berlin, sogar die Innengastronomie darf öffnen. Das ist erfreulich. Aber warum gleichzeitig in den Außenbereichen der Clubs weiter Tanzverbot herrscht, ist unverständlich. Gerade weil die Pandemie die Clubs besonders hart trifft, müssen die Verantwortlichen spezielle Regelungen für sie einführen, findet unsere Autorin.

Einige Clubs in Berlin haben tolle Außenbereiche, wie die Else. Tanzen ist aber nicht. Der Senat hält am Tanzverbot fest. Ein grober Unfug. Foto: Imago/POP-EYE/Ben Kriemann

Es ist Wochenende, aber nicht irgendeins: Heute, am Freitag, den 4. Juni, gibt es weitere Lockerungen in Berlin, denn wir haben Stufe 2 des Stufenplans des Berliner Senats erreicht. Das bedeutet nicht nur weniger Kontaktbeschränkungen und offene Fitnessstudios. Darüber hinaus zieht der Senat auch einige der Öffnungsschritte, die eigentlich erst für den 18. Juni vorgesehen waren, vor. Ab Freitag entfällt zum Beispiel die Testpflicht in der Außengastronomie, in Museen und im Einzelhandel. Außerdem darf nun nicht mehr nur draußen, sondern auch drinnen wieder bewirtet werden.

Das ist großartig und fühlt sich nach dem endlosen Winter im Lockdown und dem unterkühlten Frühling an wie ein unerwartetes Geschenk, das man sich immer gewünscht, aber nie bekommen hat. Aber es fehlt etwas bei dem Geschenk. Am Donnerstag forderte die Club Commission, dass auch das Tanzen in den Außenbereichen von Clubs erlaubt wird.

Das Tanzverbot in den Clubs in Berlin ist unverhältnismäßig

„Ob auf den Außenflächen eines Parks oder im Park, es bleibt Menschen verboten, im Freien zu tanzen. Daran können bisher weder ein negatives Testergebnis, noch ein ausgefeiltes Hygienekonzept etwas ändern“, heißt es in einem Statement von Pressesprecher Lutz Leichsenring. „Das Tanzverbot ist für uns absolut nicht nachvollziehbar“. Tanzen sei für viele Menschen genauso identitätsstiftend und bereichernd wie für andere der Museumsbesuch.

Natürlich setzt sich die Club Commission als Lobby der Clubs dafür ein, dass den Clubs möglichst schnell möglichst viele Zugeständnisse gemacht werden. Aber das ändert nichts daran, dass gerade wenn jetzt auch die Innengastronomie öffnet, es unverhältnismäßig ist, auf einem strikten Tanzverbot in den Clubs zu beharren. Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass draußen die Infektionsgefahr sehr gering ist, während sie in Innenräumen relativ hoch ist.

Es ist auch bekannt, dass trinkende Menschen eher dazu neigen, ihre Hemmungen fallen zu lassen und wenn sie tanzen und Musik hören, dann kommen sie sich vielleicht erst Recht näher. Trotzdem erscheint es angesichts von Aerosolausbreitung in Innenräumen und den Hygienekonzepten der Clubs inklusive Maskenpflicht beim Tanzen und Begrenzung der Gästeanzahl ungerecht, dass an einer Stelle so große Schritte getan werden und an der anderen nicht.

Eigentlich passt der Umgang mit den Clubs nicht zum Senat

Wahrscheinlich hat die Clubcommission mit ihrem Vorwurf, dass die Öffnungsschritte „vor allem im Hinblick auf die sogenannte Hochkultur entwickelt wurden“, nicht ganz Unrecht. Eigentlich passt das nicht zum rot-rot-grünen Senat, der die wirtschaftliche und kulturelle Stellung der Clubs in Berlin meist anerkennt. Aber hier scheint es, als wären die Verantwortlichen davor zurück geschreckt, extra auf Clubs abgestimmte Regelungen zu finden.

Das wiederum wäre sinnvoll gewesen: Man könnte zum Beispiel die Testpflicht für die Außenbereiche der Clubs beibehalten. Es bestünde Maskenpflicht und wie schon im letzten Sommer würde Personal darauf achten, dass nicht mehrere Menschen zusammen auf die Toilettenkabinen gehen wie in prä-pandemischen Zeiten. Es spräche nichts dagegen. Außerdem haben es gerade die Clubs, die nun am längsten geschlossen sind und am längsten auf den Normalbetrieb warten müssen, verdient, dass sich die Regierenden angemessen mit ihnen beschäftigen.


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